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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Schott: Die Strömmgen in dem St. Lorenz-Galf. 
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zwei von einander verschiedene Theile trennen; südwestlich von der Linie nämlich 
ist das Wasser specifisch leicht, was durch den Abflufs des St. Lorenz - Stromes 
bedingt wird; nordöstlich davon ist der Salzgehalt oder die Schwere des Ober- 
Aächenwassers von derjenigen des offenen Atlantischen Ozeans kaum verschieden. 
Konstante Strömungen. Die allgemeine Trift des leichteren Wassers ist 
zum Ozean hin gerichtet, und zwar kann man unterscheiden: erstens an der 
Mündung des St. Lorenz-Stromes entlang der Gaspe-Küste die „Gaspe-Strömung“, 
zweitens eine um Kap North auf der Westseite der Cabot-Strafse ziehende „Kap 
Breton-Strömung“. Eine dritte konstante Strömung findet sich an der Westseite 
Neufundlands, sie zieht nach NO von der Bay of Islands nach Rich Point hin. 
Doch sei hemerkt, dafs der Ausdruck „konstante Strömungen“ nur dahin 
zu verstehen ist, dafs sie gewöhnlich oder meistens in der einen angegebenen 
Richtung laufen; bestimmte Windrichtungen vermögen auch hier störend ein- 
zugreifen und ihren Lauf unter Umständen ganz zu hemmen, wie die späteren 
Angaben noch zeigen werden. 
Gezeitenströmungen. Die härtesten Bewegungen dieser Art findet man im 
unteren St. Lorenz-Strom, wo stellenweise 5 bis 6 Knoten in der Stunde erreicht 
werden; auch in der Enge von Canso läuft die Gezeitenströmung 4 Knoten, und 
in dem engsten Theile der Northumberland-Strafse, bei Kap Jourmain, kann man 
3 Knoten Schnelligkeit erwarten. 
Fast alle Strömungen des Golfes werden übrigens durch die Gezeit in 
bestimmter Weise beeinflufst: läuft der Strom in gleicher Richtung wie die Ebbe 
bezw. Fluth, so wird natürlich die Geschwindigkeit vergröfsert, anderenfalls 
ändert sich in mehr oder weniger regelmäfsiger Uebereinstimmung mit der Gezeit 
die Richtung der Strömung... Auch in dieser Hinsicht wird das Folgende noch 
Beispiele‘ bringen. 
JI. Die Gasp6-Strömung. 
Die Angaben beziehen sich in erster Linie auf die Gegend zwischen Fame 
Point und Kap Gaspe, denn daselbst wird von allen transatlantischen Schiffen, 
die nach dem St. Lorenz bestimmt sind, das Land angesteuert. 
Durchschnittlicher Zustand. Bei normalem Wetter setzt der Strom ständig 
nach aufsen, d. h. nach SO und SSO; gewöhnlich ist die Strombreite 12 Sm, 
welche aber erst von einem Landabstande von 2 bis 14 Sm ab zu rechnen ist, 
wenigstens gilt dies für die Nachbarschaft von Fame Point. Nach Kap Rosier 
zu scheint der Stromstrich enger und die Stromstärke gröfser zu werden; dabei 
befindet sich zwischen dem Strom und dem Lande ein Gezeitenstrom, der nach 
beiden Richtungen setzt, wie die englische Admiralitäts-Karte No. 1621 (Entrance 
to the St. Lawrence) anzeigt. Wenn Kap Gaspe für ausgehende Dampfer passirt 
ist, so tritt die Strömung näher an Land, den Gezeitenstrom ganz unterbindend, 
und ihre Richtung schwankt hier zwischen SSO und SSW. 
Diese Strömung jenseits Kap Gaspe hat sich als konstant herausgestellt, 
selbst dann, wenn die Verhältnisse der Strömungen anderwärts sich stark 
änderten; die Geschwindigkeit beträgt gewöhnlich 1 bis 2 Knoten, die größte, 
die beobachtet wurde, war 2,8 in der Stunde. 
Verlagerung der Strömung. Manchmal wird diese Gaspe - Strömung ver- 
lagert bis zur Mitte der Durchfahrt zwischen der Gaspe - Küste und Antikosti, 
aber an der Antikosti-Seite selbst scheint sie nie bemerkt zu werden. Liegt die 
Strömung in der Mitte der Durchfahrt, so wird die Meeresfläche zwischen ihr 
und der Gaspe-Küste durch schwache wechselnde Strömungen bewegt, die selbst 
bis zu einer einwärts (aufwärts) setzenden Gegenströmung sich umändern können. 
Umkehrung der Strömung. Es kommt vor, dafs, wenn die eigentliche 
Hauptströmung nach der Mitte der Durchfahrt verschoben ist (wie oben auch 
angegeben wurde), die Gegenströmung an der Gaspe - Küste konstant nach NW 
bis zu sechs Tage lang auf einem 2 bis 12 Sm vom Lande gelegenen Strich läuft, 
also gerade da, wo gewöhnlich die GaspeE-Strömung nach SO und S setzt. Die 
Gegenströmung erreicht jedoch, wenn vorhanden, nur‘ eine Schnelligkeit von 
0,5 bis 1,4 Knoten, - 
Querrichtungen der Strömung. Auch direkt auf Land zu oder von dem 
Lande ab setzt die Gaspe- Strömung manchmal, jedoch. meist nur für: wenige 
Stunden und dann, wenn eben Aenderungen in der Lage der Strömung-eintreten.
	        
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