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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Hegemann, Fr.: Ein Orkan bei den Kap Verden. 
September 20, vormittags. Zunehmende nördliche Dünung bei Windstille; 
Mittag kam leichter Nordwind durch. 
S. „Erwin Rickmers‘“, südwärts steuernd. . 
September 17, nachmittags. Mäfsige östliche Briese und schönes Wetter, 
welches noch bis zum folgenden Vormittage anhielt. 
September 18, 12"a, Schaueriges Wetter; die Luft sieht im Süden sehr 
ärohend aus; seit 9 Uhr Staubregen mit Unterbrechungen. Bis abends 10 Uhr 
hielt sich der Passat unverändert, alsdann holte der Wind allmählich nördlicher, 
an Stärke bedeutend zunehmend. Ebenso wurde die See sehr grob. Von 10 Uhr 
abends an ging das Barometer beständig herunter; der Himmel bedeckte sich 
ganz, und im SO blitzte es. Wir nehmen an, dafs wir es mit einem Wirbel- 
sturm zu thun haben, der sich von SSW nach NNO fortbewegt, und in dessen 
Nordwestquadranten wir uns befinden. 
September 19, 4a. Die See wurde so grob, dafs wir nur mit Gefahr 
weiter lenzen konnten. Deshalb drehten wir unter Sturmsegeln mit B. B.-Halsen 
bei, um den weiteren Verlauf von Wind und Wetter abzuwarten. Das Schiff lag 
vergleichsweise gut auf der hohen See, obwohl zuweilen furchtbare Brechseen 
liefen, die unsere Lage sehr gefährdeten. In einem dieser Brecher setzte das 
Schiff den Kopf bis zum Fockmast und den ganzen Aufsenklüverbaum unter 
Wasser, wobei die festgemachten Klüver vom Baum wegschlugen und das Wasser- 
stag brach. Das Schiff wurde gleichzeitig mit sehr grofser Gewalt über Steuer 
getrieben, was mit zur Folge hatte, dafs eine See von hinten über das Heck 
brach, welche das Ruderhaus in Stücke zerschlug, das Kompafshaus nebst Kompafß 
wegrifs, die Kajütsthür einschlug und die Kajüte sowie den Proviantraum ganz 
mit Wasser anfüllte. . 
Um 10 Uhr vormittags den 19. war der Sturm am heftigsten mit. der 
Stärke 12 aus NNO, Von jetzt nahm die Windstärke allmählich ab, der Regen 
hörte auf, und die Luft klarte etwas ab. Am Nachmittage wurde ein Schiff ge- 
sichtet, welches unter Sturmsegeln auf St. B.-Halsen beigedreht lag. 
Während des Orkans hatte „Erwin Rickmers“ in 72 Stunden eine Ver- 
setzung von 24 Sm nach S 41° W. 
S. „Pera‘*“, südwärts bestimmt. 
September 17, nachmittags, wehte ein mäfsiger, allmählich auffrischender 
Passatwind. Die. unteren Wolken zogen aus SW; durcheinanderlaufende See. 
September 18, 12 Uhr mittags. Die Cirri-Wolken ziehen schnell aus SW 
und Süd, die Cum. dagegen mit grofser Geschwindigkeit aus NNO. Die südwest- 
liche See verliert sich auffallend. 
September 19, 4*a. Zerrissene drohende Luft; mitunter sind einige Sterne 
sichtbar. Der Wind, welcher steif aus ONO weht, holt bald darauf abflauend auf 
0SO und im weiteren Verlauf des Tages westlich. 
September 20, 8"a, kam auf 19.1° N-Br der Nordostpassat wieder durch, 
S. „R. C. Rickmers“, südwärts steuernd. 
September 18, 6a. Anhaltender feiner Regen; von 8"a an zunehmender 
stürmischer Nordostwind. Wir lenzten vor Fock- und Grofsmarssegel. Am Nach- 
mittage nahm der Wind rasch zu; es traten Böen von Orkanstärke auf. Um 
3 Uhr flog das Grofsuntermarssegel aus den Lieken; um 4 Uhr nachmittags hatten 
Fock- und Voruntermarssegel dasselbe Schicksal. Wir ließen das Schiff auf 
St. B.-Halsen an den Wind kommen; müssen warten, bis neue Segel angeschlagen 
werden können. Nach 10 Uhr abends liefs die Windstärke nach. 
September 19, 4"a. Der nördliche Wind nahm rasch ab, es konnten neue 
Segel angeschlagen werden und von 4 Uhr nachmittags an unter vollen Segeln 
die Reise weiter fortgesetzt werden. Der Nordostpassat war wieder zur 
Geltung gelangt. 
S. „Brunshausen‘, südwärts steuernd. 
September 17, 12" p. Hohe südliche Dünung neben der mäßigen öst- 
See. 
September 18, 8a. Sturmböen von der Stärke 10, seit 7 Uhr von heftigem 
begleitet. Um 8 Uhr abends hohe wild durcheinanderlaufende See. 
September 20, 8a. Mehrere Landvögel beim Schiffe, 
15 
gegen
	        
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