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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1901. 
Nachdem die Insulaner etwa 45 Minuten an Bord gewesen waren, brafsten 
wir unsere Segel voll, setzten unsere Reise fort und nahmen Abschied, begleitet 
von einem dreifachen Hurrah der Bootsleute, welche, wie es schien, mit dem 
gemachten Tauschhandel sehr zufrieden waren. 
NB. Die Gänse von Tristan da Cunha kann ich meinen Kollegen nicht 
empfehlen; sie schmecken eben so thranig wie Albatrosse. 
Vorsichtsmafsregeln bei der Einnahme von Kohlenladungen zur Ver- 
hütung von Selbstentzündung und VUebergehen während der Reise.‘ 
Von Kapt. C. Meyer, Führer des deutschen Schiffes „Roland“, 
Wie der Seewarte bekannt ist, machte ich mit dem deutschen Schiffe 
„Adelaide“ drei Reisen mit Kohlen von Cardiff nach der Westküste Südamerikas, 
von denen zwei mit Gaskohlen nach Callao und eine mit Dampfkohlen nach 
Pisagua bestimmt waren. Ich lieferte auch die täglichen Aufzeichnungen über die 
Temperatur der Kohlen, gemessen in drei Peilrohren, deren Platz ich genau be- 
schrieb. Trotzdem zwei dieser Kohlenladungen unter den ungünstigsten Um- 
ständen eingenommen wurden, d. h. bei Regen und Unwetter, die Kohlen also 
total durchnäfst waren, erhitzten sich dieselben nicht, und zwar nach meiner 
Ansicht aus folgenden Gründen: 
Schon bei der ersten Ladung sah ich beim Einnehmen derselben scharf 
darauf, dafs, nachdem ein gewisses Quantum Kohlen, etwa %z der Ladung, im 
Unterraume verstaut war, sämmtliche Luken im Zwischendeck, die nachher von 
Kohlen bedeckt waren, geschlossen wurden. Das letzte Drittel wurde dann im 
Zwischendeck untergebracht. Die Ventilatoren in dem Vor- und dem Achterluk 
blieben .natürlich offen. In jeder Luke wurden Peilröhren, von oben bis zum 
Boden der Räume führend, zum Messen der Temperatur angebracht, ferner 
wurden Längsschotten, sowohl im Unterraume wie im Zwischendeck, an beiden 
Seiten der Deckstützen errichtet, um das Uebergehen der Ladung zu verhüten. 
Nachdem die Kohlen nur zwei Tage im Schiffe gelagert hatten, ging ich ruhig 
auf die Reise. 
Ich mufs bemerken, dafs an ein gutes Trimmen der Ladung in den Kohlen- 
häfen jetzt nicht mehr zu denken ist. Sobald der letzte Wagen Kohlen nur auf 
Deck liegt, verschwinden die Trimmer vom Schiffe, nachdem sie aber vorher für 
ihr vermeintlich gutes Trimmen noch den Kapitän um ein Trinkgeld angebettelt 
haben. Dafs die Ladung gut gestaut ist, davon kann natürlich nicht die Rede 
sein. Häufig werden die Schiffe nachts mit dem Laden fertig, und kommt dann 
leich darauf die Order von der Dockkompagnie, wegzuholen, um einem anderen 
Schiffe Platz zu machen, und darf man sich dessen nicht weigern. Besieht man 
sich dann am nächsten Tage die Arbeit an der Ladung, so sieht man, daß im 
Zwischendeck nichts wie Berge und Thäler sind, die bei erster Gelegenheit über- 
gehen können und dals aufserdem noch einige Wagenladungen über den Luken 
auf Deck liegen, die dann von der eigenen Schiffemannschaft weggetrimmt 
werden mufs. 
Im Unterraume sieht es ebenfalls mit der Ladung, was Stauen anbetrifft, 
nicht besser aus, Da giebt es Berge und Thäler in Menge; denn solange die 
Luken an Deck nicht mit Kohlen überhäuft voll sind, gehen die Trimmer nicht 
hinunter, sondern stellen nur einige Planken auf, die die Ladung nach den Seiten 
führen sollen. Ich kam einmal in Cardiff mittags 12 Uhr an Bord, nachdem wir 
am 8 Uhr morgens angefangen hatten zu laden, und fand mein Schiff nahezu 
zum Kentern nach St. B. überliegen, B. B.-Seite lag dem Lande zu; die Kohlen 
lagen an Deck höher wie die Reling des Schiffes, die Trimmer saflsen an Deck 
und hielten Mittag. Zur Rede gestellt, gaben sie mir zur Antwort, sie würden 
schon zur rechten Zeit anfangen zu trimmen. Ich verbot sofort die weitere Ein- 
nahme von Ladung, bis das Schiff wieder auf ebenem Kiel lag, und so ging die 
Sache gut ab, 
Vgl. diese Annalen, Jahrgang 1894, Heft VII, 1899, Heft I und Heft VL.
	        
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