Schott: Die Strömungen in dem St. Lorenz-Golf,
Bemerkt sei noch, dafs auf der Neufundland-Seite zwischen Kap Bauld
und Kap Norman ein Stromzweig vorhanden ist, welcher auf Cook- und Pistolet-
Bucht zu setzt und vom arktischen Strom infolge des Küstenverlaufes abge-
trennt wird.
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3. Strömung am westlichen Ende der Strafse.,
In dem Gebiet zwischen Rich Point und dem Westausgang der Strafse
überwiegen Gezeitenbewegungen; die Versetzungen sind aber veränderlich in
der Richtung und schwach, „Querversetzungen“ sind häußg.
Westlich einer Linie, die von Rich Point in magnetischer Nordrichtung
nach dem westlichen Ende der Esquimaux-Inseln verläuft, sind die Versetzungen
vewöhnlich geringer als 1 Knoten in der Stunde, wachsen aber östlich davon,
nach der Belle Isle- Straße, und ihre Richtung wird mehr der der Strafse ent-
sprechend.
Auf der Höhe der Esquimaux-Inseln läuft der Strom entlang der Küste
in der einen oder anderen Richtung, setzt aber manchmal auch quer von der
Küste ab oder auf dieselbe zu für eine ganze Tide. Ebenso sei man auf der
Hut vor Querversetzungen auf Flower Cove zu, die von Greenly-Insel südost-
wärts ziehen.
Einflufs des Windes, Auf der N — S laufenden Linie St. John - Bai —
Esquimaux-Inseln ergaben direkte Strombeobachtungen, dafs, nachdem während
7 Tagen daselbst dreimal mehr Westwinde als Ostwinde von gleicher Stärke
geherrscht «hatten, der Strom in dem gesammten Profil von eiwa 32 Sm Breite
ostwärts setzte, doch betrug die Mächtigkeit desselben nur 5 bis 10 Faden; die
Schnelligkeit war %/s Knoten in der Mitte des Querschnittes, dagegen 1,2 bis
1,4 Knoten an den beiden Seiten. Letztere Zahl dürfte die gröfste in Ostrichtung
vorkommende Geschwindigkeit sein.
VI. Das Nordufer des St. Lorenz-Golfes,
l. Die Mecattina-Küste von den Esquimaux-Inseln bis Kap
Whittle. Hier ist die allgemeine Bewegung nach Westen gerichtet, im Durch-
schnitt wenigstens, zumal bei stillem Wetter und bei östlichen Winden. Bei
Westwinden finden sich alle möglichen Richtungen vertreten,
Die Eisberge gelangen an dieser Küste öfters bis zu den Mecattina-Inseln,
ja sogar in freilich seltenen Fällen bis Kap Whittle, während sie an der Neu-
fundland-Seite selten westlich von Rich Point gesehen werden. Diese mehr als
zweimal so weit nach Westen reichende Trift auf der Labrador-Seite ist auch
ein Zeichen mehr für die durchschnittlich westliche Stromrichtung daselbst,
Die Kapitäne von transatlantischen Dampfschiffen berichten auf Grund von
Fragebogen über die Fahrtstrecke von Heath Point (Antikosti) bis Greenly-Insel
Folgendes: Auf 32 Reisen, die im Sommer zwischen Juli und Oktober der
Jahre 1895 und 1896 ausgeführt wurden, sind in 16 Fällen Versetzungen nicht
bemerkt worden, in 9 Fällen war der Strom ostwärts, in 7 Fällen westwärts ge-
richtet. Der Betrag der Versetzung schwankte in jedem Falle von !/4 bis
8/4 Knoten in der Stunde.
2, Von Kap Whittle nach dem Ostende von Antikosti, Auf dieser
Strecke scheint der Einflufs des Windes ausschlaggebend zu sein; dafür sprechen
fünftägige Strommessungen im Juli, die Triften nach so ziemlich allen Richtungen
des Kompasses erkennen liefsen. Kapt. Macauley von der Dominion-Linie sagt,
dafs bei der Fahrt von Heath Point nach Kap Whittle die Dampfer häufiger
durch Nordwestwinde nach Süden als durch Südostwinde nach Norden versetzt
werden. Hierzu stimmt die Beobachtung, daß etwa 1'/z Sm vom Ostkap Anti-
kostis, wo der Strom parallel zur Küste nach Norden oder Süden läuft, die Be-
wegung nach Süden für ”/s der Zeit gilt, nach Norden nur für '/s.
Die Geschwindigkeit von 1 Knoten wurde nur im September manchmal
überschritten, aber auch nur auf der Höhe von Heath Point.
3. Kanal nördlich von Antikosti. Bei Natashquan Point setzte der
Strom im Juli, August und September gewöhnlich NW oder SO, parallel also
zum allgemeinen Küstenverlauf, manchmal um 2 Strich davon abweichend; die
Bewegung nach SO überwog, doch kann von einem „konstanten Strom“, wie
Ana. d. Hydr. ete., 1901, Heft 11,