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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Messerschmitt, J. B.: Resultate neuerer Kimmtiefenbeobachtungen, 163 
auf See ist k im Mittel etwas gröfser, ungefähr 0,16. Auch hängt dieser Koeffi- 
cient von der geographischen Breite, Barometerstand, der Temperatur der Luft 
und von der Aenderung der Temperatur mit der Höhe ab.*) Für die Berechnung 
der Tafel VIII im „Nautischen Jahrbuch“ ist k— 0,13 und r — 6370000 m an- 
genommen worden. . 
Wie die Erfahrung zeigt, treten namentlich am Horizont starke Ab- 
weichungen von der normalen Refraktion auf, wodurch in der obigen Formel der 
Koefficient k erhebliche Aenderungen erleidet und daher die Kimmtiefe ent- 
sprechenden Schwankungen unterworfen ist. Auch abgesehen von ganz anormaler 
Refraktion,*) wie sie besonders häufig im kalten Klima beobachtet wird,°) sind 
Abweichungen vom Tafelwerthe um mehrere Minuten auch aufserhalb der kalten 
Zone beständig zu befürchten. Es hat daher an Bemühungen, irgend welche 
Gesetzmäfsigkeiten dabei aufzudecken, nicht gefehlt und, wie es scheint, sind sie 
auch jetzt mit Erfolg belohnt worden. 
Aus den Beobachtungen an Land konnten die Geodäten Baeyer, Bauern- 
feind u. A.. eine tägliche Periode nachweisen, welche mit der Lufttemperatur in 
Zusammenhang steht. Für die Temperaturvertheilung spielt aber die Insolation 
auf den Boden eine grofse Rolle. Da nun auf dem Meere die Wasserwärme nur 
wenig von der Lufttemperatur abweicht, nämlich nahe gleich der mittleren 
Tagestemperatur bleibt, so wird daselbst, worauf zuerst Oppolzer“*) hinwies, 
keine solche Periode auftreten können, was auch durch die Beobachtungen be- 
stätigt wurde. Aber auch hier bleibt die Temperaturabnahme bezw. die Tempe- 
raturvertheilung in der Höhe der wesentlichste Faktor der terrestrischen Refraktion, 
während die anderen meteorologischen Elemente, wie Luftdruck, Feuchtigkeit u, dgl., 
von untergeordneter Bedeutung sind. 
Schon aus der einfachen Betrachtung des Seehorizonts, besonders bei der 
Annäherung und bei der Entfernung von der Küste, kam Budde*®) zu dem Schlusse, 
dafs Messungen an der Kimm um mehrere Minuten in Höhe fehlerhaft sein können. 
Längere Beobachtungen der Kimm am Starnbergersee lieferten F. Lingg*®) 
für die Refraktions-Konstante Werthe, die zwischen — 0,3 und -+ 0,3 lagen, 
wobei die Augeshöhe 2 m über dem Wasserspiegel war, während Bauernfeind 
bei den trigonometrischen Messungen zwischen Döbra und Kapellenberg k nur 
zwischen 0,09 und 0,22 beobachtet hatte. Lingg fand auch, dafs die Kimm im 
Verlaufe eines Tages in den frühen Morgenstunden am höchsten liegt, aus dieser 
anfänglichen Höhenlage mit der Zunahme der Lufttemperatur sich senkt, zu sehr 
verschiedener Stunde die tiefste Lage erreicht und aus dieser allmählich und 
wenig beträchtlich sich wieder hebt. Bei diesem Verlaufe ist zu beachten, dafs die 
Beobachtungen an einem kleinen Wasserbecken erhalten worden sind, auf welches 
die Lufttemperatur von starkem Einflufs ist. 
Feuchte Luft hebt die Kimm über ihren Horizont, bei trockener sinkt sie 
unter denselben. Die Unterschiede im zeitlichen Verlaufe der Kimmbewegungen 
verschiedener Tage führten Lingg zu der Erkenntnifs, dafs sie weniger durch 
die Verschiedenheit der absoluten Beträge der Lufttemperatur bedingt sind, als 
durch die Unterschiede in dem zeitlichen Wechsel der vertikalen Vertheilung 
der Temperatur in den von‘ den Seestrahlen durchzogenen Luftschichten. 
Man erkennt aus diesen Ausführungen, dafs Lingg die Ursache der Kimm- 
bewegung richtig erkannt hatte; seine Beobachtungen waren jedoch nicht genau 
1) Vgl. F.R.Helmert: „Die math. und phys. Theorien der höheren Geodäsie“, Leipzig 1884, 
2. Bd, S. 577, W. Jordan: „Handbuch der Vermessungskunde“, Stuttgart 1897, 2. Bd., und H, Hartl 
in den „Mittheilungen des K. K. mil.-geogr. Instituts“, Bd. 3 und 4, 1883/84. und in der „Meteoro- 
logischen Zeitschrift“, 
2) Auf Nowaja Semlja z. B. beobachteten die Holländer 1596 eine Horizontalrefraktion 
von fast 5°, also neunmal mehr als die normale. A. E.v. Nordenskiöld: „Die Umsegelung 
Asiens und Europas durch die »Vega«“, Leipzig 1882, Bad. 1, S. 222. 
3) L. Ambronn: „Beitrag zur Bestimmung der Refraktions-Konstanten.“ „Aus dem Archiv 
der Seewarte“, IX, 1886, No. 3. 
% Th. v. Oppolzer: „Ueber den Zusammenhang der Refraktion mit der Temperaturver- 
theilung in der Atmosphäre.“ Beilage zum Maiheft 1884 der „Zeitschrift der Österr. Ges, für 
Meteorologie.“ 
5) E. Budde: „Ueber eine Eigenthümlichkeit des Seehorizonts.“ „Oesterr. Meteorol. Zeit- 
schrift“, 1885, S. 354, 
. 6) F. Lingg: „Ueber. die bei Kimmbeobachtungen am Starnbergersee wahrgenommenen 
Refraktionserscheinungen.“ „Nova: Acta Acad. Leopold.“, 1889.
	        
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