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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1901.
beschädigt wurden das Elektricitütswerk, das Haus von Arnhold, Kasbery & Co.,
Hotel Trendel, Hotel Krippendorf, Prinz Heinrich - Hotel, das Wohnhaus
der Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft, die Marinewerkstatt und das Homersche
Sägewerk, aufserdem ein grofser Theil der Telephonleitung und der elektrischen
Beleuchtungsanlagen. Während in Tsingtau nur wenig Wasser fiel, ging weiter
östlich, namentlich in der Ebene bei Fouschanso und an den Prinz Heinrich-
Bergen, der Regen, vermischt mit grofsen Hagelstücken, wolkenbruchartig nieder,
die Ebene fast vollkommen unter Wasser setzend.“
Die stärkeren Winde (> 6 Beaufort-Skala) wehten in diesem Oktober mit
einer Ausnahme aus nördlichen Richtungen; von solchen wurde für die drei täg-
lichen Beobachtungstermine aufgezeichnet: am 1. SSW 6, am 6. NNO6G, am 9.
NNW8 und NW6, am 12. NNO 6, am 21. NNW 7 und am 31. NNO und N 7.
Die Witterung des November 1900 glich der .in denselben Monaten der
beiden Vorjahre in höherem Mafse, als es für den Oktober der Fall war; nur
war er ebenso wie der des Jahres 1899 nicht unwesentlich kälter als der No-
vember 1898. Am 7. November trat ein Gewitter in Erscheinung. Nachdem
vereits am 12, 13., 16. und 17. die Nachttemperaturen sich dem Gefrierpunkte
zehr genähert hatten, sank das Thermometer in der Nacht vom 20. zum %1. No-
vember in diesem Herbst zum ersten Male unter 0°, dies wiederholte sich dann
ıoch an drei anderen Tagen dieses November. In diesem Monat wehten die
atärkeren Winde ausschliefslich aus den Richtungen zwischen NW und NNO, und
zwar am 5. mit Stärke 6, am 10, mit Stärke 9, am 11. mit Stärke 6 und 7, am
20. mit Stärke 7, am 24, und 28. mit Stärke 6 und am 29. mit Stärke 7.
Der Dezember 1900 war freundlicher als der des Vorjahres, wenn er auch
nicht ganz den vorwiegend heiteren Charakter des Dezember 1898 annahm. Die
Niederschlagssumme des Monats überstieg etwas die des Jahres 1899, doch ist
dies nur einigen wenigen ergiebigeren Regenschauern zuzuschreiben. Die Luft-
wärme war niedriger als in den gleichen Monaten der beiden vorangehenden
Jahre. An drei Vierteln der Tage des Monats sank nachts das Thermometer
anter den Gefrierpunkt und an zwei Tagen, d. i. am 8. und 9. Dezember, blieb
es auch am Tage unter demselben. Am 27, Dezember fiel Schnee in ergiebigerer
Menge. Vom 6. bis 8. Dezember wehte es aus den Richtungen NW und N in
Stärken 6 bis 8 und am 14. und 15. Dezember aus WNW bis N in Stärke 6.
Der Theil der Tabelle, der die Zusammenstellung für die einzelnen Jahres-
zeiten und das Jahr 1899/1900 enthält, wird für sich selbst sprechen müssen, da
eine solche Zusammenstellung für Tsingtau über frühere Jahre nicht vorliegt,
ein Vergleich also noch nicht gezogen werden kann. E. Herrmann.
Wind und Wetterverhältnisse auf der Rhede von Taku,
Juni bis November 1900.
Ans dem Bericht S. M. S. „Hansa“, Kommandant Kapt. z. S. Pohl.
Winde. Die Winde zeigten in allen Monaten eine große Unbeständigkeit,
sowohl was Richtung wie was Stärke betraf. Am seltensten wehte es aus dem
Nordostquadranten. Mit der fortschreitenden Jahreszeit drehte der Wind all-
mählich über Süd nach West. Westliche Winde traten öfter als Sandestürme
auf. Stärke und Häufigkeit heftiger Winde nahmen allmählich zu; in der letzten
Zeit war häufig stürmisches Wetter, das zwei bis drei Tage anhielt. Auffällig
oft erschien der Wind böig.
Eis und Schnee, Ende November begann die Eisbildung, die schnell fort-
schritt. In den ersten Tagen des Dezember konnte ein hölzerner Dampfer in
den Peiho nicht mehr einfahren; vom 10. ab war die Mündung auch für eiserne
Schiffe unpassirbar. Trotzdem auf dem Wasser fast kein Schneefall beobachtet
wurde, zeigte sich Anfang Dezember die Küste, besonders die Nordküste Shantungs,
mit Schnee stark bedeckt, In dem nur wenig südlicher liegenden Tesingtau war
am 15. Dezember außer anf den höchsten Bergspitzen kein Schnee sichtbar.