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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorolugie, März 1901.
sein Bett wählen wird. Der hierdurch beabsichtigte Weg ist in der als Tafel 5
beigefügten Karte ersichtlich,
Jeden Abend gegen 5 Uhr setzte pünktlich die Seebriese mit allmählich
bis 6 wachsender Windstärke ein und flaute erst gegen 9 Uhr abends wieder ab.
Es ist durchaus nothwendig, nachdem man mit dem Luvanker geankert
hat, noch einen Heckanker auszubringen oder mit dem Heck an Land festzu-
machen, da sonst das Schiff, wie es S. M. S. „Habicht“ passirte, dauernd über
den Anker weg treibt bei geringerem Strom und bei stärkerem Strom steif in
die Kette kommt. Dadurch wurde der Anker derartig unklar, dafs er aus dem
Grunde gebrochen wurde und das Schiff stromabwärts trieb. Der gelichtete
Anker hatte nicht weniger als 8 Törns um Schaft und Stock, und die Kette
war vollständig blank gescheuert. Das in Boma befindliche Hafenfeuer brennt,
ist jedoch ziemlich zwecklos, da es vom Ankerplatz nicht überall zu sehen ist
and nach 6 Uhr kein Verkehr mehr auf dem Flusse gestattet ist. Im nächsten
Monat erscheint eine neue Karte vom Congo; dieselbe ist von dem englischen
Vermessungsfahrzeug „Rambler“ aufgenommen, ist jedoch nicht ganz beendet
worden, da „Rambler“ bei Ausbruch des Krieges in Südafrika dorthin berufen
wurde. Die Karte soll jedoch die einzige sein, die die Flufsufer und die Inseln
yenau festgelegt hat, was wegen der Deckpeilung und der zur Erleichterung der
Einsteuerung nothwendigen Landmarken erforderlich ist.
Die geringste gefundene Tiefe in der neuen Durchfahrt betrug 6m. Ks
wurde, um Strom gut auszunutzen, Mittefahrwasser gehalten. Im Durchschnitt
wurde 3 Sm Strom gefunden.
Nachdem gut frei von der Stella-Bank gehalten war, wurde auf die Shark-
Huk zugehalten, bis S. M. S. „Habicht“ sich in der Mitte der Strömung befand;
dann wurde WNW?/,W gesteuert, bis der Kurs NW!/N gut frei von der von
„Pioneer“ berichteten Untiefe führte.
Dieser Kurs wurde bis zum Insichtkommen, von Anno Bom beibehalten.
Es wurde nun auf die Nordspitze der Insel zugehalten. Die Adams-Insel kam,
obgleich es sehr sichtig war, erst mit 14 Sm und die südlich gelegenen Klippen
erst mit 10 Sm Abstand in Sicht und nicht, wie in der Segelanweisung angegeben,
auf 18 Sm.
Das Wasser war 80 klar, dafs nach dem Passiren der 10 m-Grenze der
Grund zu sehen war. Mit Hellwerden kam St. Thome in Nord, etwa 12 Sm ab,
in Sicht; die Küste wurde mit 1 Sm Abstand passirt und mit NWzW!/2W-Kurs
auf das Hospital zugesteuert auf den Ankerplatz in der Peilung: Fort S. Sebastian
S’/4W und Hospital NWzW!/AW.
Prinzefs-Insel kam auf der Rückreise nach Kamerun in NzW, etwa 12 Sın
ab, in Sicht. Bei klarer Luft blieb dieselbe bis auf einen Abstand von 50 Sm
in Sicht. An demselben Tage 10* 25" nachmittags wurde Fernando Po bei
mondheller Nacht in NOzN, 17 Sm ab, gesichtet,
Strom. Von der Ambas-Bucht bis 9° 13‘ O-Lg setzte der Strom S73°O,
5,2 Sn in 16 Stunden, und von hier bis Kap St. John S57°O, 8 Sm in 6,3 Stunden,
bis Kap Esterias, dann südlich, etwa 0,3 Sın in der Stunde. Von der Gombe-
Huk bis 13 Sm nordöstlich von Kap Lopez wurde eine östliche Strömung, 0,8 Sn
in der Stunde, festgestellt. In der Lopez-Bucht setzte der Strom beim KEin- und
Auslaufen nördlich. Auf der Reise von Lopez bis Banana war der Strom am
ersten Tage (bis 3° 5‘S-Br und 9° 38‘ O-Lg) N37°W, 11 Sm in 24 Stunden, und
am zweiten Tage (bis 4° 50‘ S-Br und 11° 32‘ O-Lg) S 75°W, 8,6 Sm. Unter
der Küste von der Blach-Huk bis Massabe war es stromfrei, dann setzte er
nordnordwestlich, etwa 1,5 bis 2 Sm in der Stunde. In der Peilung Shark-Huk
in SO, etwa 17 Sm ab, wurde geankert und hier ein mw. Nordweststrom, 2,3 Sn
in der Stunde, mit dem Relingslog festgestellt. Beim Einlaufen nach Banana
wurde dieselbe Stromstärke festgestellt. Von Banana bis Anno Bom setzte der
Strom am ersten Tage N 72° W, 21 Sm in 19,4 Stunden, am nächsten Tage
N71°W, 125 Sm in 24 Stunden, und bis zum Insichtkommen der Insel N 35°0,
12 Sm in 17 Stunden. Zwischen Anno Bom und St. 'Thome war die Strömung
in Richtung der Kurslinie 2 Sm in der Stunde. Dieselbe Richtung bei 1,5 Sm
Stärke wurde zwischen den Inseln St. Thome und Prinzefs beobachtet. Nördlich
von letzterer setzte der Strom bis zum Aussichtkommen in nördlicher Richtung
bei geringer Stärke, dann wurde bis zur Kamerun-Mündung kein Strom bemerkt.