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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1901.
Zur Küstenkunde Westafrikas.
Aus dem Reisebericht S. M.S. „Habicht“, Kommandant Korv.-Kapt. Kutter. Mai, Juni und September 1900.
(Hierzu Tafel 5.)
Von Kamerun nach Lagos.
Auf der Reise nach Lagos wurde die Küste am 17. Mai 1900 bei Kap
Formosa angesteuert und dasselbe auf etwa 4 Sm passirt. Das schmutzige gelbe
Wasser des Niger- und Brafs-Flusses bildete etwa 6 Sm weit hinaus eine
scharfe Grenze mit dem Seewasser. - Die Ansegelungstonne vor dem Brafs-Flufs
war nicht vorhanden. Die Ansegelungstonne an der Nun-Mündung des Niger-
Flusses war eine spitze schwarze Tonne mit einem kleinen Ball als Toppzeichen
und lag auf Position. Die von der Barre herrührende hohe Dünung machte
sich sehr fühlbar.* Es ist daher nicht rathsam, näher als 6 Sm an das Kap
heranzugehen, zumal der Strom auch sehr stark setzt. Um 8 Uhr nachmittags
wurde auf NNW!/2W-Kurs Lagos angesteuert. Durch ein am Abend aufgemachtes
observirtes Besteck wurde eine nördliche Stromversetzung festgestellt und
hierauf NW!/N gesteuert. Das Feuer wurde auf 10 Sm gesichtet und hierauf
Kurs auf dasselbe genommen. Infolge der Ungenauigkeit des aus dem Jahre
1891 stammenden Planes wurde weiter aufserhalb auf Rhede geankert als
nothwendig.
Die Seezeichen auf der inneren wie äußeren Rhede werden dauernd je
nach den Verschiebungen der Durchfahrten auf der Barre und im Fluls verlegt.
Der beim Grislie Point gelegene Bootskanal ist vollständig versandet. In den
alten Durchfahrten der Barre liegen 7? Wracks von gestrandeten Barredampfern,
die theilweise mit Bojen bezeichnet sind. Nur zum Theil ragen sie noch mit
den Masten hinaus. Auch die Lage der Ansegelungstonne richtet sich immer
nach der Verschiebung der Hauptdurchfahrtsrinne. Die Regierung gestattet nur
Kriegsschiffen mit 10 Fuß Tiefgang das Einlaufen über die Barre, weil sie infolge
der schärferen Form ein Durchstampfen befürchtet. Handelsschiffe, d. h. Dampfer
dürfen 13 Fufs, Segler 11 Fufs haben. Zur Zeit war bei Hochwasser 14 Fufs
auf der Barre, bei Niedrigwasser 12 Fuß, Der beste Ankerplatz ist Leucht-
thurm NW und Signalstation auf der Halbinsel Victoria mw. N auf 7 bis 8 Faden
Tiefe. Ein Ankern östlich von der Barre und dicht unter Land bietet infolge
des Versandens des vorerwähnten Bootskanals keinen Vortheil. Der Verkehr
der Aufsenrhede mit Lagos wird lediglich durch die Barredampfer hergestellt,
von welchen 2 der Firma Woermann gehören, während die 7 anderen englische
sind, die weiter den Verkehr nach Forcades vermitteln, Alle jedoch sind gern
bereit, auf Signal bei dem Kriegsschiff zu stoppen und Passagiere unentgeltlich
mitzunehmen. Als Lootsen dienen die Kapitäne der Barredampfer, welche alle ein
Examen in Lagos abzulegen haben. Der Hafenkapitän kommt bei KEinlaufen
eines Kriegsschiffes selber an Bord.
Die Lagos Tide tables werden jährlich, die Hafenkarte alle 3 Jahre neu
herausgegeben. Die Barredampfer haben 7 Fufs Tiefgang mit 300 bis
1000 Register-Tons. Tief beladen gehen sie 11 Fuß, Zur Zeit des Aufenthaltes
S. M. S. Habicht waren keine Kohlen in Lagos erhältlich. Die Regierung hat
keine Kohlenlager. Kleine Kohlenmengen haben die beiden Barre-Dampfer-
Linien, jedoch nur zum eigenen Bedarf. Das Kohlen auf Rhede ist sehr mühsam.
Die Kohlen müssen, wenn überhaupt erhältlich, aus Barredampfern entnommen
and tonsweise mit Brandungsbooten übergenommen werden. Der Preis ist ein
dementsprechend hoher.
Signale für Lagos.
Flagge N auf einem Dampfer, Leichter oder Boote soll anzeigen, daß
das Fahrzeug mit Tonnenlegen beschäftigt ist. Solchen Fahrzeugen haben
andere Schiffe stets aus dem Wege zu gehen.
Flagge B auf einem Seezeichen bezeichnet dieses als vorübergehend
während einer Vermessung ausgelegt. Diese Zeichen dürfen weder entfernt noch
beschädigt werden.