204 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1901.
war meistens klar. Eine Ausnahme machten der 19. und 21. Juli. Am 19, Juli
vormittags war das Wetter regnerisch; von Mittag bis 4° p regnete es anhaltend
so stark, daß wir 14 Tage lang Waschwasser für die Mannschaft hatten. Zu
gleicher Zeit setzte auch schwerer Seegang ein, der bis zum folgenden Tage
anhielt. Gegen 10*a den 21. Juli kam frische Nordnordwestbriese, Stärke 5 bis 6,
durch und hielt in dieser Stärke bis 4” p an.
Da dieser Wind recht dwars wehte und „Ennerdale“ nur einen kleinen
Warpanker auf felsigem Grunde ausgebracht hatte — Leichter zum Vertäuen
sind nicht vorhanden — war unsere Lage so nahe an den Klippen durchaus
keine sichere. Glücklicherweise hielt dieser Anker. Am folgenden Tage war
die See schlicht, dann folgten jedoch sechs Tage mit Seegang.
Der Regen des 19. Juli hat hier grofsen Schaden in den Minen angerichtet,
da herabrutschende Erdmassen Alles mit sich fortgerissen haben. Die meisten
Minenarbeiter haben ihre gesammte Habe verloren. Die Verwaltungsgebäude
sind völlig breit gedrückt und verschüttet worden. Der Gesammtschaden soll
sich auf 100 000 bis 120 000 Pes. belaufen.“
Kapt. Buller berichtet ferner, dafs in den englischen Segelhandbüchern
ein Schmelzwerk in Guanillo angeführt ist, aber nicht in Gatico. Dieses Werk
sei jedoch eingegangen und nur das in Gatico in Betrieb. Mehrere englische
Kapitäne in Tocopilla hätten ihm gesagt, dafs sie Gatico für Guanillo gehalten
hätten. Dies kann, nach Bullers Ansicht, für ein nach Tocopilla bestimmtes
Schiff leicht gefährlich werden, da die Klippen von Guanillo in NW 4 Sm von
Gatico entfernt liegen.
Von Nagasaki nach Tsingtau.
Aus dem Reisebericht S. M. S. „Kurfürst Friedrich Wilhelm“, Kommandant Kapt, z. S. v. Holtzendorff.
Januar 1901.
(Hierzu Tafel 19.)
1. Landmarke auf der Insel Quelpart.
Am 24. Januar wurde Mt. Auckland auf Quelpart bei bedecktem und
mondlosem Hinmel ungefähr zwei Stunden vor Sonnenaufgang bei 20 Sm Ab-
stand klar erkannt. Der in Skizze A der britischen Admiralitäts-Karte No. 104
(Tit. XI, No. 111) rechts von Loney Bluff gezeichnete hohe alleinstehende Berg
ist eine vorzügliche Landmarke. Die Position dieses Berges in der angeführten
Karte wurde im Vorbeifahren aus drei verschiedenen Richtungen eingeschnitten
und ist aus der beigefügten Skizze (Tafel 19) ersichtlich. Dieser Berg bildet
jedoch nicht einen Theil einer Gebirgskeite, wie es nach der Karte scheinen
möchte, sondern steht allein,
2. Strombeobachtungen.
Am 23. Januar wurde zwischen Osima und Osaki (Kap Goto) bei leichtem
nördlichen Winde ungefähr drei Stunden vor Hochwasser ein östlicher Strom
von 0,6 Sm in der Stunde festgestellt. In der Nacht vom 23. zum 24. Januar
wurde zwischen den Goto-Inseln und der Insel Quelpart bei nördlichem Winde
Nordoststrom, 0,2 Sm in der Stunde, beobachtet. Am 24. Januar vormittags wurde
in der Nähe von der Barlaw- und der Giffard-Insel, zwischen welchen der Kurs
bindurchführte, in der Zeit von 6* 58" und 7* 28" Oststrom, 2,5 Sm in der Stunde,
festgestellt; zwischen diesen beiden Inseln selbst wurden starke Stromschnellen
beobachtet. Nach dem Passiren dieser Inseln wurde sodann zwischen 7* 55” und
842" a ein südöstlicher Strom von 2,0 Sm in der Stunde beobachtet.
Der Wind war vom 23. bis 24. Januar NNO—NWzN 1—2, vom 24. bis 25.
NWzN—NNO 2-—6—7, am 25. NNO-NW 6—7—2.
3. Wassertemperaturen.
Auf der Skizze (Tafel 19) sind die Wassertemperaturen zweistündlich ein-
getragen, sowohl die auf dieser Reise als auch die auf der Reise von Wusung
nach Nagasaki am 2. und 3. Januar 1901 gemessenen.