Hegemann, Fr.: Ein Orkan bei den Kap Verden.
tichen Kurse nordwärts von dem Sturme, ohne etwas von demselben verspürt
zu haben.
D. „„Itaparica‘“ traf auf seiner Reise ausgehend vom 9. bis 15. zwischen
35,1° N-Br in 12,8° W-Lg und 10,8°N-Br in 27,2° W-Lg einen ungestörten Nord-
ostpassat.
D. ..Säo Paulo“ trat seine Reise von Corufia am 15. bei einem mäfsigen
Nordostwinde ‚an. Am Mittage des 17. beobachtete man auf 38,6° N-Br und
12,0° W-Lg N 6 und am Mittage des 18. auf 34,6° N-Br in 15,4° W-Lg NO 3.
Um 12 Uhr 30 Minuten in der Nacht vom 18, zum 19. wurde die Rhede von
Funchal erreicht. Um 10 Uhr 30 Minuten, also zwei Stunden zuvor, in etwa
32,9° N-Br und 16,6° W-Lg, sprang der Wind plötzlich von NO 1 auf WNW 2.
Am 19. wurde Madeira wieder verlassen, bei einem leichten Nordostpassat, dessen
südliche Grenze, ohne dafs eine nochmalige Störung. eingetreten wäre, am 24. in
9,7° N-Br. und 26,0° W-Lg überschritten wurde.
D. „Buenos Aires“ passirte ausgehend am 16. auf 13,5° N-Br und
25,3° W-Lg die südliche Grenze des Nordostpassatgebietes und beobachtete am
17. auf 9,0° N-Br in 26,6° W-Lg W 4.
Nach den vorstehenden Angaben waren am 14., 15. und 16. September 1897
im Nordatlantischen Ozean auf der Route der vom Kanal nach dem Aequator
ausgehenden und von diesem dorthin zurückkehrenden Dampfer und ‚Segler
normale Witterungsverhältnisse. vorhanden. Der Südwestmonsun erstreckte sich
an den beiden ersten Tagen ‚von 4° bis 5° N-Br in 28° bis 30° W-Lg nach
10,5° N-Br in etwa 27,5° W-Lg. Am 16. zog sich die südliche Grenze des
Nordostpassates bis nach 13!/2° N-Br zurück, Am 17. lag dieselbe in 17'/2° N-Br,
während die nördliche Grenze des Nordostpassates am letztgenannten Tage durch-
schnittlich ausgehend in 32° N-Br überschritten wurde. Der Passat wehte mit
einer mälsigen bis steifen Stärke, welche mit dem Fortschreiten nach Süden zunahm,
Am Abend des. 17. machte sich auf den südlichen Schiffen ein stärkeres
Fallen des Barometers und eine Zunahme des Passatwindes bemerkbar; die Luft
nahm ein drohendes Aussehen an, und es traten Böen mit heftigem Regen ‚auf.
Dieser Witterungsumschlag wurde hervorgerufen durch eine barometrische
Depression, welche mit ihrem Kern von rund 752 mm um 8 Uhr in annähernd
17°N-Br zwischen 22° und 23° W-Lg über den östlichen Inseln der Kap Verden
— Buenaventura und Sal -— lag. Indem das barometrische Minimum nahezu
eine nördliche. Bahn zwischen den Meridianen von 22° und 23° W verfolgte,
lag es am 18. 4a in ungefähr 18° N-Br, am 18, 12*a in 19° N-Br, am 18. 8" p
in 20°N-Br, am 19. 4*a in 21°N-Br, am 19. 12"a in 22°N-Br und am 19. 8"p
in 23° N-Br. Ungefähr um die letztgenannte Zeit fand auch bei Madeira eine
atmosphärische Störung. statt, wobei um 10'/2 Uhr der Wind plötzlich von NO 1
auf WNW 2 sprang. Am 20. herrschte im Passatgebiet der hier in Betracht
kommenden Gegend leichter Wind, stellenweise aus dem westlichen Halbkreise.
Die Segelschiffe „Erwin Rickmers“, „R. C. Rickmers“ und „J. W. Wendt“
befanden sich auf der linken, das Segelschiff „Brunshausen“ und der Dampfer
„Tucuman“ auf der rechten Seite der Bahn des Centrums. Auf diesem krimpte
der Wind zwar am Vormittage des 18. von Ost auf NO zurück, um dann aber
nach rechts auf SO zu holen. Der Dampfer „Bonn“ schritt mit der Depression
in ihrem linken hinteren. Quadranten vorwärts. .
Die Fortbewegungsgeschwindigkeit der Depression betrug etwa 7,5 Sm in
der Stunde; das Gebiet der stürmischen Winde hatte einen Durchmesser. von
etwa 200 Sm. Der niedrigste reducirte Barometerstand von ungefähr 752 mm
wurde am 19. September um Mittag an Bord von „Erwin Rickmers“ in 22,5° N-Br
und 24,6° W-Lg beobachtet, während der Wind. sich von NNO 12 nach N 11
veränderte. Eine Fortbewegung des Sturmfeldes nach West, und zwar ganz
hinüber über den Ozean nach den westindischen Gewässern, wie sie in früheren
Werken über Orkane mehrfach verzeichnet ist, hat sich in der erheblichen Anzahl
von Orkanen in der Umgebung der Kap Verden, ‚welche in den Journalen der
Seewarte berichtet sind, noch in keinem einzigen Falle erweisen lassen. Der
hier besprochene macht von der Regel keine Ausnahme.
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