Schott: Elektrische Tiefenthermometer,
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in so hohem Maße, dafs es oft nur einem glücklichen Zufalle zu danken war,
wenn wirklich unzweideutige Ausschläge durch Stromschluls erhalten wurden.
Aufserdem wurde die kompensirte Nadel durch jede Lagenänderung der Schiffs-
achse zum magnetischen Meridian sehr stark beeinflufst. Nur ganz besonders
günstigen Umständen — das Schiff war fast vollständig von Eis umgeben und
infolgedessen Wellenbewegung und Dünung äufserst gering — ist es zu danken,
dafs es am 2. Dezember 1898 nachmittags gelang, eine zuverlässige!) Reihe von
Temperaturmessungen in verschiedenen Tiefen auszuführen. Nachfolgende Tabelle
ziebt dieselhen wieder:
Tiefe in 0,5 Faden ..
Tiefe in Metern. ...
Widerstand wı in 2... |
3
oa | zo
!
75 | 100‘ 195 | 150
200 | 950
18 | 182 | a57 | 686 | 914 | 12431 137,2 | 182,9 | 227,6
98.65 | 98.45 | 98.27 | 98,13 | 98,17 | 98,10 | 98,33 | 98,65 | 98,68
Temperatur t°C. ... | —1,58°| _2,15°| 2,660) —3,06°| _2,94°| 3.130) _2,48°| —] ‚58°| —1,64°
Die Genauigkeit der Widerstandsmessung ist durch die Eintheilung des
Mefswiderstandes in !/so Ohm gegeben. Die Hälfte dieser Gröfse, also */so Ohm,
läfst sich noch mit hinreichender Sicherheit, gutes Funktioniren des Galvano-
meters vorausgesetzt, schätzen. Da nun 1 Ohm Widerstandsänderung einem
Temperaturintervall von 2,833° entspricht, so ergiebt sich eine Zuverlässigkeit
der Messungen bis auf = 0,07° C.
Nach meinen Erfahrungen dürfte das Siemenssche Tiefsee-Thermometer
dasjenige Iustrument sein, mit dem Reihen von Temperaturbeobachtungen am
schnellsten und sichersten auszuführen sind, wenn es mit einem Galvano-
meter verbunden ist, das bei genügender Empfindlichkeit von den
Schwankungen des Schiffes und Aenderung der Lage zum magnetischen
Meridian nicht beeinflufst wird.
Was noch die Kabeltrommel anbelangt, so dürfte vielleicht die Herstellung
derselben aus Eisen anstatt aus Holz sich der Haltbarkeit halber empfehlen. Zur
Verbindung mit den Mefsinstrumenten würden mir Klemm- oder Stöpselkontakte
zuverlässiger erscheinen als die schwer blank zu erhaltenden Schleifkontakte.
Bei sehr genauer Messung ist ferner noch die Temperatur und die damit
verknüpfte Aenderung des Prüfungswiderstandes in Rechnung zu ziehen. —
Zum Schlufs möchte ich noch auf die Ungenauigkeit der Tiefenbestimmung
durch: Messung der ausgegebenen Kabellänge aufmerksam machen. Das Kabel
ist bei großem Querschnitt verhältnifsmäfsig leicht und verträgt keine stärkere
Belastung. Windtrift des Schiffes und Unterstrom werden also ein verhältnifs-
mäfsig starkes Abtreiben veranlassen, vielleicht läfst sich durch Messen des Druckes
der Wassersäule dieser Fehler im gegebenen Falle eliminiren.“
Soweit Dr. P. Schmidt.
Hierzu mufs aber doch noch das Folgende angefügt werden, was die Zu-
verlässigkeit der oben mitgetheilten Reihe von elektrisch gemessenen Tiefen-
temperaturen betrifft:
An demselben Tage, dem 2, Dezember 1898, wurden in rund 57° S-Br und
{4° O-Lg mittelst der gewöhnlichen Tiefenthermometer beiderlei Konstruktion
antereinander stimmende Messungen der Wassertemperatur vorgenommen, die,
unter graphischer Interpolation aus ihren Kurven, für die gleichen Tiefen die
nachstehenden Werthe lieferten, wobei zum Vergleich auch die Angaben des
elektrischen Apparates und die hieraus sich ergebenden Differenzen bezw. die
Korrektionen der Angaben des letztgenannten Apparates gegen die der Queck-
silberinstrumente daruntergestellt werden,
\. Vgl. jedoch hierzu Seite 172.