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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Vorsichtsmafsregeln ‚bei..der Einnahme. von Kohlenladungen; > 207 
Es ist ja selbstredend, dafs die Kohlen nach der. Ablandeseite .hart hinüber 
fliegen und das Schiff dort dicht voll wird; wenn es nachher auch wieder gerade 
getrimmt wird, so liegt die Ladung doch an.der Landseite viel lockerer als auf 
der anderen Seite fest. Es gestaltet sich natürlich besser, wenn das Schiff von 
beiden Seiten beladen wird, und zwar hauptsächlich im Unterraume; die Ladung 
im Zwischendeck hat nicht so viel Platz zum Ueberlaufen beim Einstürzen, 
Viel Unangenehmes hatte ich immer, wenn die Zwischendecksluken ge- 
schlossen werden sollten; ich setzte meinen Befehl, dieselben zu schliefsen, aber 
immer durch. Mir wurde stets gesagt, die anderen Schiffe hielten die Luken 
offen wegen der Ventilation. Wo bleibt aber die Ventilation, wenn die Luken 
5 bis 6 Fuls hoch mit Kohlen bedeckt sind? Die nächste Folge des Offenhaltens 
der Luken ist, dafs beim Arbeiten des Schiffes auf See die Kohle im Unterraume 
zusammensackt und: dann aus dem. Zwischendeck nachstürzt. Dadurch wird das 
Schiff immer steifer, und es entstehen Höhlungen in den‘ oberen Schichten der 
Ladung. Kommt man dann nach einer Reise von 50 bis 60 Tagen in schlechtes 
Wetter und hohen Seegang, so ist es kein Wunder, wenn die Ladung übergeht, 
oder wenn durch schweres Arbeiten des Schiffes die Kohle sich entzündet. Da- 
durch, dafs die Zwischendecksluken geschlossen werden, bleibt im Unterraume 
stets eine gleichmäfsige Oberflächenventilation, ebenso wie im Zwischendeck, und 
die Ladung liegt fester. Nach meiner Ansicht ist die Entzündung sowie das 
Uebergehen der Kohle einzig und allein auf das fehlerhafte Verfahren beim Ein- 
nehmen der Ladung in den Kohlenhäfen zurückzuführen. ; 
Ein Schiff hat laut Charterpartie gewöhnlich 15 Tage Colliery workingdays. 
Der Kapitän meldet sich ladebereit und wartet nun, bis der Ablader Ladung für 
ihn am -Platze und eine Kohlenstürze für ihn frei hat, worauf er dann Order 
erhält, sein Schiff. dorthin zu holen. Gewöhnlich sind nun die halben Liegetage 
schon verflossen, ehe das Schiff zu laden anfängt, und dann geht es Hals über 
Kopf, um dem, Schiffe kein Liegegeld bezahlen zu müssen, Es passirt sehr häufig, 
dafg dann in der Zwischenzeit während des Ladens. eines Segelschiffes noch . ein 
Dampfer einkommt,’.der sich verspätet hat und nun sofort beladen. werden muß, 
alsdann mufs das Segelschiff weichen, und es. sind nachher nicht gleich wieder 
Kohlen am Platze. Als ich vor zwei Reisen mit dem „Roland“ in Cardiff von 
den Herren Wilson, sons & Co. für Santos beladen werden sollte und den 
Direktor der Office fragte, ob es mit dem Beladen schnell oder langsam gehen 
würde, damit ich mich danach richten könnte, sagte dieser: „Das hinge vom 
Wetter ab“; wenn es- gut bliebe; daß ihre zu beladenden Dampfer rechtzeitig 
hereinkämen, so müßte ich wohl meine Zeit ausliegen, käme aber Nebel und 
dergleichen mehr, so würde ich schnell beladen werden. Das Letztere geschah. 
Dem Rheder ist es ja ebensowohl wie dem Kapitän lieb, rasch beladen 
zu werden. Keiner freut sich wohl mehr wie der Letztere, wenn er erst wieder 
aus diesen Kohlenhäfen fort ist und. sein Schiff wieder reinigen kann. Nun 
heifst es aber in fast allen Charterpartien: Der Kapitän mufs, wenn Wind und 
Wetter gestatten, innerhalb 48 Stunden nach dem Klariren segeln; das ist nach 
meiner Ansicht ein in den meisten Fällen schlecht angebrachter Zwang. In der 
kurzen Zeit hat sich die Ladung noch nicht gesetzt, ja sie ist vielleicht erst 
eben ganz fertig getrimmt, und nun muß das Schiff in See gehen. Aus 
sämmtlichen englischen Kohlenhäfen mufs man ohne ausgebrachten. Klüverbaum 
hinaus — glücklich derjenige, der nach neuester Bauart ein langes festes Bug- 
spriet hat —; man hat die ersten Tage genügend zu thun, um Klüverbaum, 
Pardunen, ja zu Zeiten auch Wanten wieder zu setzen, um segeln zu können, 
hat also keine Zeit, nach der Ladung zu sehen; tritt nun schlechtes Wetter. ein, 
so kommt durch das schwere Arbeiten des Schiffes die Ladung in Bewegung, 
und wenn sie auch nicht gleich übergeht, so entsteht dadurch doch Reibung 
derselben; es bilden sich Gase, und darauf folgt später vielleicht die Entzündung. 
; Nach meiner bescheidenen Ansicht wären allein die Assekuranz - Gesell- 
schaften zur Abhülfe der erwähnten Uebelstände im Stande, wenn. sie sich ver- 
einigten in dem Verlangen, vor Abschlufs der Versicherung der Ladung Auskunft 
zu erhalten wie, unter welchen Umständen und in welcher Zeit die Kohlenladung 
eines. Schiffes übergenommen wurde. Würde die Ladung eines Schiffes von etwa 
2000 Tonnen Tragfähigkeit in Zwischenpausen eingenommen, sage. 500 Tonnen 
an einem Tage, dann ein Tag Pause und dann wieder 500 Tonnen u. 8. w., damit
	        
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