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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Schott: Elektrische Tiefenthermometer, 
171 
in so hohem Maße, dafs es oft nur einem glücklichen Zufalle zu danken war, 
wenn wirklich unzweideutige Ausschläge durch Stromschluls erhalten wurden. 
Aufserdem wurde die kompensirte Nadel durch jede Lagenänderung der Schiffs- 
achse zum magnetischen Meridian sehr stark beeinflufst. Nur ganz besonders 
günstigen Umständen — das Schiff war fast vollständig von Eis umgeben und 
infolgedessen Wellenbewegung und Dünung äufserst gering — ist es zu danken, 
dafs es am 2. Dezember 1898 nachmittags gelang, eine zuverlässige!) Reihe von 
Temperaturmessungen in verschiedenen Tiefen auszuführen. Nachfolgende Tabelle 
ziebt dieselhen wieder: 
Tiefe in 0,5 Faden .. 
Tiefe in Metern. ... 
Widerstand wı in 2... | 
3 
oa | zo 
! 
75 | 100‘ 195 | 150 
200 | 950 
18 | 182 | a57 | 686 | 914 | 12431 137,2 | 182,9 | 227,6 
98.65 | 98.45 | 98.27 | 98,13 | 98,17 | 98,10 | 98,33 | 98,65 | 98,68 
Temperatur t°C. ... | —1,58°| _2,15°| 2,660) —3,06°| _2,94°| 3.130) _2,48°| —] ‚58°| —1,64° 
Die Genauigkeit der Widerstandsmessung ist durch die Eintheilung des 
Mefswiderstandes in !/so Ohm gegeben. Die Hälfte dieser Gröfse, also */so Ohm, 
läfst sich noch mit hinreichender Sicherheit, gutes Funktioniren des Galvano- 
meters vorausgesetzt, schätzen. Da nun 1 Ohm Widerstandsänderung einem 
Temperaturintervall von 2,833° entspricht, so ergiebt sich eine Zuverlässigkeit 
der Messungen bis auf = 0,07° C. 
Nach meinen Erfahrungen dürfte das Siemenssche Tiefsee-Thermometer 
dasjenige Iustrument sein, mit dem Reihen von Temperaturbeobachtungen am 
schnellsten und sichersten auszuführen sind, wenn es mit einem Galvano- 
meter verbunden ist, das bei genügender Empfindlichkeit von den 
Schwankungen des Schiffes und Aenderung der Lage zum magnetischen 
Meridian nicht beeinflufst wird. 
Was noch die Kabeltrommel anbelangt, so dürfte vielleicht die Herstellung 
derselben aus Eisen anstatt aus Holz sich der Haltbarkeit halber empfehlen. Zur 
Verbindung mit den Mefsinstrumenten würden mir Klemm- oder Stöpselkontakte 
zuverlässiger erscheinen als die schwer blank zu erhaltenden Schleifkontakte. 
Bei sehr genauer Messung ist ferner noch die Temperatur und die damit 
verknüpfte Aenderung des Prüfungswiderstandes in Rechnung zu ziehen. — 
Zum Schlufs möchte ich noch auf die Ungenauigkeit der Tiefenbestimmung 
durch: Messung der ausgegebenen Kabellänge aufmerksam machen. Das Kabel 
ist bei großem Querschnitt verhältnifsmäfsig leicht und verträgt keine stärkere 
Belastung. Windtrift des Schiffes und Unterstrom werden also ein verhältnifs- 
mäfsig starkes Abtreiben veranlassen, vielleicht läfst sich durch Messen des Druckes 
der Wassersäule dieser Fehler im gegebenen Falle eliminiren.“ 
Soweit Dr. P. Schmidt. 
Hierzu mufs aber doch noch das Folgende angefügt werden, was die Zu- 
verlässigkeit der oben mitgetheilten Reihe von elektrisch gemessenen Tiefen- 
temperaturen betrifft: 
An demselben Tage, dem 2, Dezember 1898, wurden in rund 57° S-Br und 
{4° O-Lg mittelst der gewöhnlichen Tiefenthermometer beiderlei Konstruktion 
antereinander stimmende Messungen der Wassertemperatur vorgenommen, die, 
unter graphischer Interpolation aus ihren Kurven, für die gleichen Tiefen die 
nachstehenden Werthe lieferten, wobei zum Vergleich auch die Angaben des 
elektrischen Apparates und die hieraus sich ergebenden Differenzen bezw. die 
Korrektionen der Angaben des letztgenannten Apparates gegen die der Queck- 
silberinstrumente daruntergestellt werden, 
\. Vgl. jedoch hierzu Seite 172.
	        
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