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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Ann, d. Hydr. ete., XXIX. Jahrg. (1901), Heft IIL 
7 
Kapstadt. 
Nach Berichten des Kaiserlichen Konsulats, der Kommandos S. M. Schiffe sowie nach neueren 
deutschen und englischen Quellen bearbeitet von Kapt. H. Meyer, Assistent bei der Seewarte, 
(Hierzu Tafel 4.) 5 
Kapstadt, die Hauptstadt der Kapkolonie und der Sitz des Gouverneurs, 
liegt an der Westseite der Tafelbucht, zwischen ihr und dem Tafelberge. Das 
Observatorium liegt auf 33° 56‘ 3“S-Br und 18° 28‘ 40” O-Lg. 
Geschichtliches. Das Kap der guten Hoffnung wurde im Jahre 1486 
von dem Portugiesen Bartholomäus Diaz entdeckt und von ihm Cabo Tormentoso 
oder stürmisches Kap genannt. König Johann II, von Portugal gab dem Kap 
jedoch den Namen Boa Esperanga oder Kap der guten Hoffnung, als Wendepunkt 
auf dem langen Wege nach Ostindien. Seine Voraussetzungen wurden 11 Jahre 
später erfüllt, indem damals Vasco da Gama das Kap zuerst umsegelte. . 
Im Jahre 1652 wurde das Kapland von der holländisch-ostindischen Ge- 
sellschaft unter van Riebeck besiedelt. Das Land verblieb darauf im Besitze 
der Holländer bis zum Jahre 1795, als die Engländer es besetzten. Im Frieden 
von Amiens im Jahre 1802 wurde es den Holländern wieder zurückgegeben, 
doch im Jahre 1806 wurde es von Neuem von den Engländern besetzt, und im 
Pariser Frieden von 1815 wurde es diesen auch zugesprochen, Seit der Zeit ist 
es im dauernden Besitze der Engländer geblieben. 
Von der Wichtigkeit der Tafelbucht. als Hafen für den Handelsverkehr 
mit dem Hinterlande sowohl wie als Noth- oder Anlaufshafen für die das Kap 
umsegelnden Handelsschiffe, wie auch ferner als Station und Anlaufsplatz für 
Kriegsschiffe, war man seit der Entdeckung des Seeweges um das Kap der guten 
Hoffnung allgemein überzeugt, besonders deshalb, weil im ganzen Gebiete des 
Kaplandes sich nicht eine einzige vollkommen sichere Bucht oder auch nur ein 
annähernd sicherer Hafen befand. Da die Tafelbucht aber gegen die hier oft 
mit grofser Heftigkeit auftretenden nordwestlichen Winde und den hohen west- 
lichen Seegang gänzlich ungeschützt liegt, so war man seit langer Zeit bestrebt, 
gegen deren verderbliche Wirkungen Schutz zu schaffen. 
Bereits im Jahre 1656 wurde von den Holländern eine solide Landungs- 
brücke erbaut. Die Räume zwischen ihren Pfählen wurden sorgfältig. mit Steinen 
ausgefüllt. Im Jahre 1729 wurde die ganze Bucht sorgfältig vermessen und 
kartographirt. Der erste Versuch zur Herstellung eines Wellenbrechers oder 
massiven Hafendammes wurde im Jahre 1743 gemacht. Man baute damals von 
Mouill€g Point diesen Hafendamm, dessen Sohle 100 Fufßs und dessen Krone 
27 Fufs breit war, in einer Länge von 350 Fuß ins Meer hinaus, doch wurde er 
später nicht unterhalten und verfiel. Seine Ueberreste sind bei Niedrigwasser 
noch jetzt sichtbar. Nach diesem wenig erfolgreichen Versuche erfolgten noch 
mehrere derartige Anläufe zur Herstellung von Schutz für die Bucht, die aber 
sämmtlich erfolglos blieben. Erst im Jahre 1856 wurde der Plan zur Herstellung 
eines grofsen Wellenbrechers.entworfen, der im Jahre 1858 von den mafsgebenden 
Behörden angenommen wurde. Der Bau begann im Jahre 1860, und jetzt bietet 
der Hafen von Kapstadt, wie unten näher beschrieben, völlige Sicherheit bei 
allen Winden für Schiffe jeder Gröfse, wie auch alle Bequemlichkeiten für deren 
Entlöschung und Beladung sowohl für Güter wie für Personen. 
Landmarken. Südlich von der Tafelbucht besteht das Land aus einer 
5 bis 8 Sm breiten Halbinsel, die sich von hier aus 28 Sm weit in südlicher 
Richtung erstreckt und in dem Kap der guten Hoffnung endigt. Von Westen 
gesehen, erscheint es hoch und schroff. Unmittelbar südlich von der Bucht erhebt 
sich der oben flache Tafelberg bis zu 1082 m Höhe, und von ihm erstreckt sich 
ein Höhenzug in südlicher Richtung bis zu 4 Sm Entfernung vom Kap, wo er 
an der Ostseite der Halbinsel, am Nordende der Buffals-Bucht, in dem Paulsberg 
endigt. Von der Westseite des Tafelberges erstreckt sich ein Höhenzug, zwölf 
Ann. d. Hydr, etc., 1901, Heft 11l.
	        
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