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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1901. 
worin A wieder den Unterschied zwischen Luft- und Wassertemperatur in Zehntel- 
grad bedeutet. Dabei ist vorausgesetzt, dafs die Luft gut durchmischt ist, also 
eine Briese von mindestens der Stärke 2 bis 3 weht. Bei schwächerem Winde 
kann sogenannte Temperaturumkehr eintreten, wobei sich warme Luft in der 
Höhe sammelt, ohne dafs der Wind sie mit der unteren kälteren zu durchmischen 
yermöchte. Dadurch entsteht eine abnorme starke Zunahme der Temperatur 
nach oben!) und damit eine starke Hebung der Kimm bis auf 3’ über die durchs 
Auge gedachte Horizontalebene, also eine Hebung der Kimm um 10‘. In einem 
solchen Falle ist der Unterschied zwischen der Lufttemperatur zunächst dem 
Wasser und zwischen der Lufttemperatur in Augeshöhe, getheilt durch die An- 
zahl Meter des Höhenunterschiedes als Temperaturgefälle (hier also als Tempe- 
raturzunahme nach oben +) pro Meter in die Formel für den Refraktions- 
Koefficienten einzusetzen und damit die Hebung der Kimm zu berechnen, 
Die Wassertemperatur messe man mit einem Pinsel- oder besser noch mit 
einem Schöpfthermometer, die Lufttemperatur so nahe oberhalb des Wassers als 
möglich und auch in Augeshöhe mit einem Aspirations- oder mit einem Schleuder- 
thermometer. 1° Fehler in der Temperaturdifferenz zwischen Luft und Wasser 
macht bei 10 m Augeshöhe rund 20“ in der Kimmtiefe aus; 1° Fehler im Unter- 
zschiede der Lufttemperaturen unten und in Augeshöhe bei dem zuletzt erwähnten 
Fall der Temperaturumkehr bei 10 m Augeshöhe rund 2‘ Fehler in der Kimmtiefe, 
Bei der Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Unsicherheiten, 
welche hauptsächlich von der Unkenntnifs des genauen Verlaufes der Temperatur 
ron der Kimm bis zum Beobachter und von der Unsicherheit der Temperatur am 
Orte der Kimm herrühren, welche von der beim Schiffe gemessenen Wasser- 
temperatur beträchtlich abweichen kann, glauben die Verfasser die Genauigkeit 
der Kimmtiefe nicht größer als %4' annehmen zu dürfen, was bei Positions- 
bestimmungen und deren Beurtheilung wohl zu beachten ist. Aus diesem Grunde 
sehen sie auch von der Korrektion der Kimmtiefe wegen des Seeganges ganz ab, 
was um so mehr geschehen kann, als bei Gelegenheiten, wo diese Korrektion 20” 
überschreitet, also bei mehr als 2 m Wellenhöhe zwischen Kamm und Thal, ohne- 
hin die ganze Höhenbeobachtung zur See nur auf 2‘ genau gelten kann. 
Sie empfehlen daher die Anwendung des Fleuriaisschen Gyroskop- 
sextanten oder eines Libellensextanten, um die Bestimmung der Kimmtiefe ganz 
überflüssig zu machen oder die Kimmtiefe mit einem Instrument direkt zu 
messen (Steinheilscher Prismenkreis, Trouhgtons Dipsektor, Pistor- und 
Martinsscher Reflexionskreis, Amici-Magnaghischer Prismenkreis); in letz- 
tereın Falle aber mifst man den Winkel von einer Kimmlinie übers Zenith zur 
anderen Kimm. Man mufs dann, um die Kimmtiefe zu erhalten, die Annahme 
machen, dafs die Refraktionsverhältnisse über der einen Gegend des Horizontes 
dieselben seien wie in der gegenüberliegenden, was nach den gemachten Er- 
fahrungen allerdings durchaus nicht immer der Fall ist. 
Sieht man von dem Gebrauche der eben genannten Instrumente ab, deren 
allgemeine Einführung in der Marine viele Hindernisse im Wege stehen, so 
wird durch die Anwendung der Methode von Kofs zur Bestimmung der Kimm- 
tiefen eine wesentliche Erhöhung in der Genauigkeit aller astronomischen 
Messungen auf See erreicht, indem dadurch die Höhen auch in den ungünstigsten 
Fällen mindestens bis auf 2‘ sicher erhalten werden können, während mit der 
jetzt gebräuchlichen Tabelle für die Kimmtiefen Fehler vom fünffachen Betrage 
nicht ausgeschlossen sind. ; 
Zur Verwendung in der Praxis sollten daher neben der jetzigen Tafel VIII 
des „Nautischen Jahrbuches“ die untenstehenden beiden Tafeln von Kofs daselbst 
aufgenommen werden, ?) wovon die erste gewöhnlich in Anwendung zu kommen hat, 
während die zweite in allen denjenigen Fällen in Gebrauch zu nehmen ist, wenn 
Windstille herrscht oder nur sehr flauer Wind von der Stärke 1 bis 2 weht. 
Hierbei wird vorausgesetzt, dafs bei jeder astronomischen Messung die Wasser- 
temperatur an der Oberfläche, die Lufttemperatur etwas oberhalb des Wassers 
1) Auf dem Lande, besonders im Winter, beobachtet man diese Temperaturumkehr häufig; 
sie giebt auch Veranlassung zu lateraler Refraktion. 
%) Die jetzige Tafel VIIX des Jahrbuches entspricht in der neuen Tabelle I der Kolumne von 0°.
	        
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