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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

Herrmann, J.: Die Bedeutung der Nordostdurchfahrt für die Schiffahrt. 485 
anzusteuern, wo man gewöhnlich eine fahrbare Rinne antreffen wird, in der 
man längs der Küste von Nowaja Semlja und Waigatsch bis zur. Karischen 
oder Jugor-Straße gelangen kann. Auch längs der Timanischen Küste südlich 
von Kolgujew zeigt sich dann zuweilen eine eisfreie Rinne, die aber gewöhnlich 
nur für kleine Fahrzeuge brauchbar ist. Ve ; 
Ins Karische Meer führen vier Wege, die Jugor-Straße, Karische Straße, 
Matotschkin Scharr und der Weg ums Nordende von Nowaja Semlja, von 
denen der erste am meisten benutzt wird, 
. Der Weg um das Nordende von Nowaja Semlja, für die Fahrt von 
Europa ins Sibirische Eismeer der zweitnächste (nach dem Ob und Jenissei 
der längste, vom Nordkap bis zur Insel Wilkitzky vor der Einfahrt zum Ob- 
und Jenissei-Busen. etwas über 1000 Sm), ist im Sommer zeitweilig offen, ge- 
wöhnlich aber erst Anfang September, Um diese Zeit ist der Weg von vielen 
Fangschiffen benutzt worden, die vom Nordende von Nowaja Semlja nach 
Osten gesteuert sind, oft ohne Eis zu sehen. Die Packeisgrenze, die in günstigen 
Sommern (Nordeisjahren) nahe an der Südseite von Franz Josephs-Land vorbei- 
läuft, dringt von. dort nach Südosten vor und tritt ziemlich nahe an das 
Nordende von Nowaja Semlja heran, weiter nach Osten sich wieder nordost- 
wärts wendend, In sehr ungünstigen Sommern (Südeisjahren) dagegen reicht 
sie bis an die Nordwestküste von Nowaja Semlja und beeinflußt natürlich die 
Eisverhältnisse in der Barents-See und im Karischen Meere ungünstig. Im 
Jahre 1904 lag die Südgrenze des Eises im allgemeinen 120 bis 160 Sm nörd- 
licher als 1903 und die Eisverhältnisse im südlichen Teile der Barents-See 
waren seit 1901 nicht so günstig, Schon im Mai und Juni waren die Ge- 
wässer an der West- und Nordwestküste von Nowaja Semlja ungewöhnlich 
eisfrei, während im Gegenteil die Karische und Jugor-Straße erst später als 
sonst schiffbar wurden, Ende Juni war die Nordwestküste von Nowaja Semlja 
eisfrei bis Kap Nassau; den ganzen Juli reichte eisfreies Fahrwasser bis fast 
zur Nordspitze von Nowaja Semlja, und während des ganzen August hätte Kap 
Mauritius anscheinend ohne Schwierigkeit umsteuert werden können, ; 
Schon Barents gelang es im August 1596 trotz ungünstiger Eisverhältnisse, 
um das Nordende von Nowaja Semlja bis zum Eishafen (Barents-Bucht, an 
der Nordostküste von Nowaja Semlja) vorzudringen. Im Oktober sah er vom 
Eishafen, seinem Winterquartier nach seinen Aufzeichnungen das Meer eisfrei 
und sogar um Weihnachten viel offenes Wasser, Am 8. März des nächsten 
Jahres sah er nach Nordosten kein Eis und schloß daraus, daß in dieser 
Richtung ein eisfreies Meer. sei. Seit 1869 sind mehr als 25 Schiffe, meist 
Robbenfänger, auf diesem Wege ins Karische Meer gelangt.!) Einer von ihnen, 
E, Johannesen, umsegelte 1878 schon am 22. Juli die Nordspitze von Nowaja 
Semlja und lief quer über das Karische Meer zwischen 76° und 77° N-Br. bis 
in Sicht des Kaps Taimur (16, Aug.), steuerte darauf nach Westen und Norden 
und kehrte in großem bis 78° N-Br. reichenden Bogen um die Nordküste von 
Nowaja Semlja zurück, ohne Eis zu sehen. Der norwegische Schöner »Anna«, 
der im August 1899 auf diesem Wege ins Karische Meer segelte, traf ebenfalls 
kein Eis an, 
Nach diesen Beispielen, die noch durch zahlreiche andere vermehrt 
werden könnten, kann wohl kein Zweifel darüber bestehen, daß dieser Weg 
in günstigen Eisjahren zum Eindringen ins Karische Meer mit Erfolg vwer- 
wendet werden kann, wenn die südlichen gewöhnlich viel früher offenen Ein- 
fahrten durch den Kolgujew-Eisgürtel oder durch Treibeis aus dem Karischen 
Meere verstopft sind. Doch kann das’ auf dem nördlichen Wege vorkommende 
Eis; das teilweise aus schwerem Pack- und Gletschereis besteht, den Schiffen 
sehr gefährlich werden. Auf keinen Fall darf man, auch mit starken Dampfern 
nicht, dort ins Eis einzudringen versuchen, um sich mit Gewalt unter Aus- 
nutzung offener Rinnen einen Weg zu bahnen. Das Schicksal der österreichi- 
schen Polarexpedition, die am ‘20. Aug. 1872 (allerdings sehr schlechtes’ Eis- 
jahr) in 76° 22’ N-Br. und 63° 3’ O-Lg. wenige Sm vom Kap Nassau entfernt 
1 Pet. Mitt. 1904. Heft XII. Seite 286.
	        
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