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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Herrmann, E.: Rückblick auf das Wetter in‘ Deutschland im Jahre 1900, 183 
südwestlichen Luftströmung hob sich die Luftwärme, und die Nachtfröste hörten 
auf; am Schlufs des Monats stieg am Tage das Thermometer stellenweise über 15°. 
In den ersten Tagen‘ des November: gehörte Deutschland zwar dem Hochdruck- 
gebiete an, doch lag dasselbe in einem Gebiete relativ niedrigeren Luftdruckes, 
das eine Depression im Nordwesten Europas mit einer solchen über dem Mittel- 
meere verband: das milde, trübe und’ niederschlagsreichere Wetter hielt daher 
auch noch in diesen Tagen an. - ; a 
Mit dem Verschwinden der- Depression über- dem Mittelmeere am 
5. November ließen die Niederschläge ‚über Deutschland nach. Eine von Westen 
aus nach Mitteleuropa -hin sich. ausbreitende Depression. gewann nur allmählich 
Einfluß auf. Deutschland, so dafs erst vom 10. ab daselbst wieder regnerisches 
Wetter eintrat. Die Luftwärme‘ nahm zwar entsprechend der vorrückenden 
Jahreszeit ab, und Nachtfröste stellten sich häufiger ein, doch blieb das Wetter 
im Allgemeinen mild, und zwar bis gegen das Ende des. Jahres. ; 
Selbst in den Tagen vom 17. bis 20. November, an denen lebhaftere nord- 
östliche Winde über Deutschland wehten, fand kein erheblicherer Rückgang der 
Luftwärme daselbst statt, An diesen Tagen lagerte zwar hoher Luftdruck über 
dem nordwestlichen Europa; und eine Depression streckte von dem Mittelmeere 
aus in nordöstlicher Richtung bis nach den russischen Ostseeprovinzen hin sich 
vor. Einerseits war jedoch auch über dem Innern Russlands der Himmel bedeckt, 
so daß sehr niedrige Temperaturen daselbst sich nicht einstellten, andererseits 
war auch über Südrussland der Luftdruck hoch und demzufolge dürften die 
über Deutschland wehenden Winde keine Luft aus nördlicheren Gebieten zu- 
geführt haben, .., ee 
Diese Entwickelung des hohen Luftdrukes über Nord- und Osteuropa führte 
mit dem 19, November auch ein Nachlassen‘ der Niederschläge herbei. ‘Die 
Niederschläge nahmen vorübergehend erst wieder zu, als am 25. November eine 
Depression über fast ganz Europa sich erstreckte. Als:am 26. November der 
Luftdruck sich gleichmäfsiger über Europa vertheilt hatte, wenn er auch niedrig 
blieb, gingen die Niederschläge wieder zurück... In dieser‘ Erscheinung {iritt ein 
Unterschied zwischen den die gleiche Luftdruckvertheilung begleitenden Witterungs- 
erscheinungen in der kälteren und wärmeren Jahreszeit hervor; zur Sommerzeit 
würden bei dieser Druckvertheilung sehr ergiebige Regenfälle niedergegangen sein. 
Die lebhafte südwestliche Luftströmung, die nach ‚der Entwickelung hohen 
Luftdruckes über dem südlichen Europa und mit dem Auftreten tieferer Minima 
über dem Nordsee- und dem Ostseegebiet am 4. Dezember einsetzte, brachte auch 
für Deutschland ergiebige und weitverbreitete Regenfälle mit sich. Diese hielten 
an bis zum 7. Dezember, .bie zu welchem: Tage Deutschland dem Depressions- 
gebiete angehörte. 
Dann breitete sich der hohe Luftdruck bis an die deutsche Küste nach 
Norden. hin aus, während das nördlichere Europa dauernd von einer intensiven, 
von West nach Ost sich erstreckenden Depression bedeckt wurde, Diese :Luft- 
druckvertheilung‘ erhielt sich bis zum‘ 26. Dezember. ‘ Das milde‘ Wetter dauerte 
daher über ganz Deutschland fort, Niederschläge traten dabei nur zuweilen auf, 
häufiger in Norddeutschland als in Süddeutschland, und an der;deutschen Küste 
herrschte in: den Tagen vom 11. bis 23. unruhiges Wetter. OF 
Der 26. Dezember leitete den Umschwung der Witterung ein, der dem 
milden Vorwinter nunmehr einen ‚strengen Winter folgen lief. Die bisher über 
Nordeuropa: lagernde Depression begann: sich ‚südwärts zu verlagern, während 
vom hohen Norden her ein Hochdruckgebiet nachdrängte. Bereits am 30. Dezember 
erstreckte sich dies Hochdruckgebiet bis nach der südlichen Ostsee; die Depression 
zog sich von der Biscaya-See nach Südrussland quer über das kontinentale Europa. 
Die östliche Luftströmung, ‚welche infolge..des auch -über. Südrussland. lagernden 
niedrigen Luftdruckes aus .den kalten inneren Gebieten des europäisch-asiatischen 
Kontinents stammte, führte ’so am 30. über‘ Nordostdeutschland, am 31. auch über 
dem übrigen Deutschland strengeren Frost herbei, 
Da nachdem 27. die Mittellinie der langgestreckten Depression auch 
Deutschland durchschnitt, so gingen daselbst in diesen Tagen ergiebigere Nieder- 
gchläge, zum Theil in Form von Schnee, nieder.
	        
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