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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Schott: Die Strömungen in dem St. Lorenz-Golf. 
‚7 
IV. Westküste Neufundlands. 
Im Allgemeinen bewegt sich das Wasser, soweit die Strecke von Kap 
St. George bis Rich Point in Betracht kommt, entlang der Küste nach NO. 
Selbst wenn die Oberflächenströmung gestört ist, läuft die Unterströmung in 
dieser Richtung. . 
Von. der Bay of Islands bis Rich Point ist. der Nordoststrom. am aus- 
geprägtesten und vergleichsweise konstant; mehrjährige KErfahrungen zweier 
Navigationsoffiziere von nordamerikanischen ‘Kreuzern sprechen dafür, Im 
Sommer beträgt die Versetzung gewöhnlich bis zu 1 Knoten in der Stunde, 
Nur in und eben aufserhalb der grofsen Buchten dieser Küste wird durch Ebbe- 
und Fluthbewegungen diese Strömung unterbrochen. 
Die Fischer verankern an der Küste ihre Boote etwa 10 bis 12 Sm vom 
Ufer entfernt auf durchschnittlich 30 Faden Wasser und haben so eine auns- 
yezeichnete Gelegenheit zu Strombeobachtungen; auch von ihnen wird die 
Richtung NO bis ONO bestätigt, wenigstens gelten die Versetzungen in diesem 
Sinne für mehr als zwei Drittel eines bestimmten Zeitraumes. 
Nahe der Küste ist der Strom etwas kräftiger als weiter auf See; ein 
Segler, der zu kreuzen genöthigt ist, soll daher, südwestwärts bestimmt, lange 
Schläge machen, bei einer Bestimmung nach NO jedoch unter Land in kurzen 
Schlägen aufkreuzen. 
Die „Tidal Survey“ beobachtete 12 Sm von Cow Head entfernt — 20 Sm 
in NO von der Mündung der Bonne Bay — auf einem Ankerplatz im September, 
dafs der Strom fast immer nach NO setzte und sehr selten in dieser Richtung 
weiter als von NNW nach O schwankte; die Schnelligkeit von 1 Knoten in der 
Stunde wurde nicht überschritten, Wenn der Strom bis O abbiegt, so setzt er 
damit fast auf das Land zu, aber wohl nur für drei bis vier Stunden hinter ein- 
ander und nur wenig schneller als !/a Knoten in der Stunde. 
Einflufs des Windes. Vor dem Einsetzen eines Südweststurmes setzt die 
Strömung kräftiger in der gewöhnlichen Richtung, vor einem Nordoststurm aber 
verschwindet sie; freilich mag sie auch sonst manchmal fehlen. . 
Y. Die Belle Isle-Strafse., 
Die Strömung hat hier vorwiegend Gezeitencharakter; wenn keine Störungen 
durch Wind vorliegen, so läuft sie nach O und W ungefähr gleich lange Zeit und 
kentert regelmäfsig in Uebereinstimmung mit dem Steigen und Fallen des Wassers. 
Im Ganzen scheint ein kleiner Ueberschufs der einwärts nach Westen gerichteten 
Bewegung vorzuliegen. 
Früher war die Meinung weit verbreitet, dafs die Strömung in der Belle 
Isle-Strafse ständig einwärts zum St. Lorenz -.Golf hin flösse, und man glaubte, 
dafs sie ein Zweig der arktischen Strömung sei, die, von Norden kommend, an 
der Küste Labradors und Neufundlands südwärts zieht; manche Karten zeigen 
solchen Strom, der durch die Belle Isle-Strafse in den Golf eintreten und durch 
die Cabot-Strafse den Golf wieder verlassen soll. . 
Diese Anschauung ist entschieden unbegründet und daher für 
die Schiffahrt irreführend. 
i. Charakter der Strömung im engsten Theil der Strafse. 
Im Juli und September 1894 wurde auf Ankerplätzen 7 Sm im Osten von 
Amour Point beobachtet, wo keine lokalen Beeinflussungen vorliegen und die 
Breite nur 11 Sm beträgt. Das Ergebnifs war das oben angegebene; die gröfste 
Geschwindigkeit in jeder Richtung war 2 Knoten, 
Bei heftigen, lange anhaltenden Winden, zumal aus. westlicher oder öst- 
licher Richtung, wird der mit dem Wind laufende. Strom stärker als der ent- 
gegengesetzte; ja unter Umständen kann er dadurch ständig nach einer Richtung 
getrieben werden. Aber dies gilt dann ‚nur für die Oberflächenströmung, der 
Unterstrom von 5 bis 10 Faden abwärts wird seinen Gezeitencharakter für 
längere. Zeit beibehalten, und dieser Umstand hilft dann dem Öberstrom zur 
schnelleren Wiedererlangung des Gezeitencharakters, sobald der Wind nachläßt. 
„Bei heftigen Winden war. die‘ gröfste Geschwindigkeit: einwärts (nach 
Westen) 3,2 Knoten, ostwärts 2,5 Knoten in der Stunde.
	        
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