Zur Küstenkunde der Marschall- und Carolinen-Inseln.
An seiner Westseite befindet sich in dem Korallenriff eine Vertiefung, in
der 4,6 bis 9 m (2'/ bis 5 Faden) Wasser steht. Diese Vertiefung können kleine
Fahrzeuge als Einfahrt bei günstigem Winde benutzen, doch mit den Winden
von NO durch O bis SO nicht, weil Raum zum Kreuzen in ihr nicht vorhanden
ist. Von dieser Einfahrt erstreckt sich das Riff noch etwas weiter seewärts.
Auf ihm steht dort 9—27 m Wasser, so dafs es möglich ist, dort zu ankern,
jedoch ist dieser Ankerplatz nur bei stetigem Winde aus den Richtungen von
NNO durch 0 bis SO zu empfehlen, weil kein Raum zum Schwojen vorhanden ist.
Die geographische. Lage dieses Ankerplatzes ist &°58‘N-Br und
166° 13‘ O-Lg. Nach der deutschen Karte wird sie als 8° 58‘ N-Br und
166° 27’ O-Lg angegeben, wobei die Länge wohl unrichtig ist.!) Ich segelte mit
dem Schuner „Milly“ von den Kwadjelinn-Inseln, hatte stetigen Wind, und von
der westlichsten Insel Ebaddon dieser Gruppe gute Peilungen, doch nachdem die
Distanz von dort bis nach Lai abgelaufen war, kamen erst die Inseln seiner Ost-
seite in Sicht. Dadurch wurde ich veranlafst, auf dem Ankerplatze genaue
Ortsbestimmungen zu machen.
Die Inseln werden von Eingeborenen bewohnt, die Kokosnüsse trocknen
und mit der Jaluit-Gesellschaft im Handelsverkehr stehen,
Ujae wurde oftmals von Lai aus angesteuert. Im November 1897 steuerte
ich mit dem Schuner „Milly“ von Lai aus mw. W bei frischem Nordostwinde.
Schon 2 Stunden später, nachdem wir nach Logge 18 Seemeilen Distanz zurück-
gelext, hatten wir recht voraus Land in Sicht. Dies war aber nicht die erwarıete
Insel Ujae, sondern die nördlich davon liegende zu demselben Atoll gehörende
Insel Wotja. Dies mufste mich auf den Gedanken. bringen, daß die geographische
Breite dieser Gruppe nicht richtig in der Karte angegeben sei.
Als wir daher auf dem angegebenen Ankerplatze bei der Insel Ujae lagen,
wurden von mir und meinem Steuermanne A. Düvel am 21. und 22. November
sorgfältige astronomische Beobachtungen gemacht, die übereinstimmend 8° 56‘ N-Br
ergaben. Das gleiche Resultat wurde von mir am 17. April 1899 gefunden, als ich
mit der Bark „John Wesley“ daselbst vor Anker lag. In der genannten deutschen
Karte wird diese Breite mit 9° 6‘N angegeben. Die von mir gefundene Länge
ist 165° 50‘ 0.
Die Zeichnung der Lagune ist in der Karte soweit richtig. Die Bock-
durchfahrt ist tief genug für alle Schiffe, aber für Segler nur mit raumem Winde
passirbar.
Von der Bock-Insel erstreckt sich das Riff in nördlicher Richtung weiter.
Auf diesem steht auf einer grofsen Strecke, etwa von dem Punkte an, wo in der
Karte „Passage für kleine Fahrzeuge“ steht, bis zu der als Bootspassage an-
gegebenen Stelle 5,5—15,5 m (3—8 Faden) Wasser. Man kann daher wohl mit
Recht dieser Strecke den Namen „Grofse Passage“ beilegen, weil sie für alle
Schiffe passirbar ist, vorausgesetzt, dafs guter Ausguck gehalten wird.
Die Ujae-Inseln bergen viele Untiefen. Sie werden von Eingeborenen
bewohnt, die, wie die Bewohner von Lae, mit der Jaluit-Gesellschaft in Handels-
verbindung stehen.
Maloelab-Atoll.”’) Die Maloelab-Gruppe mit ihren ‚vielen Inseln ist eine
der gröfsten und fruchtbarsten von der ganzen Gruppe der Marschall-Inseln, Als
Hauptinsel ist die Insel Taroa anzusehen, auf welcher sich auch die Handels-
station befindet. Für den Ankerplatz dieser Insel wurde als geographische Lage
8° 42,7’ N-Br und 171° 16,5 O-Lg bestimmt, und auf demselben 11—15 m Wasser-
tiefe gefunden.
Io der Lagune steht, abgesehen von den Untiefen, 55 - 75 m (30—41 Faden)
Wasser. Von den vielen Einfahrten sind als gut zu bezeichnen: die Durchfahrt
südlich von Kaven, die Durchfahrt nördlich von Bebi, diejenige östlich von
Enijan und zum Schlufs die Südpassage.
Wie in allen anderen Lagunen hat man auch beim Befahren dieser
guten Ausguck zu halten, weil es in ihr einige, wenn auch nicht zahlreiche, Un-
tiefen giebt.
1) In der deutschen Karte ist die Lage des Ankerplatzes bei der Insel Lai angegeben, der
stwa 4 Sm ösılicher liegt als der hier beschriebene Ankerplatz.
%Y) Siehe Skizze auf Tafel 2.