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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Herrmann, E.: Rückblick auf das Wetter in Deutschland im Jahre 1900. 
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zum 17. April. Dann gelangte Deutschland in den mittleren Theil eines Hoch- 
druckgebietes, das über Europa sich ausbreitete. Der Himmel klarte infolge- 
dessen auf, und des Mittags stieg die Temperatur in den Tagen vom 21. bis 
22, April über 20°, stellenweise bis etwa auf 25°. Diese warmen Tage brachten 
besonders für Süddeutschland weit verbreitete Gewitter mit sich, 
Dieses freundliche, warme Frühlingswetter war nur von kurzer Dauer, 
Nach dem 24. April breitete sich eine Depression über Mittel- und Osteuropa 
aus, während hoher Luftdruck sich über Westeuropa erhielt. Die demzufolge 
einsetzende nördliche Luftströmung rief wieder einen starken Temperaturrückgang 
hervor. Stellenweise auftretende Niederschläge nahmen wieder die Form von 
Schnee an. Die Bewölkung war in der letzten Aprilwoche veränderlich: zeit- 
weise klarte der Himmel auf. Demzufolge waren vom 26, April an Nachtfröste 
wieder häufiger, während andererseits in Süddeutschland die ungehinderte Sonnen- 
strahlung auch höhere Mittagstemperaturen hervorrief. 
Am 2. Mai verlagerte sich das vorher im Westen Europas lagernde Hochdruck- 
gebiet nach dem östlichen Europa hin. Deutschland wurde theils von demselben um- 
fafst, theils gelangte es auf die westliche Seite desselben, Dementsprechend trat zu 
dieser Zeit Erwärmung ein. Nach diesem Tage bis gegen den 9. Mai herrschte in 
Deutschland warmes Wetter; im Norden blieb der Himmel meist heiter, während in 
Süddeutschland nach dem 7. Mai allerdings verbreitete und ergiebige: Regenfälle 
niedergingen. Aufs Neue entwickelte sich im Nordwesten Europas am 9. Mai 
ein Hochdruckgebiet, das sich weiter südwärts ausbreitete, und die nunmehr 
wieder vorherrschenden nördlichen Winde führten wieder eine starke Abkühlung 
herbei. Vom 11. bie zum 17. traten besonders in Norddeutschland starke Nacht- 
/röste auf; die Morgentemperaturen lagen stellenweise bis zu 10° unter dem viel- 
jährigen Durchschnitt der gleichen Jahreszeit. Stellenweise niedergehende Nieder- 
schläge nahmen am 10. und 11., dann am 18. und 19. noch die Form von Schnee 
an. Dies kalte veränderliche Wetter hielt bis zu den ersten Tagen des Juni 
mit kurzer Unterbrechung der Tage vom 22. bis 25, Mai an. Diese Unter- 
brechung veranlalste das Auftreten einer umfangreichen Depression im Nordwesten 
Europas bei höherem Luftdruck im Südosten; das Wetter war an diesen Tagen 
zwar warm, aber regnerisch. Diese Depression verlagerte sich unter Abnahme 
an Umfang und Intensität ostwärts, gefolgt von einem Hochdruckgebiet, so dafs 
schon im Laufe des 25. die nördlichen Winde über Deutschland wieder zur 
Geltung gelangten und damit die Temperatur zurückging. 
Im Anfang des Juni entwickelte sich im Südwesten Europas ein Depressions- 
gebiet, während der hohe Luftdruck über den nördlichen und östlichen Gebieten 
unseres Erdtheils sich erhielt. Damit erreichte die Luftzufuhr aus nördlicheren 
Gebieten ihr Ende, und bei heiterem Himmel trat eine stärkere Erwärmung ein, 
Warmes sommerliches Wetter mit hohen Tagestemperaturen setzte ein, wobei 
allerdings zahlreiche Gewitter auftraten. 
Als am 6. Juni die Depression von Südwesten her weiter nach Norden 
sich ausbreitete und ihr centraler Theil dann auch über Deutschland hinweg- 
wanderte, stellten sich an diesem und den beiden folgenden Tagen Regenfälle 
und Abkühlung ein. Doch bereits am 10. Juni gehörte Deutschland mit heiterem, 
warmem und trockenem‘ Wetter wieder einem über Mitteleuropa von Nord nach 
Süd sich hinziebenden Hochdruckgebiete an. Dieser Reihe schöner Sommertage 
bereiteten am 13. Juni zahlreiche Gewitter ein schnelles Ende. 
Nach diesem Tage entwickelte sich ein von West nach Ost langgestrecktes 
Depressionsgebiet über dem nördlichen Europa bei höherem Luftdruck über Süd- 
europa. Die Mittellinie dieser Depression verlief in geringerer Entfernung von 
der deutschen Küste, demzufolge setzte trübes, regnerisches kühles Wetter mit 
westlichen Winden über Deutschland ein. So blieben die Witterungsverhältnisse 
mit geringen Unterbrechungen bis zum 10. Juli. , 
Ein Hochdruckgebiet, das sich dann über Mitteleuropa hinzog und in der 
Folge zeitweise auch weiter nach Westen und Osten verbreitete, brachte schnelles 
Aufklaren des Himmels mit sich. Die Temperatur stieg rasch, und vom 14. bis 
22, Juli herrschte aufserordentlich heilses Wetter mit nur ganz vereinzelt auf- 
tretenden Gewittern. Am 22. Juli durchzog eine flache Depression Deutschland; 
dieselbe begleitende, sehr zahlreiche und heftige Gewitter kühlten die Luft nur
	        
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