accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Tristan da Cunha, 
“73 
AUF 
Tristan da Cunha.”) 
Von Kapt. H. Otto, Führer des Schiffes „R. C. Rickmers“. 
Auf. der Reise: von New York nach Hongkong, auf der wir zur Zeit — 
das Schreiben des Kapitäns ist datirt: den 20. Mai 1900 im Indischen Ozean — 
begriffen sind, passirten wir in der Nähe der Insel Tristan da Cunha. So oft 
ich als Matrose, Steuermann und Kapitän schon durch diese Gegend gekommen 
bin, ist es nie möglich gewesen, mit den wenigen Einwohnern der einsamen 
Insel in Verbindung zu treten, da jedes Mal Wetter oder Wind. dies verhinderte. 
Von beiden begünstigt, gelang es uns auf dieser Reise. Es wird meinen Kollegen 
und der Seewarte von Interesse sein, etwas darüber zu hören. ; 
An Bord des „R. C. Rickmers“ wurde Tristan da Cunha am 5. Mai 1900 
um 7 Uhr morgens bei Hellwerden gesichtet. Die Luft blieb den ganzen Tag 
über ‘klar, der Wind mäßig von. NNW bis NNO. Vormittags war der ganze 
Berg, der die Insel ausmacht, bis zur Spitze sichtbar; nachmittags wurde: jedoch 
die obere Hälfte desselben von einer Wolkenschicht verdeckt. Als wir näher 
kamen, sahen wir schon von Weitem ein Boot auf uns zukommen. Um 4 Uhr 
nachmittags, als. wir uns ungefähr 4 Sm nördlich von der Niederlassung befanden, 
kam das mit: neun Insulanern besetzte Walboot längsseite, alle gesund aussehende, 
kräftige Leute, denen man Allen mehr oder. weniger Negerblut ansah.“) Sie 
brachten ‚vier Hinterviertel gutes Rindfleisch, Kartoffeln, Taucherenteneier, Milch, 
Gänse, Pinguinfelle und sonstiges zum Tauschhandel, den’ wir durch verschiedenen 
Schiffsproviant, von‘ Mehl, Reis, Tabak und dergl. erwiderten. Einige alte 
Kleidungsstücke wurden ebenfalls mit grofsem Danke angenommen. 
Die Leute waren beim Handel sehr bescheiden. Vom Kapitän des Bootes 
hörte ich, daß gegenwärtig 63 Personen auf der Insel leben. Der in Findlays 
Directory erwähnte Governor Green. lebt noch und sollte in einigen Tagen 
seinen 83, Geburtstag feiern. Er soll noch sehr frisch und rüstig, sein, wohl ein 
Beweis, dafs das Leben auf der einsamen Insel ganz gesund sein mufs, ; 
Die Einwohner besitzen gegenwärtig 500 bis 600 Stück Rindvieh‘ und 
aufserdem viele Schafe. Die wilden Ziegen sind beinahe ausgerottet, aber wilde 
Katzen noch vorhanden. Alle Jahre einmal kommt ein englisches Kriegsschiff, um die 
Post zu bringen und mitzunehmen; auch etwaige Auswanderer nach dem Kap- 
lande werden‘ von diesem Schiffe mitgenommen. Es ist schon nach und nach 
ein Theil der Einwohnerschaft dahin ausgewandert. In diesem Jahre war bisher 
das Kriegsschiff ausgeblieben, was wohl eine Folge des südafrikanischen Krieges 
war, Auf. die Offiziere dieser Kriegsschiffe waren die Insulaner gar nicht gut 
zu sprechen. Ich fragte nach mitzunehmenden Briefen, doch waren keine vor- 
handen, da das Boot in grofßser Hast abgefahren war. Auf meine Einladung 
trank der Kapitän nur ein kleines Glas Bier; als ich ihn fragte, ob er nicht auch 
Tabak einzutauschen wünschte, zählte er schnell. zusammen, wie viele Menschen 
auf der Insel Tabak rauchten und kam zu der stattlichen Zahl fünf. ; 
Die Ernte war in diesem Jahre sehr schlecht ausgefallen, da viele schwere 
Stürme dem Wachsthum hinderlich waren. Der Südoststurm, den wir am 29. und 
30. April durchmachten, hatte auch hier sehr stark gewüthet. Auf meine Frage 
nach den Wasserströmungen in der Umgebung der Insel wurde mir die Auskunft. 
dafs stets ein NO- bis ONO-Strom vorhanden sel. 
Der auf der Insel vorhandene Viehschlag mufs, nach den eingetauschten 
Hintervierteln zu urtheilen, ein ziemlich grofser sein. Die Kinwohner warteten 
schon seit einiger Zeit auf einen längst gemietheten Schoner, der eine Ladung 
Rinder von der Insel nach Kapstadt bringen sollte... Fleisch, Kartoffeln, Gemüse, 
Eier, Butter, Milch u. s. w. haben die Einwohner in Hülle und Fülle, aber es 
fehlen ihnen oft Mehl, Thee, Kaffee und dergl.. Schiffe laufen Tristan da Cunha 
nur noch ganz vereinzelt an, seitdem der Walfang in diesem Meeresstriche so 
sehr zurückgegangen ist.. In der letzten Zeit waren öfters Dampfer passirt, die 
aber nicht anhielten. Wahrscheinlich waren dies Trausportschiffe der englischen 
Regierung, welche Vieh von den argentinischen Häfen nach Kapstadt brachten, 
1) Siehe auch Jahrgang 1900 der Annalen, Heft VII, Seite 329. 
2) Wohl eine: Folge der Vermischung mit. Kaffernweibern. im Kaplande:
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.