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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Jachmann: ‚Der Cyklon- von Galveston:am 8. September 1900. 219 
Der Wind war während des Vormittags am 8. im Allgemeinen Nord mit 
yanz kurzen Schwankungen zwischen NW und NO und blieb so bis 1 Uhr nach- 
mittags. Nach 1 Uhr nachmittags war er bis 8'/2 Uhr abends vorherrschend NO, 
ging dann‘ auf Osten. und dauerte ‘in dieser Richtung bis 10 Uhr abends.‘ Nach 
10 Uhr abends wehte der Wind aus SO und nach 11 Uhr abends vorherrschend 
aus Süd und SW. Die Richtungen‘ nach 11 Uhr abends sind persönliche Beob- 
achtungen des: diensthabenden. Beamten des‘ Wetterbureaus in: Galveston. Erst 
ım 1 Uhr nachmittags wurde die Sturmgeschwindigkeit erreicht, nach dieser Zeit 
nahm .der Wind stetig zu und erreichte um 5 Uhr nachmittags die. Geschwindigkeit 
des Orkans; Die gröfste gemessene Geschwindigkeit war fünf Minuten lang 
84 Meilen in der Stunde: oder 37,5m in der Sekunde um 6-Uhr 15 Minuten abends. 
Das Anemometer wurde um diese Zeit weggeweht, und kurz vor 8 Uhr-.abends 
wurde. der Wind. auf eine Geschwindigkeit von mindestens 120-‘Meilen. in:.der 
Stunde oder 54 m in:der Sekunde. geschätzt.: Um. 8 Uhr abends, gerade: bevor 
der Wind auf Ost überging, trat‘ für: kurze Zeit Stille ein, als er. jedoch aus Ost 
und SO :wehte, schien er mit noch größerer. Heftigkeit ‘wie ‚vorher: zu wehen, 
Als der Wind um 11 Uhr abends auf Süd gegangen war, nahm er stetig an Stärke 
ab und wehte am folgenden Tage um 8 Uhr morgens nur noch mit einer Ge- 
schwindigkeit von 26 Meilen in der Stunde oder 11,6 m in der Sekunde. — - 
Das Barometer begann während des Nachmittags des 6. zu fallen und fiel 
stetig, aber langsam bis zum Mittag des 8.; um diese Zeit wurden 747,3 mm. ab- 
gelesen. Vom Mittag des 8. bis 8 Uhr 30 Minuten abends fiel das Barometer 
schnell; es zeigte um diese Zeit 723,4 mm, also einen Sturz von 24 mm in 
81% Stunden, Nach 8 Uhr 30 Minuten abends stieg das Barometer ebenso schnell, 
wie es gefallen war. 
Zur Kontrole des Barographen, welcher diese Aenderung des Luftdruckes 
anzeigte, wurden in Aubetracht des schnellen Fallens des Barometers Ablesungen 
vom Quecksilberbarometer gemacht, welche folgendes Resultat ergaben: 
äh p 737,9 mm ch 62p 733,0 mm 7h 15p 728,70 mm 
3h 119 np 736,66 mm 6h 209p 732,0 mm ‚7b 409p 726,9 mm 
5h 30Mp 735,3 mm 6h 40°p 730,2 mm "sh 0mp 725,2 mm: 
5h 30M 734,05 mm‘ 6h 48m p 728,97 mm ah 10mp 724,7 inm: 
Diese Ablesungen bestätigten die Richtigkeit der Aufzeichnungen des Baro- 
yraphen und zeigen die ‘große Heftigkeit des Cyklons. Während desselben 
wurden die meteorologischen Instrumente von dem Beobachter in bewunderungs- 
würdiger Ausdauer bedient. So lange es ihm möglich war, das Dach des 
Observatoriums zu erreichen, wurden die Leitungsdrähte der selbstregistrirenden 
Apparate von ihm unversehrt erhalten. Um 6 Uhr nachmittags wurde der Regen: 
messer fortgeweht, und die Thermometerschutzhütte folgte bald nach. Alle 
Instrumente in derselben waren bis auf den Thermographen zerstört, letzterer 
wurde beschädigt aufgefunden, konnte aber wieder in Ordnung gebracht werden. — 
Vom Centralbureau in Washington waren Sturmwarnungen zeitig nicht nur 
nach Galveston, sondern längs der ganzen Küste gemacht worden, Da die Zer- 
störung wesentlich mit durch die Fluthwelle verursacht worden ist, würde ein 
Wellenbrecher vor dem Hafeneingange jedenfalls viel zur Verminderung des 
Unheils beigetragen haben, denn der ‚äufserste nordöstliche Theil der Stadt, 
welcher durch die südliche Mole geschützt ist, hatte weit weniger als die übrigen 
ungeschützten Theile gelitten. — Die genaue Zahl der ums Leben Gekömmenen 
wird wahrscheinlich niemals bekannt werden, — 
Berlin W, den 10. März 1901. ;. dJachmann, Korv.-Kapt,
	        
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