Zur Küstenkunde Westafrikas.
gelegenen Untiefe zu kommen. Hierauf wurde NW'/W gesteuert und bei
Hellwerden um 7 Uhr die Küste angesteuert, nachdem dieselbe in etwa 12 Sm
Abstand bei Baffon Point in Sicht kam. Die Küste wurde auf etwa 2 Sm
Abstand angesteuert. Als gute Peilungsobjekte dienten Tabacco Mte und Mt.
St. John. Der Highland und Monkey Point heben sich nicht so scharf hervor,
wie man nach der Karte annehmen mufste. Man konnte sie nicht bestimmt
ausmachen, da in der Nähe höhere Bergketten lagen, die die Karte nicht angab.
Corrisko Rock sowie die Untiefe etwa 2 Sm südöstlich von "Trade Town konnte
nicht ausgemacht werden, obgleich .dicht passirt wurde. Es ist anzunehmen,
dafs beide nicht vorhanden sind. Gran Bassa läfst sich sehr gut ausmachen,
Schon von Weitem kann man Faktoreien, die in Fishtown gelegen sind, erkennen,
Die Boje bei der 2'/ 2 Faden Stelle liegt seit 1899 auf ihrer richtigen Position.
Die größte europäische Niederlassung liegt bei der in dem Plan der
Karte Titel VI 120 mit Waterhouse Point bezeichneten Stelle. Die Bezeichnung
der Ortschaften südlich vom John-Flufs, Upper und Lower Buchanan, ist landes-
üblich. Die Bezeichnung Gran Bassa gilt lediglich für die ganze Provinz, nicht
aber für diese Orte.
Das Jellow Will Reef scheint sich weiter nach NNW ausgedehnt zu haben,
was aus der hier zeitweilig gefundenen Brandung anzunehmen ist. Man thut
deshalb gut, beim Einsteuern von Süden kommend, sich dicht an die Boje zu
halten, oder nördlich von der Boje einzulaufen. Das Wrack des vor Jahresfrist
gesunkenen englischen Dampfers „Calabar“, dessen beide Masten etwa 7 m aus
dem Wasser ragen, liegt in der Linie „Boje und dem mit Agent bezeichneten
Hause“ etwa 1 Sm ab von Land. Das Wrack ist nicht betonnt noch beleuchtet.
Gran Bassa — Monrovia.
Auf der Weiterreise regnete es während der ganzen Nacht stark, zeitweise
war es stundenlang vollständig dick geworden. Bei Hellwerden gegen 8 Uhr
konnte für kurze Zeit der südöstlich von Kap Mesurado gelegene Höhenzug
ausgemacht werden. Es wurde hierauf auf diesen zugehalten und die Küste
angelothet und parallel zur Brandung etwa auf 1000 m Abstand bei wolkenbruch-
artigem Regen Kap Mesurado angesteuert und kurz nach 830” gerundet.
_ Das in den „Nachrichten für Seefahrer“ 1900, No. 782, angeführte Wrack
des liberischen Kriegsschiffes „Rocktown“ liegt in der Peilung Mamba Point
SSW!/W, 0,7 Sn ab. Das Wrack war zur Zeit weder betonnt noch beleuchtet,
jedoch ist dieses von der liberischen Regierung beabsichtigt. Ein Mast und ein
Theil der Gaffel ragten aus dem Wasser, Die Durchfahrt vor der Lagune ist
nicht mehr vorhanden. Ihr ist eine Sandbank vorgelagert, die mit dem Lande
nach Süden fest verbunden ist. Die Durchfahrt geht jetzt oberhalb dieser Land-
zunge über eine Barre, die etwa 1'/» m Wasser bei Niedrigwasser hat und auf
welcher dauernd etwas Brandung steht. Als KEinsteuerungsmarke dient ein
weißes am Strande befindliches Haus. Doch thut man gut, einen ortskundigen
Eingeborenen zu nehmen, die in der Crutown erhältlich sind.
Auf der Weiterreise am folgenden Morgen gegen 6 Uhr, nachdem seit
2 Uhr vormittags Lothwürfe mit der Tieflothmaschine gemacht worden waren,
wurde die.St. Anna Untiefe langsam gerundet. Infolge nordwestlichen Stromes
stand S. M. S. „Habicht“ weiter westlich der St. Anna-Untiefe als beabsichtigt,
Kurz nach 8 Uhr konnte das hohe Land südlich vom Sierra Leone Flufs und
nördlich vom Kap Shilling in etwa 47 Sm Abstand ausgemacht werden. Aus
der Lothung und Peilung konnte die Position mit Genauigkeit bestimmt werden.
Es wurden hierauf noch weitere 4 Strich nach St.B.Kurs geändert. Gegen
10 Uhr konnte der Mt. Lion sowie die Banana-Insel gut ausgemacht werden.
Nach aufgemachter Position wurde der Kurs direkt auf Kap Sierra Leone
genommen. Um bei der Einsteuerung gut frei von dem Carpenter Rock zu
kommen, wurde die Peilung Kap Sierra Leone und Farran Point in Linie gut
frei gesteuert und hierauf, nachdem der Leuchtthurm auf diesem Kurse querab
war, etwa auf 300 m dicht unter die Küste gegangen. Der Carpenter Rock
war infolge der auf ihm gtehenden Brandung gut auszumachen. Die Fluth hatte
inzwischen eingesetzt. Von einer besonderen starken bezw. an die Küste
heransetzenden Strömung wurde nichts verspürt.