Xöppen, W.: Ueber Periodieität in metecorologischen Zahlenreihen,
Ueber Periodicität in meteorologischen Zahlenreihen.
Vor einem Jahre hat in Russland das Auftreten eines neuen Wetter-
propheten, eines Ingenieurs mit Namen N. A. Demtshinski, bedeutendes Auf-
sehen gemacht. Der ungewöhnlich zuversichtliche und agressive Ton dieses
Herrn hat einerseits den Eıfolg gehabt, dafs die Regierung eine verhältnifsmäfsig
große Geldsumme für die Prüfung seiner Behauptungen angewiesen hat, anderer-
seits hat er die Meteorologen von Fach zur Vertheidigung ihres Standpunktes
veranlafst. Dafs die Fachleute erst verhältnifsmälsig spät, in gewissem Sinne zu
spät, Stellung zu den Behauptungen des Herrn D. genommen haben, hatte wohl
vor Allem darin seinen Grund, dafs diese letzteren in Form und Inhalt so unklar
und seltsam ' waren. Wie kann ich einen Menschen widerlegen, der zu mir
chinesisch spricht?
Für die angebliche Entdeckung, die sich wieder einmal auf das Ver-
hältnifs des Mondes zum Wetter bezog, hat die angeordnete Untersuchung, 80o-
viel bekannt, keine stichhaltigen Beweise ergeben. Wie gewöhnlich, war sie
auf einer geringen Zahl anscheinender Koincidenzen gegründet, die sich mit den
beliebten Schiebungen in graphischen Diagrammen zu regelmäßigen Wieder-
holungen gestalten liefsen. Da wir in Westeuropa derartiger windiger Gebäude,
Dank sei es den Saxby, Wiggins, Overzier, Zenger, Lamprecht, Falb,
wahrlich genug besitzen, ja sogar als Krone des meteorologischen Hexenglaubens
eine Wetterpflanze haben, so ist zu einem Eingehen auf diesen Streit nur inso-
fern Veranlassung, als er allgemein Lehrreiches hervorbringt. Zu diesem möchten
wir einen kurzen Aufsatz im letzten Dezemberhefte des von der Kaiserlich Russischen
Geographischen Gesellschaft herausgegebenen „Meteorologischen Boten“ rechnen,
der die Frage nach der Periodicität in einer gegebenen Zahlenreihe recht klar
behandelt. Herr D. hatte nämlich, wie so Viele seines Schlages, die Beweis-
kraft der in der Meteorologie gebräuchlichen Meihoden geleugnet und an deren
Stelle andere setzen wollen, die angeblich besser sind, leider aber dem subjektiven
Meinen Thor und Thür öffnen.
Den von Herrn D. besonders angegriffenen Nachweis einer 35jährigen
Klimaschwankung durch Brückner halten auch wir noch keineswegs für definitiv
erbracht; aber die Methode, die Brückner angewandt hat, ist wissenschaftlich
richtig und nur das Material noch nicht ausreichend. Sind noch einige weitere
35 Jährige Zeiträume verflossen, so wird man, namentlich da jetzt die Beob-
achtungen fast die ganze Erde umfassen, darüber eher schlüssig werden können.
Wir geben den erwähnten, „Ein Zahlenscherz von N. A. Demtshinski“
überschriebenen Aufsatz eines ungenannten Verfassers im Folgenden wieder unter
Berichtigung einiger Druckfehler in den Zahlen.
„Der Wettervorhersager der »Novoye Vremya« ist kürzlich zu der Ent-
deckung gelangt, dafs man aus einer Zahlenreihe, welche die aufeinanderfolgenden
Werthe . irgend einer Erscheinung darstellt, z. B. die Temperatur aufeinander-
folgender Jahre an ein und demselben Orte, jede beliebige Schlufsfolgerung über
die Aenderung der Temperatur nach der Zeit machen könne; man brauche nur
die passende Gruppirung aufzusuchen. MHier das Zahlenbeispiel, das Herr
Demtshinski anführt:
352523352523 (A)
Wünscht man zu zeigen, dafs die Temperatur unverändert bleibe, so Mufs
man diese Reihe in Gruppen von drei Ziffern theilen; man erhält die Gruppenmittel:
31/3 31/s 81/8 31 9)
welche die Konstanz der Erscheinung zeigen, Theilt man in vierjährige Gruppen,
so erhält man die Mittelwerthe:
83/4 31/4 3 (2)
welche, nach Herrn Demtshinski, zeigen, dafs wir einer »Eiszeit« entgegen-
gehen. Theilt man nach Quinquennien, so findet man die Mittel:
825 83/5 (3)
die beweisen, dafs wir »direkt zu den Tropen uns bewegen«. Aus unbekanntem
Grunde schreibt Herr D. diese Methode Hann zu. »Nun erscheint Professor
Brückner und sagt, dafs wir nicht richtig getheilt haben, dafs man die ersten
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