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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

132 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1901. 
eines Minimums, das irgendwo in der Nähe der Route über den Britischen Inseln 
zewesen ist. Den Mitsegler habe ich nicht wieder gesehen, las aber später in der 
Zeitung, dafs er am 8. Öktober Lizard passirt sei. Ich salı in meinem Journale 
nach und fand, dafs ich am selben Tage „Brava“, die südlichste der Kap 
Verdischen Inseln passirt und die äquatoeriale Grenze des Nordostpassates er- 
reicht hatte, also rund 2300 Sm Vorsprung gewonnen hatte. Der andere Kapitän 
schrieb mir später, dafs er in der Nordsee und im Kanal gegen eine Folge von 
Südweststürmen habe aufarbeiten müssen. 
Die Umsegelung der Britischen Inseln vollzieht sich natürlich nicht immer 
30 leicht als einfache Umsegelung einer Depression, man hat zuweilen mehrere 
zu umfahren; immer aber giebt die Meteorologie, in erster Linie das Buys- 
Ballotsche Gesetz, die wichtigsten und richtigsten Verhaltungsmafsregeln. — 
Dieses Gesetz, das Ihnen gewils Allen bekannt ist, lautet in der uns Seeleuten 
bequemsten Form: 
Stellt man sich mit dem Rücken gegen den Wind, so hat man auf Nordbreite: 
den höchsten Luftdruck rechts etwas nach hinten, 
„ niedrigsten ” links » „ vorn. 
Südbreite, eutsprechend vertauscht: 
höchster Luftdruck links hinten, niedrigster rechts vom. 
Auf dem Aequator weht der Wind direkt vom höchsten nach dem niedrigsten 
Luftdruck, oder er zeigt diejenige Ablenkung, welche für die Hemisphäre gilt, 
aus welcher er kommt. > 
So liegt z. B. auf dem Wege nach Süden in der Nachbarschaft von Madeira 
oder den Kanarischen Inseln von Ende Oktober an in den Wintermonaten nicht 
selten ein Gebiet niedrigen Druckes, das, wie es dieser Gegend eigenthümlich 
ist, seinen Ort wenig verändert. Die Depression schreitet nicht ostwärts fort, 
wie die Minima der gemäfsigten Zonen, auch nicht westwärts, wie die Wirbel- 
stürme der Tropen, sondern bleibt annähernd stationär, indem sich nur das 
eigentliche Minimum bald nach der einen, bald nach der anderen Richtung etwas 
verlagert, etwa wie ein Wirbel im fliefsenden Wasser hin und her schwankt über 
einer unebenen Stelle der Flufssohle, im Ganzen aber an derselben Stelle bleibt. 
Wenn solche Verhältnisse bei Madeira stattfinden, herrscht weiter im Norden auf 
der Route der ausgehenden Schiffe nordöstlicher Wind; also ein Wind, bei dem 
die Schiffe ihre gewöhnliche Route ohne Schwierigkeiten innehalten können. 
Aber wenn sie das thun und sich nicht durch das fallende Barometer uud den 
nach rechts (also östlich) holenden Wind bei Zeiten bestimmen lassen, einen 
westlichen Kurs einzuschlagen, gerathen sie, ehe sie es sich versehen, in die 
Depression und damit in südliche und südwestliche Stürme hinein, denen sie 
durch eine Umsegelung des Minimums hätten aus dem Wege gehen können. 
Diese Umsegelung wird durch die Nähe von Land nirgends behindert, sie kann 
Jaher rein den meteorologischen Verhältnissen angepafst werden, d. h. sobald 
das Barometer durch seinen Stillstand oder beginnendes Steigen anzeigt, dafs 
man sich dem Minimum nicht mehr nähert, und sobald man an der Drehung des 
Windes merkt, dafs sich die Richtung des Minimums nach links verschiebt, 
steuert man so lange immer etwas südlicher und südlicher, bis man wieder seinen 
eigentlichen Kurs erfafst hat. 
Wie langwierig es werden kann, wenn man solche Umsegelung der 
Depression nicht machen kann, habe ich im Jahre 1880 erfahren. Ich war 
damals nach dem Senegal bestimmt und mufste befürchten, durch Einschlagen 
einer westlichen Route nicht weit genug nördlich an die afrikanische Küste zu 
kommen, denn es war die Harmattan-Zeit, in der ja bekanntlich auch ein starker 
südlicher Küstenstrom läuft. Zu der nur 270 Sın langen Strecke vom Parallel 
von Madeira bis zum Parallel von Teneriffa brauchte ich damals zehn volle Tage. 
Haben wir das Gebiet des Nordostpassates erreicht, so stellen sich uns 
zunächst weiter keine Schwierigkeiten entgegen; denn hier hat der Wind eine 
Richtung, die uns gestattet, jeden in Frage kommenden Kurs zu steuern. Aber 
man mufß denselben doch sehr mit Bedacht wählen, damit man den lästigsten Theil 
der ganzen Reise, die Ueherschreitung des äquatorialen Kalmengürtels, möglichst 
schnell ausführt.
	        
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