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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Von der Sunda-Strafse nach Hongkong und zurück, 
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Windstille und Gegenstrom immer wieder ankern; auf unserm letzten Anker- 
platze, wo Anjer-Leuchtthurm NOzN 3 Sm peilte, lagen wir fast den ganzen Tag 
über. Der Strom setzte 2!/2 Knoten nach SWzS. Abends 7 Uhr hatten wir eine 
schwere Gewitterböe aus NO 6 bis 7; eine Stunde später wurde es still, worauf 
eine frische Briese aus NNO durchkam, die nach 11" p auf Ost holte und 
flauer wurde, 
Am 22. Juli um 1'/* a gingen wir mit leichter Landbriese unter Segel 
und. passirten um 11% a, nachdem wir noch einmal zu ankern genöthigt worden 
waren, Anjer. Von hier steuerten wir bei leichter Südostbriese innerhalb Brahant- 
Insel längs der Küste von Java, wo wir einen nach NO mit 1 Knoten Fahrt 
setzenden Strom hatten. Abends 8 Uhr ankerten wir bei Windstille wieder, und 
zwar auf 13 Faden Wasser. Eine norwegische Bark, die schon das erste Mal mit 
uns zusammen Anjer passirt und, nach Batavia bestimmt, einen Lootsen an Bord 
hatte, aber nicht die Rundfahrt um Dwars in den Weg machte, ankerte jetzt 
wieder bei uns, hatte demnach auch nicht besser vorwärts kommen können wie 
wir... Nachdem wir während der Nacht vor Anker gelegen hatten, wurden um 
4a am 23. Juli Segel gesetzt und mit leichter Nordostbriese dicht unter der 
Java-Küste aufgekreuzt. Der Strom setzte NO 1'/2 Knoten. Mit leichter Briese 
aus SW, die gegen 9" a aufkam, gelangten wir glücklich aus der Strafse, nach- 
dem wir sechs Tage in derselben zugebracht hatten. Am Mittag des 23, Juli 
peilte St. Nikolaus-Spitze S%/40 und zugleich Babi-Insel 050’'40. 
Leichte südwestliche und südöstliche Winde bei ganz ruhigem hellen 
Wetter und günstige NzO-Strömung brachten uns an Nord-Wächter vorüber nach 
dem Macclesfield-Kanal der Gaspar-Stralse. Am 25. Juli um 5”p peilte Sboal- 
water-Insel 080!/40 und Pulo Lepar NNW, worauf unter fortwährendem Lothen 
und Peilen des Landes in die Strafse hineingesteuert wurde. Um 2"30"a des 
26. stieß das Schiff, nachdem .kurz vorher 13 und 15 Faden gelothet worden 
waren, an einen schwimmenden Gegenstand. Gleich darauf ankerten wir auf 
17 Faden Wasser; um 3*40" a gingen wir ankerauf, aber nur für solange, bis 
wir '/a Sm quer vom Lande gesegelt waren, dann liefsen wir, um den Tag abzu- 
warten, den Anker fallen. Bei Tagesanbruch sahen wir dann, dafs das Schiff mit 
der St. B.-Seite an einer Korallenbank lag. Wir setzten ein Boot aus und 
Jlotheten von diesem aus, indem wir recht voraus nach NNW ruderten; gleich- 
zeitig wurde an Bord rund um das ganze Schiff herum gelothet. Dabei fanden 
wir an der St. B.-Seite die Tiefe von 17 Faden vorn am Schiffe, nach hinten bis 
zu 31/2 Faden beim Kreuzmast abnehmend, dann wieder zunehmend bis 15 Faden 
am Heck. An der B. B.-Seite fand sich die geringste Tiefe von 9 Faden etwa 
10 Fufs vor dem Kreuzmast. Im Boote wurden in der angegebenen Richtung 
überall 17 Faden gelothet. 
i Wir brachten einen grofsen Wurfanker mit zwei Trossen nach NNW aus, 
hievten letztere steif und lichteten den Buganker. Mit Südostbriese, 2, segelte 
das Schiff ohne weitere Unterstützung unsererseits frei von der Bank, ohne dafs 
ein Schrammen oder Rutschen am Boden wahrgenommen wurde. Auch war das 
Anlehnen des Schiffes an die Bank ein so leichtes, dafs es von Niemandem an 
Bord bemerkt worden war. Da das Schiff keinen Schaden erlitten hatte, setzten 
wir die Reise ohne Weiteres fort. Der Tiefgang des Schiffes war vorn 23 Fuls 
1 Zoll, hinten 23 Fuß 4 Zoll englisch. Nach meiner Erfahrung muls ich an- 
nehmen, daß die in der Karte!) verzeichneten Korallenbänke Nord bis NNO 
vom Pulo Tjelaka- (Tijilagin-) Leuchtthurm weiter. vom Lande liegen als au- 
gegeben ist, und Discovery Rock in Wirklichkeit dem Leuchtthurm näher liegt, 
als in. der Karte angegeben, 
Mit leichtem Ostsüdostwinde gelangten wir am 26, Juli um 4" p in die 
Peilung Gaspar-Insel N'WAW mw. 12 Sm; weil aber der Wind auf Nord drehte 
und der .Strom südlich lief, ankerten wir auf 18 Faden Wasser. Auch in den 
nächsten Tagen war das Vorwärtskommen durch flaue, umlaufende, oft konträre 
Winde und vielfach südlich setzenden Strom ein sehr schwieriges. Erst am 
30. Juli mittags erblickten wir Direction - Insel }in N'/2zW; um 4* p peilten wir 
dieselbe NzW und Datıu- Insel 0ON0'20. Von dort steuerten wir bei leichten 
Winden aus dem südlichen Halbkreise an der Ostseite der Tambelan - Inseln 
‘) Leider ist nicht angegeben, weiche Karte Kapt. Schober im Gebrauch hatte,
	        
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