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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

176 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1901 
achter auf der Mefsbrücke unten in der Kajüte ab und erhält so eine Zahl, aus 
welcher z. B. der specifische Leitungswiderstand des Meerwassers und dadurch 
der Salzgehalt bestimmt werden kann. Indem der Beobachter beständig das 
Telephon ans Ohr hält, senkt der Gehülfe die Widerstandsgefäfse tiefer ins 
Wasser, indem er mit Hülfe der Zeichen (Marken), welche am Kabel angebracht 
sind, beständig Rechenschaft erhält über die Tiefe, bis zu welcher der Apparat 
hinabgesenkt ist. Sobald der Beobachter hört, dafs das Telephon stärker an- 
spricht, oder dafs die Klangfarbe sich verändert, stellt er auf dem Mefsdraht den 
Kontakt ein und läfst sich gleichzeitig die Tiefe angeben. Auf diese Weise erhält 
man eine zusammenhängende Reihe von Tiefen und Salzgehalten. Wenn die 
Widerstandsgefälßse den Boden erreicht haben, kann man den Umschalter auf der 
Kabeltrommel umlegen und auf gleiche Weise während des Aufholens die Tem- 
peratur messen, 
Auf diese Weise wird man den Veränderungen folgen können, welchen 
Temperatur und Salzgehalt in der Tiefe unterworfen sind; kein Schichtwechsel 
wird der Aufmerksamkeit entgehen können, und man wird unterrichtet werden, 
auf welche Weise die Uebergänge zwischen den verschiedenen Schichten vor 
sich gehen. 
Man sollte erwarten, dals man ein- für allemal den Temperaturmesser so 
justiren könnte, dafs man gleich wüfste, welche Temperatur einer bestimmten 
Ablesung auf dem Mefsdraht entspreche. Bei der Expedition im August war dies 
indessen nicht der Fall, indem die Ablesung, welche einer bestimmten Tem- 
peratur entsprach, sich theils während der ganzen Reise langsam ver- 
änderte, und theils auch während jeder einzelnen Messung auf einer 
Station. Um die Temperaturbestimmungen so weit wie möglich unabhängig von 
diesen Veränderungen zu machen, wurde bei jeder Station die Temperatur auf ge- 
wöhnliche Weise in einzelnen Tiefen gemessen, und der höchste und niedrigste Werth 
dieser Temperaturbestimmungen wurde für die Angaben des elektrischen Thermo- 
meters zu Grunde gelegt. Zur Kontrole wurde die Temperatur mit Hülfe des 
elektrischen Thermometers sowohl während des Niederlassens wie während des Auf- 
holens gemessen. Auf den folgenden vier Tafeln!) ist das Resultat der Messungen 
graphisch dargestellt, indem die Tiefen, in Metern ausgedrückt, als Abscissen, 
die Temperaturen bezw. Salzgehalte als Ordinaten angesetzt sind. Die Messungen 
mit dem Wendethermometer sind mit a bezeichnet. Ein Kreuz (x) bezeichnet 
die Temperatur, welche mit dem elektrischen Thermometer während des Nieder- 
lassens gemessen wurde, ein kleiner Kreis (©) hat eine dementsprechende Be- 
deutung während des Aufholens. Durch die so erhaltenen Punkte ist dann nach 
den Regeln der graphischen Interpolation eine Kurve gelegt, welche die Variation 
der Temperatur mit der Tiefe angiebt mit der Genauigkeit, welche der Apparat 
leisten konnte. 
Ebenso wie bei den Temperaturmessungen zeigte es sich auch bei den 
elektrischen Salzgehaltmessungen, dafs die einem bestimmten Salzgehalt ent- 
sprechende Ablesung sich nicht konstant hielt, sondern sich auch etwas ver- 
änderte, theils während der Messungen auf jeder einzelnen Station, theils während 
der ganzen Expedition. Was schuld an diesen Veränderungen ist, bleibt unauf- 
geklärt; die einfachste Muthmaflsung wäre wohl, sie einer unvollständigen Isolation 
an den Stellen, wo die Widerstandsgefäfse am Kabel befestigt waren, zuzuschreiben. 
Der Salzgehalt wurde sowohl während des Niederlassens wie während des Auf- 
holens gemessen, und die Angaben wurden in pro mille ausgedrückt, indem 
Wasserproben von einzelnen Tiefen genommen wurden, deren Salzgehalt später 
durch COblortitrirung bestimmt wurde. Hat man bei dem Salzgehaltmesser in 
einer oder der anderen Tiefe die Ablesung a, so findet man den dementsprechenden 
Widerstand m im Meerwasser von der Formel 
1 
m = 10000 (1— 1), 
indem a in Bruchtheilen der ganzen Drahtlänge ausgedrückt ist und der Ver- 
gleichswiderstand 10000 Ohm war; auf diese Weise ist der Widerstand bei allen 
Beobachtungen berechnet. 
i\ Wir geben von diesen Tafeln nur die Kurven für die eine Station No. 10 (siehe Fig. 5)-
	        
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