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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1901.
Als dann die Depression im Osten und auch das Hochdruckgebiet im
Westen ihren Einflufs verloren, trat eine bis zum 15. währende veränderliche
ziemlich gleichmäfsige Druckvertheilung über Centralenropa ein, die leichte
wechselnde Winde und tägliche Niederschläge, wenn auch theilweise an einigen
Tagen heiteres Wetter herbeiführte. Im Laufe des 15. stellte sich wieder das
vom Ozean über Kontinentaleuropa ausgedehnte Hochdruckgebiet her gegenüber
Depressionen im Süden und im Norden. Das Maximum breitete sich jedoch über
Skandinavien aus und drängte einen Theil der Depression von Skandinavien zu-
nächst südwärts nach Norddeutschland, so dafs am 17. an der westdeutschen
Küste die aufgeführten stürmischen Nordostwinde hervorgerufen wurden, Diese
Theildepression schritt am 18. rasch nach Südeuropa, während sich ein Rücken
hohen Druckes, von den Britischen Inseln nach Finnland reichend, herstellte;
bei nordöstlichen Winden traten an diesen Tagen meist Niederschläge auf.
Nachdem am 19. und 20, über Centraleuropa wieder hoher ziemlich gleich-
mäßig vertheilter Luftdruck und veränderliche leichte Winde bestanden hatten,
stellte sich am 21. abends das vom Ozean aus über Kontinentaleuropa aus-
zebreitete Hochdruckgebiet wieder her. Dieses Hochdruckgebiet verlagerte sich
aber rasch südwärts, während die Depression über Nordeuropa ihren Einflufs bis
nach den Alpen ausdehnte. Eine längs der Küste ostwärts schreitende Ausbuchtung
der Depression rief am 22. steife südwestliche Winde an der mittleren Ostsee
hervor. Kin nachfolgendes tiefes Minimum verursachte am 23,, von Mittel-
skandinavien nach dem Finnischen Busen dringend, an der ganzen Küste stürmische
rechtdrehende Winde aus westlichen Richtungen, und kaum dafs diese Winde
etwas abgeflaut und etwas zurückgedreht waren, brachte eine Randbildung auf
der Rückseite der Depression, ein in südlicher Richtung durch die Ostsee
achreitender Ausläufer, der Ostsee-Küste am 25. nochmals stürmische recht-
drehende Winde aus westlichen Richtungen. Niederschläge über dem ganzen
Gebiete charakterisirten diese Tage vom 21. bis 24,
Die letzten Tage des Monats führten eine ganz veränderte Wetterlage
herbei, indem sich niedriger Luftdruck vom Ozean über Nord- und Kontinental-
auropa ausdehnte, gegenüber einem Hochdruckgebiet über Südosteuropa mit
zinem Kern über Südrussland. Winde aus südlichen Richtungen brachten Er-
wärmung, so daß der fast ununterbrochene Frost an der Küste ein Ende nahm
and zunächst an der Nordsee in der Nacht vom 26. zum 27., an der Ostsee in
der folgenden keine Frosttemperaturen mehr beobachtet wurden. Blieben die
Niederschläge am 25. und 26. auf das Gebiet westlich der Elbe beschränkt, so
traten diese an den beiden letzten Tagen des Monats wieder an der ganzen
Küste auf, und es herrschte, mit Ausnahme des am 25. an der Ostsee heiteren
Tages, vorwiegend trübes, am 26. ostwärts bis Rügen nebeliges Wetter,
Buchanzeige.
Instruktion für die Prüfung von Schiffspositions-Laternen. Herausgegeben von
der Deutschen Seewarte. Hamburg 1901,
Durch das Inkraftreten der neuen „Kaiserlichen Verordnung zur Verhütung des Zusammen-
;tofsens der Schiffe auf See“ vom 9. Mai 1897 ist eine neue Instruktion für die Prüfung von Schiffs-
positions-Laternen nothwendig geworden, und wird damit die alte, welche als Sonderabdruck aus den
„Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie“, Heft VI, 1895, erschienen ist, aufgehoben.
Die neue Kaiserliche Verordnung bestimmt, dafs die Seitenlaternen von Dampffahrzeugen
anter 113 cbm Brutto-Raumgehalt nur eine Sichtweite von mindestens 1 Sm, die Topplaternen eine
solche von mindestens 2 Sın zu haben brauchen. Ebenso ist in Artikel 4 dieser Verordnung für die
rothen Laternen für nicht manövrirfähige Schiffe eine Sichtweite von mindestens 2 Sm festgesetzt.
Ferner sind durch die im Anhange dieser Instruktion abgedruckte Kaiserliche Verordnung „über
die Abblendung der Seitenlichter und die Einrichtung der Fositionslaternen auf Seeschiffen“ vom
16. Oktober 1900 bestimmte Vorschriften über die Abblendung der Positionslaternen und deren Ein-
richtung gegeben. Es wird noch mehr wie früher auf den grofsen Vortheil der geschliffenen Linsen
hingewiesen. Neu bestimmt ist, dafs bei Topplaternen Reflektoren nicht verwendet werden sollen;
ebenso nicht beim Gebrauch von elektrischem Licht. Im Uebrigen ist der Modus der Prüfung der-
selbe geblieben, nur wurde ihm in einigen Theilen eine präcisere Fassung geg eben.
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei
Berlin SW, Kochstralse 68—71,