Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1991
blieb das Schiff während der Verhandlungen an Land gestoppt liegen. Die
Beobachtungen ergaben, dafs die Lage auf der Spezialkarte X1 No. 145 (engl.
No, 772) richtig ist; auf der Karte XI No. 403 (engl. No. 980) liegt Pingelap
dagegen 9 Sm zu weit östlich. Eine Einfahrt in die Lagunen giebt es nicht.
Boote können bei Hochwasser unmittelbar an Pingelaps Südweststrand anlegen;
bei niedrigem Wasser kommen sie nur bis an das Riff, in dem eine schmale
Rinne für Canoes weiter benutzt werden kann.
Von Pingelap nach Ponape.*)
Ponape kam bei diesiger Luft am 18. Februar erst bei 19 Sm Abstand in
Sicht. Bei starkem Nordostwind hatte der Strom stündlich 0,4 Sın SSO gesetzt,
Bei gutem Licht wurde die Einfahrt in den Hafen von Langar obne
Schwierigkeit ausgeführt. Weiter drinnen kam der Hafenmeister Martens an
Bord, der einen Ankerplatz gauz innen im Hafen empfahl. Es wurde aber vor-
gezogen, unter der Insel Langar, die guten Schutz gegen Nordostwind bietet, zu
verankern auf 15 und 55m Wasser in der Peilung: Langar Nordwestkante
NN0!40, Langar Südspitze 0!/S. Während der nächsten 6 Wochen hat der
„Seeadler“ da gut gelegen. Der innere Ankerplatz hätte für so lange Schiffe
nicht gereicht,
Die in den Jahren 1828 und 1840 gemachten Aufnahmen geben ungefähr
ein richtiges Bild der Insel, enthalten aber auch viele Ungenauigkeiten. So
liegen z, B. die Riffkanten an der Nord- und Westseite der Insel weiter nach
aufsen, als in der Karte Tit. XI, No. 404 (engl. No. 981) angedeutet ist, und
zwar bis zu einer Seemeile. Auf dem Rıffgürtel im SW der Insel sind mehrere
mit Bäumen bewachsene Inseln vorbanden, die garnicht verzeichnet sind. Es
befinden sich auch tiefere Buchten mit vorliegenden Inseln und guten Anker-
plätzen, wo in der Karte nur Umrisse der Hauptinsel skizzirt sind, und innerhalb
des Riffzürtels giebt es zwischen zahlreichen Untiefen von Einfahrt zu Einfahrt
gute Fahrwasser, die von Ortskundigen gewählt werden, um die hohe See draufsen
zu vermeiden,
Ponape ist der Sitz des Vizegouverneurs der Carolinen-, Marianen- und
Palau-Inseln. Die frühere Niederlassung der Spanier Colonia de la Ascension
hat den Eingeborenen-Namen Mefsenieng. Sie liegt im: Innern des Hafens von
Langar, der Halbinsel Not gegenüber. Die englische Karte giebt Skizzen der
Häfen von Langar (l’ort Santiago), Metalanim: und Lot (Lod). Titel X1 No. 404
(engl. No. 981) auch eine von Ronkiti. Metalanim und Lot sind seitdem nochmals
von den Spaniern aufgenommen worden.
Die spanische Längenbestimmung, wie sie auch auf der Spezialkarte an-
gegeben ist, scheint richtig zu sein; auf der Karte Tit. XI No. 403 (engl.
No. 980) liegt Ponape danach um 2 Sm zu weit westlich.
Der Hafen von Langar ist der beste. Es können da mehrere Schiffe
guten Schutz über Korallengrund finden. Das Fahrwasser ist während des Auf-
enthalts des „Seeadier“ so hinreichend mit Buken aus Mongrovestämmen be-
zeichnet worden, dafs man nun bei jedem Tageslicht ein- und auslaufen kann.
Die beigefügte Skizze giebt hierüber näheren Anhalt. Beim Einlaufen bleiben die
rothen mit Buchstaben versehenen Baken an St. B., die schwarzen mit Zahlen
versehenen au BB. B. Weifse Baken kennzeichnen den Mittelgrund, schwarzrothe
Baken und rothe Fafstonnen andere Untiefen. Die Baken führen bis nach
Meßenieng, doch können bei Springtide- Niedrigwasser nur Boote bis zu 1m
Tiefyang üher das Riff gelangen, Schooner gehen bis östlich von der Insel Ferreol,
größere Schiffe bleiben am besten unter Langar.
Zum KEinlaufen halte man, so lange die Richtbaken auf dem Mittelgrund
noch nicht stehen, die mittleren mit Toppzeichen versehenen weifsen Baken in
der Peilung SO'40, das Haus auf der Spitze von Not ist dann eben frei von
der Mangrove-Insel Ferreol.
Australische Westport-Kohle beabsichtigt die Jaluit-Gesellschaft für 55 Mk.
zu liefern. Bis zum 5, April 1900 waren aher noch keine vorhanden. Wasser
kann stets mit eigenen Booten aus einem Fluß südlich von Melfsenieng geholt
werden. Frische Lebensmittel sind auch zu haben.
\‘) Hierzu Karte, Tafel 1.