Schott: Elektrische Tiefenthermometer,
169
Es wird den verschiedenen Tiefentemperaturen eine Platinspirale aus-
gesetzt, deren Widerstand für eine bestimmte Temperatur ganz genau
bemessen und deren Temperatur-Koefficient bekannt ist. Gesetzt, man
hätte eine Spirale aus reinem Platin, deren Widerstand bei 0° C. genau auf
100 internationale Ohm abgeglichen, deren Temperatur-Koefficient 0,0033 pro
Centigrad ist, so hat man für den bei der gesuchten Temperatur t gültigen
Widerstand
wi == 100 (1 + 0,0033 t) oder .t = 3 (wt — 100).
Es läßt sich dann leicht eine Tabelle anlegen, die für Zehntel zu Zehntel
Ohm Widerstand die entsprechenden Temperaturen innerhalb der Intervalle von
0° bis 30° C. giebt.
Zuerst war der Expedition eine solche Spirale mit genau den eben zu
Grunde gelegten Werthen zugedacht, doch mufste dieselbe im letzten Augenblick
durch eine andere ersetzt werden, deren Widerstand bei -+ 2,24°C. 100 Ohm betrug
und deren Temperatur-Koeffcient 0,00353 war. Folglich war für dieses Instrument
wi = 100 [1+0,00353 (t — 2,24)]
woraus man erhält
t = (wit — 100) 2,83 + 2,24,
Aus der von Siemens Brothers and Co. gegebenen Gebrauchsanweisung
sei hier unter Hinweis auf Fig. 1 Folgendes hervorgehoben,
Zu den Widerstandsbestimmungen dient die bekannte Wheatstonesche
Brückenmethode. Ein Widerstandskasten enthält zunächst die beiden in konstantem
Verhältnisse stehenden Brückenzweige, deren Widerstand im vorliegenden Falle
je 100 Ohm beträgt, außerdem den veränderlichen Widerstand, welcher aus zwei
Theilen besteht, deren einer die Widerstände 1, 2, 3, 4, 10, 20, 20, 60 Ohm
enthält, welche zusammen 120 Ohm ausmachen, dieselben werden durch Entfernen
des betreffenden Stöpsels aus dem Loch eingeschaltet. Der zweite Theil des
Widerstandes enthält die ganzen und halben Zehntel Ohm und wird in der Weise
gebraucht, dafs der mit der Schraube x I durch einen biegsamen Leiter verbundene
„Wanderstöpsel“ in eines der Löcher eingesteckt wird, dessen Bezeichnung den
Werth des zugehörigen Widerstandes angiebt, der zur Zeit eingeschaltet ist. Das
Kabel, welches die Verbindung zwischen der als thermometrischer Apparat
dienenden, in die Tiefe versenkten Platinspirale und den an Bord befindlichen
Medfapparaten herstellt, enthält drei Leitungsdrähte, wodurch bezweckt wird, dafs
die von zufälligen Temperaturschwankungen hervor-
gerufenen Widerstandsänderungen ohne Einflufs auf
die Genauigkeit des Mefßergebnisses bleiben.
Die nebenstehende Figur stellt die Ver-
bindung der einzelnen Apparate schematisch dar.
A, B, C, D sind die Eckpunkte des sogenannten
Wheatstoneschen Vierecks; a und b sind die beiden
konstanten „Verhältnifswiderstände“ von je 100 Ohm,
p ist die Platinspirale, q der veränderliche Wider-
stand, 1, 2, 3 die (mit Guttapercha isolirten) Leitungs-
drähte des Kabels, g das Galvanometer, e die Batterie,
welche durch Niederdrücken des Tasters t geschlossen
wird. Wie man sieht, befindet sich der eine Leitungs-
draht (1) im Kreise der Platinspirale zwischen den
Punkten A und D und der andere (2) im Kreise
des veränderlichen „Kompensationswiderstandes“ q
zwischen den Punkten B und D; da beide Drähte von gleichem Material, gleichem
Querschnitt und gleicher Länge sind und dicht nebeneinander herlaufen, so ist
der Betrag ihrer Widerstandsänderung infolge beliebiger Temperaturschwankungen
stets derselbe und kommt somit bei der hier gewählten Brückenanordnung nicht
in Betracht.
Das Kabel befindet sich auf einer mit Kurbel und Bremsvorrichtung ver-
sehenen Trommel, welche mit drei Kontaktringen versehen ist, auf welchen
Kupferfedern schleifen; letztere stehen mit Klemmenschrauben in Verbindung,
welche mit x, xI und z bezeichnet sind. Diese drei Klemmenschrauben werden
durch ein kurzes dreiadriges Leitungsseil, welches dem Apparat beigegeben ist,
x AZ