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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Wedemeyer, A.: Buschär. 
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;hürme, das englische und das persische Regierungsgebäude. Auf der nach dem 
Festlande zugekehrten Seite der Stadt befindet sich eine Mauer mit mehreren 
Thürmen, die jedoch zur Vertheidigung zwecklos sind. Der Ort wird von einem 
persischen Statthalter verwaltet, der dem Fürsten von Fars unterstellt ist. Die 
Garnison in Buschär zählt etwa 400 Soldaten und einige Geschütze. Buschär 
hat etwa 10000 bis 12000 Einwohner. Die Bevölkerung besteht aus Arabern 
and Persern. Einige Engländer und Armenier sind hier ansässig und haben im 
Orte eine kleine Kirche gegründet. Der deutsche Vice-Konsul ist der einzige 
Deutsche am Orte. Während der heifsen Jahreszeit verlassen die meisten Ein- 
wohner die Stadt. Die Strafsen der Stadt sind eng und schmutzig. Kanalisation, 
Straßsenpflaster und Beleuchtung kennt man nicht. 
Obgleich das Klima sehr ungesund ist und die Stadt häufig von Erdbeben 
und Heuschrecken heimgesucht wird, erhob sich der Ort von einem Fischerdorfe 
zum Haupthandelsplatze Persiens, indem der Schah Nadir, der von 1736 bis 1747 
regierte, den britisch-ostindischen Handel von Bender Abbas hierher zog. Jetzt 
scheint Buschär von Basrah überflügelt zu werden. Bei dem kleinen Orte Rischahr, 
der im Mittelalter ein berühmter Hafenort war, sind 1876 viele Ziegel mit Keil 
schrift und Totenurnen ausgegraben. 1856 wurde Buschär während des Krieges 
mit Persien von den Engländern besetzt, 1857 jedoch im Pariser Frieden wieder 
freigegeben. Der Ort ist jetzt Stapelplatz für den Durchgangsverkehr mit Schiraz, 
Ispahan und Teheran, 
Englische Kriegsschiffe lassen ihre Mannschaften hier nicht an Land gehen. 
Man hüte sich, eine Moschee zu betreten. Dem ungeübten Blicke sind sie 
äufserlich nicht kenntlich. | 
Buschär ist Heimathhafen von etwa 300 Küstenfahrzeugen von 5 bis 80 t, 
von denen vier oder fünf auch Reisen aufßserhalb des Persischen Golfes unter- 
nehmen. 
Handelsverkehr. Im Jahre 1898 liefen in den Hafen ein 98 Dampfer 
von 99 847 Registertonnen und 307 Segler von 12 010 Registertonnen. Den Hafen 
verliefsen 78 Dampfer von 85 822 Registertonnen und 297 Segler von 11 410 Re- 
gistertonnen. Davon führten einlaufend 96 Dampfer von 97255 Registertonnen 
and 15 Segler von 1800 Registertonnen, auslaufend 76 Dampfer von 83 230 Re- 
gistertonnen und 15 Segler von 1800 Registertonnen die englische Flagge. Unter 
den Seglern war hauptsächlich die persische, türkische und arabische Flagge 
vertreten. Von deutschen Dampfern ist der Hafen seit etwa vier Jahren nicht 
besucht worden. 
Die Haupteinfuhrartikel sind: weißer und grauer Schirting, Eisen- 
waaren, Zucker, Thee, Holz. . Der Werth der Einfuhr belief sich im Jahre 1898 
auf 843 462 £. Früher wurden Waffen und Munition in grofser Menge eingeführt; 
ihre Einfuhr ist jedoch seit zwei Jahren verboten. . 
Die Hauptausfuhrartikel sind: Opium, Rosenwasser, Perlmuttermuscheln, 
Teppiche, Rohtabak, Häute, Felle, Gummi, Därme, Wolle. Der Werth der Aus- 
fuhr betrug 1898 426 721 £. Früher bildete Getreide die Hauptausfuhr, im letzten 
Jahre jedoch, schlechter Ernten halber, die Haupteinfuhr. 
Dampferlinien. Die Post vermittelt die British India Steam Navigation Co. 
wöchentlich im Anschlufs an die Peninsular and Oriental Steam Navigation Co. 
in Karatschi. Die Dampfer der Bombay Persian Steam Navigation Co. laufen 
alle 14 Tage, die der Anglo Arabian and Persian Steam Navigation Co. einmal 
monatlich Buschär an. 
Telegraphenkabel liegen zwischen Buschär und Jask und Fao. Aulser- 
dem besteht telegraphische Verbindung über Land mit Teheran. . 
Der Ort hat keine nennenswerthe Industrie. Fischfang wird an der ganzen 
persischen Küste eifrig betrieben. 
Schiffsausrüstung. Englische Kohlen für die englischen Kriegsschiffe 
lagern in Schuppen auf dem Landungsplatze. Zuweilen kann man auch von 
Vertretern englischer Handelshäuser Kohlen beziehen, gewöhnlich jedoch nur auf 
vorherige Bestellung. Die Kohlen werden in Booten längsseit gebracht und 
äbergemannt. Im Jahre 1900 kosteten die Kohlen 30 bis 40 Rupien die Tonne. 
Proviant. Rindvieh, Gemüse, Früchte und sonstiger frischer Proviant 
sind zu mäßigen Preisen in der erforderlichen Menge leicht zu haben. Salzfleisch 
Ann. d. Hydr. eic.. 1901. Heft IV.
	        
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