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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

208 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1901, 
die Ladung Zeit hätte, sich zu setzen und die Gase abziehen könnten, so glaube 
ich nicht, dafs irgend welche Gefahr bei dem gröfsten Schiffe nach irgend einer 
Seite entstehen würde. Die Liegetage jedes Schiffes sind auch, wie sie jetzt 
kontrahirt werden, lang genug, dafs man nach vorher geschilderter Methode beim 
Beladen verfahren kann. 
Hinsichtlich meiner zweiten Kohlenladung möchte ich noch mittheilen, dafs 
dieselbe nach sechstägiger Reise vom englischen Hafen zweifelsohne nur dadurch 
in einem Orkane überging, weil sie sich im Schiffe noch nicht festgesetzt hatte. 
Ich hatte Längsschotten anbringen lassen, im Unterraume sowohl als im Zwischen- 
deck, von 2 Fuß über dem Kielschwein an je 2 Fufßs voneinander an beiden Seiten 
der Stützen zweizöllige Planken von 8 Zoll Breite, die auch bei der KEntlöschung 
noch alle intakt waren, ein Beweis dafür, dafs die Ladung nicht von Bord zu 
Bord übergegangen war, sondern an der Luvseite von den Wägern nach den 
Längsschotten und auf der Leeseite von den letzteren nach der Bordwand. 
Es ist ferner ja ganz schön, in den Cbarterpartien festzusetzen, dafs die 
Ladung unter der Oberaufsicht des Kapitäns verstaut werden soll, oder Aehnliches. 
Sagt der Kapitän den Trimmern aber etwas über ihre Arbeit oder verlangt von 
denselben dies oder jenes, so werden die Leute grob und drohen mit Niederlegen 
der Arbeit. Ich könnte hiervon Beispiele bringen, die mir selbst passirt sind. 
Als ich mich mit Hülfe des deutschen Konsuls, der gleichzeitig Agent für das 
Schiff war, an die Colliery wandte, wurde mir aber gesagt, ich müßte versuchen, 
mit den Trimmern auszukommen, sonst würfen die Leute die Arbeit auf meinem 
Schiffe nieder; sie, die Colliery, müfste sich auch den Arbeitern fügen und könnte 
ihnen keine Vorschriften machen, 
In Vorstehendem habe ich meine Ansichten so gut als möglich dargelegt, 
und sollte es mich freuen, wenn von mafgebender Seite ein Passus in die Charter 
aufgenommen würde, welche den Kapitän ermächtigen könnte, darauf zu achten, 
dafs bei der Beladung eines Schiffes mit Kohlen für lange Reisen nach be- 
stimmten Vorschriften verfahren wird; alsdann glaube ich, dafs Entzündungen 
und Uebergehen der Kohlenladungen bald abnehmen werden, wodurch wohl 
manches Menschenleben sowie Schiffseigenthum vor dem Untergange be- 
wahrt bliebe. 
Von der Sunda-Strafse nach Hongkong und zurück. 
Bericht von Kapt. PP. Schober, Viermastvollschif” „Peter Rickmers“, 
Nach 81 tägiger Reise von New York kamen wir am 17. Juli 1900 in Sicht 
von Java Head, welches wir mw. NO 20 Sm peilten. Am nächsten Tage kamen 
wir in die Peilung ONO 4 Sm von Anjer - Feuerthurm, in dessen Nähe wir um 
Gh p, da es ganz still wurde und uns ein Gegenstrom von 2!/ Knoten nach SSW 
3zetzte, auf 11 Faden Tiefe ankerten. Ich will hier bemerken, dafs auf dem „Peter 
Rickmers“ ein Dampfankerspill sich befindet, welches uns später, da wir oft auf 
jiefem Wasser ankern mufsten, vorzügliche Dienste leistete. 
Um 9"p lichteten wir bei leichter Landbriese Anker; um 1"a am 19. Juli 
peilten wir Anjer-Feuer SO 1 Sm und um 6"a Topper’s-Insel SSO 2 Sm. Am 
Nachmittage wurden wir bei leichtem Südostwinde durch eine starke Strömung 
der Sumatra-Küste zugesetzt. Der Strom setzte anfänglich nach NW 3,5 Knoten, 
bei Windsor Rock nach WNW, später nach West und schliefslich in NO von 
Strom Rock nach WSW bis SW, fortwährend mit gleicher Geschwindigkeit. Am 
Morgen sah ich ein Vollschiff denselben Weg treiben, das nur mit knapper Noth 
Windsor und Strom Rock klarte. 
Als wir bis Strom Rock zurückgetrieben waren, steuerten wir wieder der 
Java - Küste zu, was aber bei den sehr flauen umlaufenden Winden nur sehr 
langsam ging. Als es still wurde und der Strom stark nach NW zu setzen 
begann, ankerten wir am 20. Juli um 10"a auf 22 Faden Tiefe. Um 3" 30" p 
gingen wir mit einer Böe von SO unter Segel, hatten uns aber mit Mühe Anjer 
auf etwa 5 Sm genähert, als wir um 4" 30" a am 21. Juli wegen Windstille und 
südwestlich setzenden Stromes wieder auf 37 Faden Tiefe zu Anker mulsten. 
Während des Tages versuchten wir mehrere Male zu segeln, mufßsten aber bei
	        
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