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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1907, 
Was die beiden Seiten der Strafse betrifft, so ist im Ganzen eine "Tendenz 
auf der Südseite zu stärkerer Ausbildung des Gezeitencharakters, auf der Nord- 
;eite zu einem Ueberwiegen der Strömung nach der einen oder anderen Richtung, 
was damit zusammenhängen dürfte, dafs auf der Nordseite das Wasser tiefer ist 
als auf der Südseite. 
Strom und Gezeit. Die Fluth, die westwärts setzt, stoppt entweder mit 
Hochwasser oder meist etwas danach; 2" 35" nach Hochwasserzeit ist der späleste 
beobachtete Termin bei normalem Wetter. Der Ebbestrom länft ostwärts bis 
Niedrigwasser oder auch etwas länger (0* 40” bis 2" 55” länger). Im Durch- 
schnitt von 28 Beobachtungen kenterte der Strom 1"45" nach Hochwasser bezw. 
Niedrigwasser. Diese Beziehung ist wichtig im Hinblick auf die neuen jetzt vor- 
liegenden Pegelbeobachtungen von Forteau-Bai und läfst aus letzteren die Zeit 
des Stromwechsels feststellen. 
Trift der FKisberge mit Beziehung auf Strom und Gezeit. Die Eisberge, 
welche durch den einwärts gerichteten Strom in die Belle Isle-Straße geführt 
werden, kehren nur selten mit dem Gegenstrom nach dem Ozean zurück, da sie 
meist auf Grund gerathen, aufbrechen und schmelzen. Auch dieser Umstand 
dürfte mit zu der (falschen) Idee eines ständigen Zuflusses zum Golf beigetragen 
haben; man bedenke ferner, dafs der Flutbhstrom, welcher freilich nur ein Steigen 
von etwa 1,5 m verursacht, aber doch genügen kann, um KEisberge über sonst 
unpassirbare Untiefen hinwegzubringen, nach Westen gerichtet ist, während der 
nach Osten (auswärts) gerichtete Strom in die Ebbezeit fällt und schon hierdurch 
weniger geeignet für den Transport mancher KEisberge werden wird. 
Mit westlichem Strom kommen die Eisberge zahlreich in die Strafe, so- 
bald im Ozean überhaupt solche treiben; das Freisein der Strafse von Eis deutet 
auf andauernd östlichen Strom, doch braucht dies nicht für den Augenblick zu 
gelten, sondern kann die Folge der Stromverhältnisse von 1 bis 2 Tagen vor- 
her sein. 
Beobachtungen der Wassertemperatur geben weder über die Richtung des 
Stromes noch über die Nähe von Eis bestimmte Anhaltspunkte. 
Warnung. Man sieht aus dem Mitgetheilten, dafs ein Schiff hier sein 
Besteck in jeder Richtung überlaufen kann; besonders verlasse man sich nicht 
darauf, wenn man westwärts steuert, dafs man mitlaufenden Strom in der Strafse 
and im östlichen Theile des Golfes bis Antikosti hat. — ; 
Jahreszeitliche Aenderungen. Nach vieljährigen Erfahrungen von Bewohnern 
der anliegenden Ufer sind im Frühjahr die vorwiegenden Winde östlich, und 
dementsprechend läuft dann der Strom andauernd nach Westen, indem während 
der Ebbezeit nur seine Schnelligkeit abnimmt oder Stauwasser eintritt. Die 
Dauer dieses Weststromes im Frühjahr schwankt von Jahr zu Jahr, doch ge- 
wöhnlich hält er 1 bis 2 Monate an in der Zeit zwischen Anfang April und 
Ende Juni; aber auch dann wird ein starker West- oder Nordwestwind ()ststrom 
zur Folge haben. Im Sommer sind die Strömungen im Durchschnitt weniger 
hart und nicht so andauernd, dafür aber eben sehr stark dem Einflufßs der Gezeit 
unterworfen, wie oben beschrieben ist. Im Herbst hat man im zweiten Theil 
des September und im Oktober wieder öfters Ostwinde, doch überwiegen wohl 
die westlichen Winde; beide Richtungen sind auch für die Stromrichtungen mafs- 
gebend. Noch später im Herbst treten kalte Nordwestwinde auf, die auch im 
Winter‘ vorwalten und der Strömung eine nach aufsen, ostwärts gehende 
Richtung geben. 
2. Strömung am östlichen Ende der Strafse. 
Die allgemeine arktische Strömung, die aufserhalb der Mündung der 
Strafßse südwärts zieht, wird durch die Gezeiten der Strafse selbst auch beein- 
Aufst. Im Ganzen findet das stärkere Zuströmen zur Strafse (mit der Fluth- 
bewegung) auf der nördlichen Seite des Ausganges statt, während auf der süd- 
lichen Seite die Ebberichtung (nach Osten) überwiegt. 
Demgemäfs treten diejenigen Eisberge, die in die Belle Isle-Straßse ge- 
langen, gewöhnlich zwischen Belle Isle und der Labrador-Küste ein; nach den 
Angaben von Kapt. Vaughan treiben aber innerhalb eines bestimmten Zeit- 
raumes etwa 50 Berge mit der Labrador-Strömung im offenen Ozean südwärts, 
wenn man 10 Berge in die Belle Isle-Strafse eintreten sieht.
	        
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