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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Annalen der Hydrographie nnd Maritimen Meteorologie, März 1901. 
Einflufs der Gezeit macht sich immer etwas bemerkbar: ist die Strömung 
regelmäfsig, also nach SO gerichtet (auswärts), so ist bei Niedrigwasser ihre 
Schnelligkeit am bedeutendsten, bei Hochwasser am geringsten; ist die Strömung 
aber nach NW gerichtet, so ist gerade das Umgekehrte der Fall. 
Kinflufs des Windes. Es ist wahrscheinlich, dafs der Hauptgrund für das 
Vorhandensein der Südostströmung an der Gaspe - Strömung in den über dem 
unteren St. Lorenz-Strom vorherrschenden Nordwestwinden zu suchen ist. Diese 
Winde unierstützen den Ahflufs des Stromes und beschleunigen seinen Lauf, 
drängen die Strömung zugleich zur Gaspe-Küste. Andererseits wird die Strömung 
von dieser Küste weg in die Mitte der Passage verlagert werden, wenn die 
Winde über dem unteren St. Lorenz- Strom aus SW (immer magnetische 
Richtungen!), an der Gaspe-Küste aus S bis SO wehen. Letztere Windrichtungen 
können aber nur auftreten, wenn ein Gebiet niedrigen Luftdruckes oder ein 
Sturmcentrum eine Bahn verfolgt, die nördlich vom St. Lorenz-Thale liegt. 
Eine solche nördliche Zugstrafse ist hier selten, da gewöhnlich die 
Depressionen südlich vom St. Lorenz, d. h, an der Atlantischen Ozean-Küste entlang 
ziehen. Daraus folgt, dafs auch die Südost- und Südwinde vergleichsweise selten 
sind und dementsprechend die Verlagerungen der Gaspc-Strömung ebenfalls einen 
Ausnahmezustand bedeuten. 
Im Allgemeinen mögen also die Dampfer erwarten, dafs sie an der Gaspe- 
Küste die gewöhnliche auslaufende Strömung finden; doch mufs man auf das 
Wetter achten und hat Ursache, wenn man bei fallendem Barometer mit Winden 
ans südlicher Richtung sich der Autikosti- Gegend nähert, anzunehmen, dafs die 
(Jaspe-Strömung gestört oder verlagert ist, wie soeben näher angegeben. Zumal 
bei Nebel müssen einkommende Schiffe nicht zu bestimmt unter solchen Um- 
ständen auf die Abwesenheit der (für ihren Kurs) entgegenlaufenden Strömung 
rechnen, 
‘9% 
IM. Strömungen in der Cabot-Strafse. 
1. Kap Breton-Strömung. Auf der Westseite der Strafse für eine 
Breite von etwa 20 Sm, ab Kap North gerechnet, läuft eine ständige Strömung 
nach S und SO; sie ist die regelmäfsigste von allen Versetzungen, die 
man irgendwo im St. Lorenz-Golf trifft, und wird nur sehr selten (durch 
heftige Südostwinde) für kurze Zeit gehemmt oder ganz unterbrochen. 
Am gröfsten ist ihre Geschwindigkeit nahe bei Kap North, wo sie bis zu 
2 Knoten betragen mag. Die Breite des Stromstriches kann auf 12 Sm ein- 
geschränkt, andererseits auch über St. Paul-Insel ostwärts hinaus ausgedehnt sein. 
In der Mitte der Strafse ist die Strömung meist sehr veränderlich in der 
Richtung und schwach. 
Auf einem Ankerplatz 9 Sm in SO von Kap North in der Mitte der 
Strömung lief der Strom 0,5 bis 1,5 Knoten, nach einem heftigen Nordwestwinde, 
der ohne Unterbrechung 48 Stunden geweht hatte, jedoch mit 2,2 Knoten, was 
wohl das Maximum der hier je erreichten Geschwindigkeit bedeutet; auf einem 
Ankerplatz 10 Sm in NO von der St. Paul-Insel betrug die Schnelligkeit 0,5 bis 
1,5 Knoten. 
An beiden Punkten drehte im Laufe des Tages die Stromrichtung in 
ziemlich regelmäßiger Weise von SO nach SW und wieder zurück nach SO, 
was wahrscheinlich auf Gezeiteneinflufs zurückzuführen ist. 
2. Die Kap Ray-Strömung. Auf der Ostseite der Cabot- Straße ist 
gewöhnlich eine Wasserbewegung nach NW in den St. Lorenz - Golf hinein vor- 
handen, sie ist offenbar eine Fortsetzung der allgemeinen Westströmung, welche 
an der ganzen Südküste Neufundlands, zwischen St. Pierre - Insel und Kap Ray, 
fühlbar ist. In ruhigem oder doch heständigem Wetter hat diese Nordwest- 
strömung bei Kap Ray eine Breite von 10 bis 15 Sm, ja noch etwas mehr. 
Im August mais man auf einem Ankerplatz, der 13 Sm westlich vom Kap 
Ray sich befand, 0,5 bis 1,5 Knoten Schnelligkeit; zugleich schwankte die Strom- 
richtung zwischen N und W, aber doch war NW durchaus vorwiegend. Beziehungen 
zu Ebbe und Fluth waren nicht zu konstatiren. Die Nordrichtung ist sehr ge- 
fährlich, weil sie auf das Land zu setzt.
	        
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