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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1901.
I. Der Apparat der „Valdivia“-Expedition.
Im Winter 1897/98, als die Vorbereitungen zur instrumentellen Ausrüstung
der Expedition getroffen wurden, erklärte sich Prof. Eschenhagen in Potsdam
bereit, ein elektrisches Telethermometer zu besorgen, welches nach dem von ihm
früher beschriebenen!) Princip konstruirt werden sollte. Dies Princip, das bei
einem zur Messung von Lufttemperaturen bestimmten Thermometer seit längerer
Zeit sich bewährt hatte, beruht im Wesentlichen auf folgender Erwägung: Man
denke sich durch das Rohr eines Quecksilber-Thermometers einen von oben bis
anten hindurchgehenden sehr dünnen Platindraht (0,03 mm Durchmesser) von be-
liebiger Länge gezogen, so ist der Widerstand dieser metallenen Leitung im
Wesentlichen nur abhängig von der Länge des freien, d. h. nicht im Quecksilber
befindlichen Platindrahtes, also auch abhängig nur von der Länge des Queck-
silberfadens, und es sind daher die Widerstandsänderungen den Standänderungen
der Quecksilbersäule direkt proportional. Vorausgesetzt ist dabei noch, dafs der
Querschnitt der Quecksilbermenge sehr viel gröfser ist als der des Drahtes. Die
Widerstandsänderungen endlich werden unter Benutzung der Nullmethode mittelst
Telephon gemessen. —
Leider waren die daraufhin von Eschenhagen in Verbindung mit
Siemens & Halske angestellten Versuche, bei einem Kabel von 1200 m Länge
das Telephon zu benutzen, wegen der im Kabel auftretenden Ladungen erfolglos,
während die Messungen mittelst eines Galvanometers gelangen. Da die Fertig-
stellung des Thermometers selbst, das in besonderer Weise gegen den hohen
Wasserdruck geschützt werden mufste, auch in absehbarer Zeit nicht zu erreichen
war, so griff man schliefslich ‘auf ein anderes Princip zurück, welches von
W. Siemens?) angegeben ist und auf der Eigenschaft der Metalle beruht, ihren
Widerstand gegen den elektrischen Strom proportional mit Temperaturänderungen
zu verändern.
Sowohl der „Challenger“ 3) wie das amerikanische Vermessungsschiff „Blake“ *)
hatten eine dem Siemensschen Pyrometer ähnliche Einrichtung an Bord gehabt;
zwei genau gleiche Widerstandsrollen (von je über 400 Ohm Widerstand) wurden
zu einer Wheatstoneschen Brücke geschaltet, die eine Rolle wurde in die Tiefe,
die andere in ein an Deck stehendes mit Wasser gefülltes Gefäfßs versenkt, und
es mußte nun durch Hinzufügung von abgekühltemn oder warmem Wasser die
Temperatur in dem Gefäß so lange verändert werden, bis sie genau gleich der
Tiefentemperatur war, ein Moment, den man an der Ruhe der Nadel des Galvano-
meters erkennt. Bartlett von der „Blake“ lobt die mit diesem Apparat ge-
machten Erfahrungen, doch ist natürlich die Arbeitsmethode sehr mühsam.
Später hatte Professor v. Drygalski°) auf der Grönland - Expedition
(1892 bis 1893) zur Messung der Temperaturen des Eises in den Gletschern
Widerstandsrollen verwendet, aber wieder in anderer Weise. Er hatte von
Siemens vier Kupferrollen und zwei Nickelinrollen erhalten; die Veränderlichkeit
des Widerstandes im Kupfer mit der Temperatur ist sehr grofs, im Nickelin da-
gegen äufserst gering. Die Kupferrollen kamen nun an den Ort, dessen Temperatur
gemessen werden sollte, die Nickelinrollen aber dienten zusammen mit einem
Rheostaten zur Messung der Widerstandsänderungen in den Kupferrollen, wobei
vorher für verschiedene bekannte Temperaturen die Unterschiede der Widerstände
der sechs Rollen untereinander festzustellen waren.
Für die „Valdivia“ endlich gelang es noch noch innerhalb weniger Wochen
vor Abgang der Expedition, dank den Bemühungen von Siemens & Halske,
zumal des Herrn Dr. Ebeling, in dem Londoner Werk (Siemens Brothers)
ein elektrisches Telethermometer bereit zu stellen, das, mit einem dreiadrigen
Kabel von 750 m Länge verbunden, wieder ein von den bisher genaunten Arten
abweichender Apparat ist.
5 „Zeitschrift für Instrumentenkunde“, XIV. Jahrgang. 1894. Seite 398 bis 404.
„Pogg. Annalen“, Band 129, Seite 647,
„Challenger*-Report. Narrative, vol. I, first part, Seite 96.
‚ Agassiz: „Three eruises of the s. s. »Blake«“. London 1888. I. Seite 17 ff.
5) „Grönland - Expedition der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin.“ Berlin 1897. I.
Seite 444 bis 448,