accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

20 
‚DU 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1901. 
zwei Ziffern zur vorhergehenden Gruppe schlagen mufs und die übrigen zu dreien 
zusammenfassen, worauf wir die Triennialmittel erhalten: 
3.66 3,00 3,66 300 u. 8. W. (4) 
d. h. eine regelmäfsige Klimaschwankung, wobei die heifsen und trockenen 
Perioden mit trockenen kalten abwechseln.« 
Indem Herr Demtshinski diese Widersprüche der Fehlerhaftigkeit der 
Methode der Mittelwerthe zuschreibt, greift er, man weifs nicht warum, besonders 
Brückner und dessen »Klimaschwankungen« an und macht sich zum Beweise 
ihrer Nichtexistenz anheischig, aus den Zahlen einer beliebigen Tabelle Brückners 
jedes beliebige Aenderungsgesetz abzuleiten. 
Das Letztere ist in der That möglich, aber auf diese Weise wird die 
Periodicität der Zahlen nicht nur nicht widerlegt, sondern im Gegen- 
theil bewiesen. 
In der That, nehmen wir irgend eine offenbar periodische Zahlenreihe, 
deren Periode 6 Zeichen umfafst: ) 
013431013431 (B) 
Gruppirt man sie nach 7 und nach 5 Elementen, so kann man die 
Reihen bilden: 
12/7 13/7 15/7 16/7 steigend (I) 
11/5 9/5 8/5 fallend (II) 
Dieser Widerspruch bietet nichts Unerwartetes, denn man sieht sofort, 
daß bei Weiterführung unserer Zahlenreihen die steigende Reihe zum Fallen, 
die fallende zum Steigen übergeht: 
16/7 15/7 13/7 (1) fallend 
8/5 9/5 11/5 12/5 {II) steigend 
Bei weiterer Fortführung der Reihen wechselt der Sinn ihrer Aenderung 
aufs Neue; kurzum, man erhält periodische Reihen. Anders kann es auch 
nicht sein; aus einer periodischen Grundreihe müssen auch die abgeleiteten 
Reihen periodisch sein.*) 
Die Zahlenreihe (A) des Herrn Demtshinski ist ebenfalls eine periodische 
Reihe; dies mufs man anerkennen, eine wie grofse Abneigung gegen Brückners 
Resultate man auch hegen möge; daher sind auch die abgeleiteten Reihen (2) 
und (3) periodische Reihen. 
83/1 31/4 3 3% 3% 3 (@) 
32% 338% 3 3% 3 32% 383% 395 8 BMs 3 (3) 
Wenn also Jemand mehr im Rechte ist, so ist es eben Brückner. Was 
aber hat Hann damit zu thun? 
Niemals wird ein Meteorologe sich erlauben, aus zwei oder drei Zahlen 
abzuleiten, dafs wir uns der Tropenzone oder der Eiszeit nähern; das thun nur 
Phantasten, die die Witterung »genau« voraussagen. Eine solche, wissenschaft- 
lich gesprochen, »Extrapolatione wird ein Mann der Wissenschaft stets ver- 
meiden. Im Einzelnen aber sucht der Meteorologe mit besonderer Sorgfalt nach 
der Ablösung des Steigens durch das Fallen und des Fallens durch Steigen, 
kurzum, er sucht nach Spuren einer Periodicität und weifs, dafs, wenn er eine 
solche gefunden hat, er in ihr sowohl Fallen, als Steigen, als Gleichbleiben, und 
noch mehr: den Schlüssel zur Aufdeckung einer fortschreitenden Aenderung be- 
sitzt, falls eine solche besteht. Der Meteorologe hat Mittel gefunden zur »Elimi- 
nation des periodischen Ganges« aus einer beobachteten Zahlenreihe, und erst 
nach dieser Elimination prüft er die Erscheinung auf ihre Tendenz zum Steigen 
oder Sinken. Die von uns unter (B) angeführte periodische Reihe erinnert sehr 
an den täglichen Gang der Temperatur, Wollten wir die Augen verschließen 
gegen den täglichen Gang und die Gruppirungen (I) und (1I) ausführen, indem 
wir die Mitteltemperaturen nicht für ganze Tage, sondern für Perioden von 21 
oder 28 Stunden ableiten, so würden wir in wissenschaftlicher Hinsicht dasselbe 
thun, als wenn wir, wenn heute Mittag 20° Wärme, gestern früh aber 0° war, 
für morgen Abend durch »Extrapolation« 40° Wärme voraussagen wollten.“ 
W. Köppen. 
‘) Die Grundreihe unterscheidet sich von den abgeleiteten Reihen durch die gröfsere 
Atuplitnde ihrer periodischen Schwankungen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.