Haltermann: Wasserhosenartige Erscheinungen im Golfstrome,
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und stand deshalb unter niedrigerem Luftdruck, als „Robert Rickmers“ gleich-
zeitig beobachtete. Bei „Maria“ war am 25. Januar der Wind NW 8, der
Luftdruck 758 mm, die Luftwärme 6°C und die Wasserwärme 17°C. Kapt.
Schnieders bemerkt dazu: „Starker Nebel auf dem Wasser, Hagelböen“. Am
26. Januar, als „Maria“ nach 37° N-Br und 70° W-Lg gelangt war, wehte
Sturm aus NW in Stärke 9, das Barometer zeigte noch auf 758 mm, ebenso
waren auch Luft- und Wasserwärme der am Vortage beobachteten nahezu gleich ge-
blieben. Heute wie am vorhergehenden Tage war der Himmel ganz bewölkt. Im
Tagebuche befinden sich folgende Bemerkungen: „Nebel mit Hagelböen; die Wolken
stehen in langen trichterähnlichen Streifen an verschiedenen Stellen auf dem
Wasser und haben das Aussehen von Wasserhosen. Auch der Nebel steigt mit-
anter auf und erscheint wie ein Wald, Zwischen den Böen ist es flau.‘ Am
27. Januar, als die Luftwärme bei „Maria“ auf 12° C gestiegen war, finden sich
im Tagebuche keine Bemerkungen ähnlicher Art mehr, Während der letzten
Hälfte des Monats Januar wurden auch sonst noch in diesem "Theile des
Atlantischen Ozeans niedrige Lufttemperaturen beobachtet. So wurde am
27. Januar in 44° N-Br und 62° W-Lg die Luftwärme gleich — 5° C gemessen,
doch betrug die Wasserwärme dabei nur 1,8°C. Am 22, Januar hatte die Luft
in 45° N-Br und 46° W-Lg eine Wärme von — 5° C und gleichzeitig in 41° N-Br
und 49° W-Lg eine solche von — 1°C. An beiden Orten wehte zur Zeit ein
kräftiger Nordwind. .
Auch während des folgenden Monats beobachteten Mitarbeiter der See-
warte Erscheinungen der vorher beschriebenen Art. Kapt. G. Schmidt, vom
Hamburger Dampfer „Prussia“, berichtet darüber Folgendes in seinem Tagebuche:
„Am 20. Februar in 41° N-Br und 60° W-Lg, Wind NW 9, Luftdruck 761,5 mm,
Luftwärme — 1,5° C und Wasserwärme 15° C, Hagel- und Schneeböen. Be-
obachteten den ganzen Tag Windhosen an der Grenze der Hagel- und Schnee-
böen. Sie erschienen vom Schiffe wie starke, grauschwarze Dampfwolken und
mochten einen Durchmesser von 20 bis 30 m haben. Die Hose unter den
Wolken war bald trichterförmig, bald bandähnlich, bald mit einer krummen,
bald mit einer gebrochenen Linie vergleichbar. Die Bewegung in den Hosen
war rechts drehend; viele liefen so schnell wie der Wind; andere blieben hinter
ihm zurück. Der Himmel war zu drei Zehnteln bewölkt.“ Auch „Prussia“
befand sich damals in dem hinteren Theile eines Tiefdruckgebietes. Am
19. Februar hatte das Barometer auf 748,0 mm gezeigt, um 8" a des 20. Februar
war ein Stand von 752,0 mm abgelesen worden,
Ganz ähnliche Erscheinungen, wie die im Vorstehenden beschriebenen,
wurden übrigens schon im Januar des Jahres 1862 von einem der jetzt an der
Seewarte angestellten Beamten beobachtet und beschrieben. Es geschah dies,
als sich das nach Baltimore bestimmte Bremer Schiff „Neptun“, Kapt. M. Bahle,
nahe am. westlichen Rande des Golfstromes, nicht weit von seinem Bestimmungs-
orte entfernt, befand. Auch hier war auf vorher wehenden warmen Südwestwind
ein stürmischer, kalter Nordwest gefolgt, bei dem das an den vorhergehenden
Tagen sehr niedrig stehende Barometer allmählich einen höchsten Stand von
ungefähr 780 mm erreichte. Es wurden damals folgende Bemerkungen nieder-
geschrieben: „Der Wind lief westlicher und brachte kühles, heiteres Wetter. Je
mehr indessen der Himmel abklarte, um so stärker begann es zu wehen, und
schliefslich wehte aus Nordwest voller Sturm, der jedoch merkwürdigerweise
immer nur in Stölßen auftrat. Man konnte die Windstölse schon vorher be-
merken, denn sie warfen das weilse Wasser vor sich her, als ob es von einer
Wasserhose emporgeboben würde. Die ganze Erscheinung hatte in der "That so
sehr das Aussehen einer Wasserhose und war auf einen solch kleinen Raum be-
schränkt, dafs ich geneigt bin, sie wenigstens als von kleinen, äufserst heftigen,
Wirbelwinden herrührend, anzusehen, Auf dem Wasser sausten sie mit der
gröfßsten Schnelligkeit dahin. Die Luft war dabei wunderbar rein und’ durch-
sichtig; am Himmel‘ waren vereinzelt nur kleine Haufenwolken zu sehen, die mit
den kleinen Wasserhosen in einer nicht sichtbaren Weise‘ in‘ Verbindung. zu
stehen schienen. Die von der Oberfläche des warmen Gulfwassers aufsteigende
Luft flimmerte, wenn man nach der Kimm sah, doch. war von Nebel- oder
Schneebildung keine‘ Spur‘ vorhanden.. Mit den einfallenden, heftigen Wind-
stößsen veränderte sich die Windrichtung oft um zwei und dei Striche.“