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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, -April 1901. 
vorübergehend ab. Denn schon im Laufe des 24. klarte der Himmel wieder auf, 
und nach diesem Tage bis zum 29. Juli stieg mittags das Thermometer im Binnen- 
Jande fast allenthalben bis auf 30°, vielfach .bis auf 35°. Der Juli 1900 wies 
im Vergleich zu früheren Jahren also eine ungewöhnlich lange Reihe heißer 
Tage auf. ; 
Am 29. Juli breitete sich von Westen her eine Depression auch über Deutsch- 
Jand aus; zahlreiche Gewitter leiteten an diesem Tage einen Zeitraum trüben, 
regnerischen und kühlen Wetters für Deutschland ein. Mit dem 10. August er- 
streckte sich von Südwesten her ein Hochdruckgebiet zwar auch über Central- 
guropa, doch blieb infolge der vorherrschenden nordwestlichen Luftströmung das 
Wetter noch kühl; nur die Niederschläge und die Bewölkung nahmen von diesem 
Tage an allmählich ab. 
Als dann am 15. August der höchste Luftdruck in dem ganz Europa um- 
fassenden Hochdruckgebiete in eine Lage nördlich von Deutschland sich ver- 
schoben hatte und damit die Winde südöstliche Richtungen angenommen hatten; 
erhob sich auch die Luftwärme wieder auf hochsommerliche Temperaturgrade. 
Mit der Ausbreitung einer Depression über das westliche Europa am 20. August 
gewannen Gewitter und Regenfälle an Ausdehnung über Deutschland. Doch 
blieb die Luftwärme noch hoch, bis zum 25. August. An diesem Tage entwickelte 
sich im Nordwesten Europas wieder ein Hochdruckgebiet, das die Depression 
zwar nach Osteuropa zurückdrängte und somit Nachlassen der Niederschläge und 
Aufklaren des Himmels über Deutschland herbeiführte, aber auch nördliche Winde 
für Centraleuropa und infolgedessen Sinken der Temperatur mit sich brachte. 
Die nächtliche Abkühlung bei heiterem Himmel bewirkte in den letzten Tagen 
des August sehr niedrige, vielfach unter 10° liegende Morgentemperaturen. 
Im Laufe des letzten Tages des August breitete sich eine Depression über 
Nordeuropa aus und verlagerte sich dann nach dem Nordosten Europas, während 
über dem südwestlichen Theile Europas der höhere Luftdruck sich erhielt. Das 
kühle Wetter dauerte daher auch noch bis gegen Mitte des Monats September an. 
Da das nördliche Deutschland bis gegen den 1l. September vielfach dem Grenz- 
gebiete der Gebiete niedrigen und hohen Luftdruckes angehörte, so war daselbst 
in dieser Zeit der Himmel vielfach bewölkt, und Niederschläge gingen häufiger 
nieder. Süddeutschland, das tiefer im Innern des Hochdruckgebietes als jenes 
lag, war durch geringere Bewölkung und seltenere Regenfälle bevorzugt; doch 
waren auch dort besonders die Morgentemperaturen im Verhältnifs zur Jahreszeit 
sehr niedrig. Mit der weiteren Ausbreitung des hohen Luftdruckes nach Nord- 
osten am 12. September liefsen auch in Norddeutschland die Niederschläge nach, 
und vielfach heiteres Wettes, das indefls durch weit verbreitete Herbstnebel 
beeinträchtigt wurde, erstreckte sich auch auf diese Gebiete. 
Mit der Verlagerung des höchsten Luftdruckes nach Osteuropa am 
17. September hob sich die Temperatur über Deutschland sofort und ein warmer 
Nachsommer mit allerdings sehr kühlen Nächten stellte sich ein. Derselbe hielt 
an bis zu den ersten beiden Wochen des Oktober. Nur am 24., 25. und 
28. September, vom 1. bis 4., und am 10. Oktober gingen in diesem Zeitraum 
über Deutschland infolge des Einflusses von südlichen Ausläufern einer über 
Nordeuropa lagernden Depression bei bewölkterem Himmel weit verbreitete Regen- 
fälle nieder, und zwar vielfach in Begleitung von Gewittererscheinungen. 
Den Regenfällen am 10, Oktober folgte bereits eine stärkere Abkühlung, 
so dafß die Mittagstemperaturen nunmehr 20° nicht mehr erreichten und am 
12. und 13. bereits Reif gemeldet wurde, 
Das freundlichere Wetter nahm mit dem 13. Oktober ein Ende; von 
diesem Tage bis zum Anfang des Monats November gehörte Deutschland meist 
einem Depressionsgebiet an und niederschlagsreiche Witterung herrschte daselbst. 
Da Centraleuropa zunächst vorwiegend auf der westlichen Seite des Depressions- 
gebietes lag, so ging die Luftwärme noch weiter zurück, und in den Tagen vom 
17. bis 25. Oktober wurden vielfach Nachtfröste gemeldet. Stellenweise kamen 
in diesen Tagen bereits Schneefälle vor. 
Mit dem 25. Oktober gelangte Deutschland unter den Einflufs einer neuen, 
im Nordwesten Europas erscheinenden Depression. Mit der darauf einsetzenden
	        
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