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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

116 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1901. 
10 Sm sichtbar sein soll, sind nur etwa 5 Sm weit zu sehen. In geringerer Ent- 
fernung als 16 Sm von der Mündung wird man auch den 17 m hohen Sandhügel 
am linken Ufer der Inhamhona - Mündung, etwa 2'/2 Sm nordöstlich von der 
Mitaone - Huk, und den weißen 30 m hohen Flaggenmast in der englischen 
Koncession ausmachen können. 
Ansteuerung. Sohald man die Flufsmündung an den oben genannten Land- 
marken erkannt hat, stenere man in der Deckpeilung der beiden Leuchtbaken in 
etwa N darauf zu und ankere auf 7 bis 9 m Wasser, 3 bis 4 Sm von den Baken 
entfernt. Die rothe ziemlich grofse Ansteuerungstonne lag nach dem Bericht des 
Kapt. Casseboom etwa 1'% Sm südlich von der Barre. „Baldur“ ankerte 
ungefähr 1'/s Sm südöstlich von der Tonne auf 9 m Wasser. 
Barre und Einsteuerung. Die der Chinde-Mündung vorgelagerten Sand- 
bänke, auf denen zeitweise heftige Brandung steht, erstrecken sich etwa 2 Sm 
seewärts. In dieser Entfernung liegt die Barre, deren Wassertiefe bei Spring- 
tide - Niedrigwasser etwa 1,8 m, bei Springtide - Hochwasser etwa 5,5 m und bei 
Niptide - Hochwasser etwa 4,6 m beträgt. Am Ende der trockenen Jahreszeit 
(September) dürften kaum mehr als 4 bis 4,3 m bei Hochwasser auf der Barre 
zu finden sein. Kapt. Casseboom giebt daher auch den höchsten zulässigen 
Tiefgang eines Schiffes, welches die Barre passiren will, auf 4,3 bis 44 m an 
and erwähnt gleichzeitig, dafs eine norwegische Bark mit 4,9 m Tiefgang nicht 
über die Barre kommen konnte. Sie mufste daher mit ihrer Ladung Kohlen zu- 
nächst nach Quilimane, dort 150 Tonnen löschen und dieselben nach Chinde 
schaffen lassen. Die Fracht hierfür hetrug 30 Schilling für die Tonne, während 
das Schiff von Cardiff selbst nur 36 Schilling hatte. 
Die Richtung und Tiefe des Fahrwassers über die Barre ist beständigen 
Aenderungen unterworfen, so dafs kein Schiff ohne vorher sich genau mit den 
Fahrwasserverhältnissen bekannt gemacht zu haben oder ohne Lootsen die KEin- 
fahrt unternehmen sollte. Zwei kleine Pfahlbaken, die westlich von den Leucht- 
feuern auf der Mitaone-Huk errichtet sind und von denen die innere eine weifse 
Scheibe trägt, in Deckung gehalten, sollen die Fahrwasserrichtung auf der 
Barre nach dem Passiren der Barre- Tonnen angeben. Ganz unzuverlässig ist 
die Betonnung der Barre. Im Jahre 1900 bezeichnete eine rothe Tonne die 
St. B.-Seite und zwei schwarze Tonnen die B. B.-Seite des Fahrwassers. 
Wenn man mit Booten das Fahrwasser auf der Barre selbst auslothen 
will, muß man sehr vorsichtig sein. Im Jahre 1900 kenterte dabei das Boot 
einer norwegischen. Bark. Der Kapitän und ein Mann ertranken. Die beste Zeit 
zum Einlaufen ist ungefähr von Dreiviertel Fluth bis Hochwasser. 
Schleppdampfer. Secgelschiffe müssen stets die Hülfe der in Chinde ver- 
kehreuden Küstendampfer, welche auch Schleppdienste leisten, in Anspruch 
nehmen. Von deutschen Dampfern, die den Hafen anlaufen, sind „Adjutant“ und 
„Peters“ zu nennen. Die Führer dieser Dampfer sind mit den Fahrwasserver- 
hältnissen vertraut. Ein Offizier des Dampfers kommt gewöhnlich an Bord des 
geschleppten Schiffes und versieht Lootsendienste. 
Der Schlepplohn beträgt ohne Rücksicht auf die Größe des Schiffes 30 £, 
während für den Lootsendienste verrichtenden Offizier 2 £ zu zahlen sind. 
Lootsen sind in Chinde nicht vorhanden. Ks dürfte jedoch in der 
Koncession Jemand zu haben sein, der die Barreverhältnisse kennt. Man sollte 
sich jedoch nicht zu sehr auf solche Leute verlassen, Die Verständigung mit 
der Signalstelle in der Koncession soll schwierig sein. 
Gezeiten, Die Hafenzeit in der Chinde - Mündung ist 4" 30"; die Fluth- 
höhe beträgt bei Springtide 3,7 m, bei Niptide 2,7 m. Diese Beobachtungen 
wurden im Juli gemacht. Im September war die Niptide sehr unregelmäfsig, 
mit einem Hub von 0,4 bis 0,9 m. Der Einflufs der Gezeiten ist in der ganzen 
Länge des Chinde fühlbar: die Gezeitenströme, welche bei Springtide eine Ge- 
schwindigkeit von 2! bis 3'/a Sm erreichen, kentern im Flusse etwa eine Stunde 
nach Hoch- und Niedrigwasser auf der Barre. Bei Niptide ist der Strom zu- 
weilen kaum fühlbar. 
Kapt. Casseboom will auf dem Aukerplatze unter der portugiesischen 
Kolonie bei Springtide eine Stromgeschwindigkeit von 7 bis 8 Sm heobachtet haben. 
- Ankerplatz im Flußfs. Innerhalb der Barre nehmen die Wassertiefen auf 
55 bis 7,3 m zu. Querab von der Foot-Huk und an Chinde vorbei ist der Flufs
	        
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