Schott: Die Strömmgen in dem St. Lorenz-Galf.
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zwei von einander verschiedene Theile trennen; südwestlich von der Linie nämlich
ist das Wasser specifisch leicht, was durch den Abflufs des St. Lorenz - Stromes
bedingt wird; nordöstlich davon ist der Salzgehalt oder die Schwere des Ober-
Aächenwassers von derjenigen des offenen Atlantischen Ozeans kaum verschieden.
Konstante Strömungen. Die allgemeine Trift des leichteren Wassers ist
zum Ozean hin gerichtet, und zwar kann man unterscheiden: erstens an der
Mündung des St. Lorenz-Stromes entlang der Gaspe-Küste die „Gaspe-Strömung“,
zweitens eine um Kap North auf der Westseite der Cabot-Strafse ziehende „Kap
Breton-Strömung“. Eine dritte konstante Strömung findet sich an der Westseite
Neufundlands, sie zieht nach NO von der Bay of Islands nach Rich Point hin.
Doch sei hemerkt, dafs der Ausdruck „konstante Strömungen“ nur dahin
zu verstehen ist, dafs sie gewöhnlich oder meistens in der einen angegebenen
Richtung laufen; bestimmte Windrichtungen vermögen auch hier störend ein-
zugreifen und ihren Lauf unter Umständen ganz zu hemmen, wie die späteren
Angaben noch zeigen werden.
Gezeitenströmungen. Die härtesten Bewegungen dieser Art findet man im
unteren St. Lorenz-Strom, wo stellenweise 5 bis 6 Knoten in der Stunde erreicht
werden; auch in der Enge von Canso läuft die Gezeitenströmung 4 Knoten, und
in dem engsten Theile der Northumberland-Strafse, bei Kap Jourmain, kann man
3 Knoten Schnelligkeit erwarten.
Fast alle Strömungen des Golfes werden übrigens durch die Gezeit in
bestimmter Weise beeinflufst: läuft der Strom in gleicher Richtung wie die Ebbe
bezw. Fluth, so wird natürlich die Geschwindigkeit vergröfsert, anderenfalls
ändert sich in mehr oder weniger regelmäfsiger Uebereinstimmung mit der Gezeit
die Richtung der Strömung... Auch in dieser Hinsicht wird das Folgende noch
Beispiele‘ bringen.
JI. Die Gasp6-Strömung.
Die Angaben beziehen sich in erster Linie auf die Gegend zwischen Fame
Point und Kap Gaspe, denn daselbst wird von allen transatlantischen Schiffen,
die nach dem St. Lorenz bestimmt sind, das Land angesteuert.
Durchschnittlicher Zustand. Bei normalem Wetter setzt der Strom ständig
nach aufsen, d. h. nach SO und SSO; gewöhnlich ist die Strombreite 12 Sm,
welche aber erst von einem Landabstande von 2 bis 14 Sm ab zu rechnen ist,
wenigstens gilt dies für die Nachbarschaft von Fame Point. Nach Kap Rosier
zu scheint der Stromstrich enger und die Stromstärke gröfser zu werden; dabei
befindet sich zwischen dem Strom und dem Lande ein Gezeitenstrom, der nach
beiden Richtungen setzt, wie die englische Admiralitäts-Karte No. 1621 (Entrance
to the St. Lawrence) anzeigt. Wenn Kap Gaspe für ausgehende Dampfer passirt
ist, so tritt die Strömung näher an Land, den Gezeitenstrom ganz unterbindend,
und ihre Richtung schwankt hier zwischen SSO und SSW.
Diese Strömung jenseits Kap Gaspe hat sich als konstant herausgestellt,
selbst dann, wenn die Verhältnisse der Strömungen anderwärts sich stark
änderten; die Geschwindigkeit beträgt gewöhnlich 1 bis 2 Knoten, die größte,
die beobachtet wurde, war 2,8 in der Stunde.
Verlagerung der Strömung. Manchmal wird diese Gaspe - Strömung ver-
lagert bis zur Mitte der Durchfahrt zwischen der Gaspe - Küste und Antikosti,
aber an der Antikosti-Seite selbst scheint sie nie bemerkt zu werden. Liegt die
Strömung in der Mitte der Durchfahrt, so wird die Meeresfläche zwischen ihr
und der Gaspe-Küste durch schwache wechselnde Strömungen bewegt, die selbst
bis zu einer einwärts (aufwärts) setzenden Gegenströmung sich umändern können.
Umkehrung der Strömung. Es kommt vor, dafs, wenn die eigentliche
Hauptströmung nach der Mitte der Durchfahrt verschoben ist (wie oben auch
angegeben wurde), die Gegenströmung an der Gaspe - Küste konstant nach NW
bis zu sechs Tage lang auf einem 2 bis 12 Sm vom Lande gelegenen Strich läuft,
also gerade da, wo gewöhnlich die GaspeE-Strömung nach SO und S setzt. Die
Gegenströmung erreicht jedoch, wenn vorhanden, nur‘ eine Schnelligkeit von
0,5 bis 1,4 Knoten, -
Querrichtungen der Strömung. Auch direkt auf Land zu oder von dem
Lande ab setzt die Gaspe- Strömung manchmal, jedoch. meist nur für: wenige
Stunden und dann, wenn eben Aenderungen in der Lage der Strömung-eintreten.