180 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1901.
breitung sich einstellenden Niederschläge, welche zunächst vielfach noch in Form
von Schnee erschienen, wandelten sich nach dem 20. in theilweise recht ergiebige
Regenfälle um. Auch ferner anhaltend, kehrten sie zur Schneeform zurück, als
nach dem 27% wieder hoher Luftdruck über Nordeuropa und bei gleichzeitig
niedrigeren Barometerständen über dem südlicheren Europa lebhaftere östliche
Winde auch die Temperatur in Deutschland herabdrückten. Am Schlufs des
Monats bildete sich abermals mannigfach eine Schneedecke.
Ehe in der Beschreibung der atmosphärischen Vorgänge über den Januar
hinaus fortgeschritten wird, mufs die aufserordentlich starke Bewölkung dieses
Monats hervorgehoben werden. Fast allenthalben betrug die Anzahl der trüben
Tage mehr als zwei Drittel der Monatstage, und an manchen Orten kam die
Sonne für den ganzen Monat nur in weniger als zehn Stunden, in Marburg sogar
nur während vier Stunden zum Durchbruch,
Unter der Herrschaft einer vorwiegend östlichen Luftströmung hielt das
kalte Wetter in Deutschland mit kurzen Unterbrechungen im Allgemeinen bis
gegen den 16. Februar an; auch am Tage stieg zeit- und stellenweise das
Thermometer nicht über 0°. Besonders in den Tagen vom 7. bis 11. herrschte
vielfach strengerer Frost. Am 6. und 7., dann vom 11. bis 16. fiel in größerer
Verbreitung Schnee, so dafs die seit Ende Januar bestehende Schneedecke noch
etwas anwuchs.
Mit dem 16. Februar trat dann ein vollständiger Umschlag der Witterung
ein. Die hervortretenderen Minima des Luftdruckes zeigten sich zunächst wieder
ausschliefslich über dem nördlichen Europa, Deutschland gelangte damit unter
den Einflufs einer lebhaften südwestlichen Luftströmung, die rückwärts weit nach
Süden zu verfolgen ist, und demzufolge trat zuerst über Westdeutschland, dann
auch über Ostdeutschland intensives T’hauwetter ein.
Dabei hielten die Niederschläge noch an bis gegen den 23. Nach diesem
Tage breitete der hohe Luftdruck von Osten her auch über Deutschland sich
aus, die Niederschläge liefen nach, und die Bewölkung nahm ab. Die Sonnen-
wirkung gestaltete sich bei der schwachen, meist südlichen Luftströmung über
Deutschland sehr intensiv, so dafs am 25. und 26. Februar die Luft eine Wärme
annahm, welche seit langen Jahren im Februar nicht beobachtet worden ist und
auch im folgenden Monat nicht erreicht wurde; das Thermometer stieg in den
westlich von der Oder gelegenen Landstrichen Deutschlands über 15° und
erreichte sogar 20°.
Als dann nach dem 26. Februar wieder hoher Luftdruck im Nordwesten
Europas sich entwickelte, und damit eine allgemeinere nordöstliche Luftströmung
auch über Deutschland zur Geltung kam, stellte sich ein starker Rückschlag der
Temperatur ein, der nach den frühlingswarmen Tagen um so schärfer empfunden
wurde. Die erste Woche des März brachte uns einen strengen Nachwinter mit
weit verbreiteten Schneefällen und stellenweise auch am Tage anhaltendem Frost.
Am 4. und 5. März war die Kälte besonders grofß; in einzelnen Theilen Süd-
deutschlands sank in diesen Tagen das Thermometer tiefer als im Januar, so
dafs an diesen Orten jene "Tage die kältesten des ganzen Jahres waren.
Bis gegen den 10. April blieb die Luftdruckvertheilung eine solche, dafs
eine südwestliche Luftströmung, die gleichzeitig über das westliche und mittlere
Europa sich erstreckte, nicht zu Stande kam. Demzufolge blieb das Wetter kalt,
wenn auch der Frost entsprechend der vorrückenden Jahreszeit nachliefs, Da
im Gegensatz zu den beiden vorangehenden Monaten der Himmel häufiger auf-
klarte, so erhoben sich bei ruhiger Luft die Mittagstemperaturen in dieser
Zeit stellenweise zuweilen über 15°, und zwar vorzugsweise am 11., 21. und
22, März, sowie am 7. April, Dagegen hielten die Nachtfröste in größerer
Verbreitung bis etwa zum 4. April an, und bis zu diesem Tage gingen die
Niederschläge meist in Form von Schnee nieder,
Erst am 11. April brachten über den gröfsten "Theil Europas herrschende
Südwestwinde, die auf der Südostseite einer grofsen, auch das nordwestliche
Europa umfassenden Depression sich entwickelten, durchgreifendere Erwärmung
für Deutschland mit sich, allerdings begleitet von trübem Wetter und weit-
verbreiteten Regenfällen. Dies milde, aber regnerische Wetter hielt an bis etwa