Chnide.
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mindestens !/2 Sm breit, wird dann aber allnählich schmäler; bei dem Westende
der Mitaone-Insel, 3 Sm flußsaufwärts, beträgt seine Breite nur noch etwa 4 Kblg.
Das 4,6 bis 9,5 m tiefe Fahrwasser zwischen der Foot-Huk und dem Sand-
steert vor der Luabo- Huk, etwa 2 Sm flufsaufwärts, bietet guten Ankergrund.
Man mufs stets mit den beiden Ankern vertäuen. Bei starken östlichen Winden
können kleine Fahrzeuge auf dem Ankerplatze vor Chinde sich nicht halten,
sondern müssen dann weiter flufsaufwärts ankern. Kapt. Casseboom vertäute
sein Schiff mit beiden Ankern und je 30 Faden Kette.
Chinde liegt, wie bereits erwähnt, auf der Foot-Huk und besteht aus der
portugiesischen Kolonie und der englischen Koncession, die sich nach Westen an
die erstere anschließt. Die portugiesische Kolonie umfafst ein Zollhaus, Kasernen
mit einer kleinen Besatzung und eine Signalstelle. Die englische Koncession,
die ebenfalls eine Signalstelle hat, erstreckt sich 400 m längs des Flufsufers und
reicht quer über die Landzunge bis ans Meer. Transitgüter, die für die
englischen Besitzungen im Innern bestimmt sind oder von dort verschifft werden,
können in der englischen Koncession zollfrei gelandet werden. Kinige deutsche
und englische Firmen sind hier ansässig. Chinde ist Station der englischen
Kanonenboote „Mosquito“ und „Herald“. Das Klima ist verhältni(smäfsig gesund.
Kleine Reparaturen an Maschinen bis zu 60 Pferdekräften können aus-
geführt werden. In dem Dorfe Sombo, 12 Sm oberhalb der Foot- Huk, ist eine
kleine Patenthelling, auf der Fahrzeuge bis zu 50 t aufgeholt werden können.
Handelsverkehr. Der Handel von Chinde ist fast ausschliefslich Transit-
handel für die englischen Besitzungen im Innern. Jede Woche ungefähr geht
ein Flufsdampfer von Chinde nach dem Innern ab.
. Die Küstendampfer der deutschen Ostafrika-Linie laufen Chinde alle drei
Wochen an, ebenso ein Dampfer der Firma Rennie & Sons,
Telegraphenverbindung besteht über Sombo mit Quilimane, Tete und
Salisbury.
| Ueber Chinde berichtet Kapt. Casseboom: Der Ort liegt unmittelbar
am Fluß. An dem aus feinem Sande bestehenden Ufer kann man überall landen.
Deutsches Konsulat ist nicht vorhanden; einige deutsche und englische Firmen
sind am Orte ansässig. Landungsbrücken, Kaianlagen u. s. w. giebt es nicht.
Die Leichter, in welche die Ladung gelöscht wird, legen so nahe als möglich
am Ufer an; die Ladung wird alsdann von den Negern durchs Wasser an Land
getragen. Die meiste Ladung geht jedoch flufsaufwärts in den Leichtern.
Wenn man Ballast nöthig hat, miethet man am besten einen Leichter
(3 £ täglich), nimmt einige Arbeiter an (18 Pence pro Kopf und Tag) und läfst
diese den Leichter vollwerfen, während die eigene Mannschaft den Leichter nach
dem Ballastplatze und zurück zum Schiffe bringt und den Ballast übernimmt,
Auf diese Weise wurden in drei Tagen mit zehn Arbeitern 90 bis 95 Tonnen
Ballast eingenommen; die Gesammtkosten dafür beliefen sich auf 102 £. Die
Unkosten im Zollhause sind für Segelschiffe 150 Reis, für Dampfer 50 Reis für
die Tonne. Ein Gesundheitspafs und ein Ladungsmanifest wurden verlangt; die
yesundheitspolizeiliche Visite mußte abgewartet werden.
Proviant ist theuer; frisches Fleisch kostet 1 sh, Kartoffeln 6 d das Pfund;
Gemüse ist gar nicht zu bekommen. Frisches Wasser aus dem Flusse kann
man nur bei Springtide während des letzten 'Theiles der Ebbe aufschlagen; es
ist jedoch sehr dick und darf ungekocht nicht genossen werden. Krankheiten
waren während meines Aufenthaltes vom 11. August bis 12. September nicht am
Ort: im Sommer soll jedoch das Sumpffieber sehr herrschen,
Bemerkungen über Mogador und Casablanca. ©
Aus: dem Reisebericht S. M. S. „Charlotte“, Kommandant Kapt. z. S. Vüllers. Oktober 1900.
S.M. 8. „Charlotte“ ankerte auf der Rhede von Mogador auf 32 m
Wasser in den Peilungen: Südöstlicher Festungsthurm in SO'/zO und Westkante
des westlichsten Riffes der Mogador-Insel in SzW’/8W. Auf diesem Ankerplatz
Y Verl. „Ann, d. Hydr. ete.“, 1900, Seite 242 und 245.