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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1901, 
entlang und befanden uns am Morgen des 1. August West 30 Sm entfernt von 
St. Pierre - Insel. Abends sichteten wir Seraia- oder West - Insel in der Süd- 
Natunas-Gruppe. Um 7"p überfiel uns eine sehr heftige Böe aus West, in welcher 
die Obermarssegel heruntergefiert werden mulsten. Dabei wolkenbruchartiger 
Regen; vorher kam eine kleine Windhose, welche über das Schiff hinwegging 
und dasselbe erst nach der Lee‘, dann nach der Luvseite ziemlich stark über- 
warf. Da alle vorhergegangenen Böen und Gewitter nur wenig Wind, nicht 
über 4 bis 5, brachten, so hatten wir auch dieses Mal noch alle vier Skeisegel 
bei. Wir mufsten nun aber mit alle Mann rasch bergen und hatten das Glück, 
dafs wir, ehe der heftigste Windstofs kam, alle Segel bis auf die Marssegel und 
die Fock aufgegeiet hatten. Während der Nacht kamen noch mehrere heftige 
Böen, bei denen zweimal die Obermarssegel wieder gestrichen werden mufsten. 
Dann klarte das Wetter ab; wir setzten alle Segel und nahmen unsern Kurs 
östlich von Grofs-Natuna. 
Am Mittage des 2. August war das Besteck 3° 55‘ N-Br und 108° 45' O-Lg. 
Nach einer neuen schweren Böe WNW 8 am Nachmitiage klarte das Wetter 
abends ab; wir setzten unsern Kurs NzO, um zwischen den Paracel- und den 
Macclesfield - Riffen hindurchzugehen, und behielten nun den Wind beständig aus 
dem Südwestviertel, nur zuweilen unterbrochen von schweren Böen, welche 
immer zwischen 7* und 8 p von WNW einfielen und 20 bis 30 Minuten dauerten. 
Am 9. August abends sichteten wir die Lema - Inseln; vorher hatten wir viele 
Fischerdschunken passirt. Da nun wieder leichte, umlaufende Winde eintraten, 
konnten wir den Hafen von Hongkong erst am 11. August um 2"p durch die 
östliche Zufahrt mit Schleppdampferhülfe erreichen. Reisedauer vom Eingange 
der Sunda-Strafßse 25, von New York 106 Tage. 
Fast alle chinesischen Fischer geben sich für Lootsen aus. Sie fordern 
75 bis 100 Dollar, sind aber schliefslich mit 30 bis 50 Dollar zufrieden. 
Von Hongkong nach Portland, Oregon, bestimmt, verliefsen wir mit 
„Veter Rickmers“ am 28. September 1900 um 8"a bei Ostnordostbriese den 
ersteren Hafen. Da aufserhalb der Lema - Inseln bei steifem Nordostwinde die 
See zu hoch ging, mußten wir den Lootsen schon innerhalb der Inseln absetzen; 
um 11"a erreichten wir die offene China-See. Ich hatte gehofft, dafs der Nord- 
ostmonsun noch nicht endgültig eingesetzt sei, und mich deshalb entschlossen, 
zwischen Formosa und Luzon nach dem Stillen Ozean hinauszugehen und dann 
die Reise nördlich vom Nordostpassatgebiete auf dem kürzesten praktischen Wege 
zu vollenden. Ich Kkreuzte deshalb, in Erwartung einer baldigen Veränderung, 
fünf Tage lang gegen den Monsun an, wohei kaum die Position behauptet werden 
konnte. Ich entschlofs mich deshalb am 3. Oktober auf 20,2° N-Br und 115° O-Lg 
durch die Sunda-Straße und um Australien herumzugehen. Ich wurde zu diesem 
Entschlusse noch mehr geleitet, als der Kapitän eines englischen Vollschiffes, der 
nach San Francisco bestimmt war und vier Tage vor uns Hongkong verliefs, mir 
vor Antritt der Reise schon gesagt hatte, dafs er, da der Nordostmonsun schon 
eingesetzt wäre, durch die Sunda-Strafse und um Australien gehen werde. Dafs 
diese Route keine ungewöhnliche war, bewies mir auch eine nach Port Townsend 
bestimmte amerikanische Bark, die wir in der Sunda-Strafßse antrafen. Dieselbe 
hatte Hongkong einige Tage nach uns verlassen.!) Wir setzten den Kurs 
zwischen den Paracel-Riffen und der Macclesfield-Bank hindurch. Ehe wir noch 
die Durchfahrt erreichten, flaute der Wind, der vorher aus NO mit der Stärke 6 
bis 7 geweht hatte, am 4. Oktober auf 18,4° N-Br und 115,7° O-Lg gänzlich ab 
und holte auf OSO. Weiter war der Nordostmonsun also noch nicht vorgedrungen. 
Wir mußten abhalten, um die Paracel - Riffe im Westen zu passiren, und kamen 
so bis zum 7. Oktober mittags mit flauer Briese aus Ost bis 0SO und leichten 
Böen von SSO nach 16,5° N-Br und 111,3° O-Lg. 
An dieser Stelle begann ein schwerer Sturm. Der Wind drehte sich nach 
NO, später nach Nord und nahm gleichmäfsig an Stärke zu. Das Barometer, 
das anfänglich auf 761 mm unred. stand, fiel zuerst langsam, dann aber schneller 
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1) Die übrigen von Mitarbeitern der Seewarte geführten acht Schiffe, welche die Reise von 
Hongkong oder Manila nach Californien, Oregon oder die Juan de Fuca-Strafse zur Zeit des Nord- 
ostmonsuns antraten, nahmen alle den Weg östlich von Formosa nordwärts, Ihre Fahrten hatten 
eine mittlere Dauer von 56,7 Tagen: die kürzeste dauerte 47, die länyste 72 Tage,
	        
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