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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1901. 
Ein sehr rasches Ende des Frostes führte ein am Morgen des 19, südlich 
von Irland liegendes Theilminimum herbei, das am 20, und 21., seinen Bereich 
vorübergehend bis zu den Alpen ausdehnend, durch die südliche Nordsee nach 
der mittleren Ostsee schritt und milde ozeanische Luft zuführte, so dafs über 
ganz Deutschland im Laufe dieses Tages T’hauwetter eintrat. Niederschläge 
fielen am 19. ostwärts bis Pommern und am 20. an der ganzen Küste, und es 
traten die für den 20. und 21. angeführten stürmischen rechtdrehenden Winde 
an der Küste in seinem Bereiche wie im Gefolge eines auf dem gleichen Wege 
nachfolgenden zweiten Theilminimums auf; ein von Südwesten her über Konti- 
nentaleuropa vordringendes Hochdruckgebiet rief weseutlich das Auffrischen der 
Winde hervor. Ein am 22. und 23, im hohen Norden vorüberschreitendes tiefes 
Minimum verursachte die stürmischen Winde dieser Tage im Zusammenwirken 
mit einem von Westen her nach Kontinentaleuropa vordringenden Hochdruck- 
gebiet, in dessen Bereich, nach Regenfällen an der ganzen Küste am 22., wieder 
am 23. trockenes heiteres Wetter eintrat. Doch bald brachte ein neues tiefes 
Minimum, das am 25. und 26. im Norden vorüberzog und sein Gebiet über 
Centraleuropa ausbreitete, wieder Regenfälle und die für diese Tage angeführten 
stürmischen Winde. Weitere stürmische rechtdrehende Winde für die ganze 
Küste verursachte ein am 27. von der nördlichen Nordsee über Jütland nach dem 
Süden der Ostsee schreitendes tiefes Minimum. Die Winde wehten in seinen 
Bereiche an der Nordsee vielfach am 27. mit der Stärke 8 bis 9 und zeigten 
bier nach einer Abnahme wieder ein Rückdrehen und starkes Auffrischen nach 
Mitternacht. Eine Randbildung auf der Südwestseite des Minimums brachte bei 
ungewöhnlich niedrigen Barometerständen — in Hamburg gegen 2"a am 28. auf 
Meeresniveau und Schwere in 45° Breite reducirt 725,2 nım — einen kurzen, zeit- 
weise orkanartigen, von Südwest nach Nordwest umgehenden Sturm für den 
westlichen Theil der deutschen Nordsee-Küste, der, stellenweise von einer aufser- 
gewöhnlich hohen Sturmfluth — in Norddeich bis zu 3,6 m über Normal-Hoch- 
wasser — begleitet, grofse Verheerungen, besonders in Leer, hervorrief., Die 
Küste blieb nun dauernd im Bereiche der von Norden her über Centraleuropa 
ausgebreiteten Depression, so dafs vom 25. bis Monatsschlufs täglich fast überall 
Niederschläge fielen. Ein weiteres am 30. im Norden der Küste vorüberziehendes 
Theilninimum hatte am 30. abermals stürmische Winde, wie angegeben, meist 
aus Südwest bis West im Gefolge. Ein am 38l. auf dem gleichen Wege nach- 
folgendes Theilminimum führte keine stürmischen Winde, sondern nur Fortdauer 
der Niederschläge herbei. 
® 
Buchanzeige. 
Soeben erscheint: Handbuch der Südküste Irlands und des Bristol-Kanals, 
Zweite Auflage. Hamburg 1901. Preis 3,00 Mk. MHerausgegeben von der 
Direktion der Deutschen Seewarte. | 
Die vorliegende zweite Auflage dieses Handbuches, dus dieselben Küstengebiete umfafst wie 
die erste Auflage desselben Werkes, ist eine ganz neue Arbeit, 
Der erste Abschnitt behandelt auf Grund der neuesten Ergebnisse aus Wissenschaft und 
Praxis die allgemeinen Verhältnisse des Gebietes, soweit sie für die Schiffahrt in Betracht kommen. 
Zum besseren Verständnisse sind die Tafeln 2 und 3 beigegeben. 
Die Abschnitte 2 bis 9 behandeln eingehend die Küsten mit ihren Häfen und den vor ihr 
liegenden Untiefen, Die Grundlage hierfür bilden die neuesten von der britischen Admiralität 
herausgegebenen Seekarten, Küstenhandbücher, Leuchtfeuer-Verzeichnisse, Gezeitentafeln und Dock- 
hücher, die in sehr werthvoller Weise bereichert wnıde durch die von den Kaiserlichen Konsulaten 
und vielen Schiffsführern eingesandten Fragebogen nebst Berichten und Anlagen. Dank derselben 
konnten für manche Häfen bessere und ausführlichere Angaben über Handelsverkehr, Hafenkosten 
und Achnliches gemacht werden als bisher, wodnreh das Küstenhandbuch auch für Rhedereien, 
Schiffsmakler und andere Schiffahrts-Interessenten nützlich sein wird, Die für den deutschen Schiffs- 
verkehr besonders in Betracht kommenden Häfen von Cork, Swansea, Cardiff. Newnourt und Bristol 
sind entsprechend eingehend behandelt worden, 
Dem Werke sind 10 Hafenpläne und 25 Küstenansichten im Text sowie drei Karten als 
Beilagen beigegeben. 
Den Kaiserlichen Konsulaten und den Mitarbeitern der Seewarte, die durch Beantwortung 
der Fragebogen die vorliegende Arbeit unterstützt haben, spricht die Direktion auch an dieser Stelle 
ihren Dank aus. 
Alle deutschen Secleute werden ersucht, Angaben, die zur Berichtigung oder Vervoll- 
ständigung dieses Handbuches dienen können, der Direktion der Seewarte zukommen zu lassen. 
Die erste Ausgabe von 1895 nebst ilıren Nachträgen wird hiermit aufgehoben.
	        
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