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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 29 (1901)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1901, 
für das Bodenwasser des grofsen Belts vor; am 1. Februar 1894 war die Tem- 
peratur 5,3° und der Salzgehalt 28,4 °/oo, am 26. Februar 1892 war die Tempe- 
ratur 0,9° und der Salzgehalt 21,5 °/0w. Die letztere Beobachtung zeigt, dafs 
der grofse Belt sogar bis zum Boden ımit Mischwasser gefüllt werden kann, das 
sich kurze Zeit zuvor an der Oberfläche befand, ein Zustand, der, soweit der 
grofse Belt in Betracht kommt, nur dies eine Mal vorgefunden ist. 
Die Unterschiede zwischen den angeführten Maximal- und Minimaltempe- 
raturen können nicht als grofs bezeichnet werden. Was die Temperatur anbe- 
brifft, so herrschen also recht regelmäfsige Zustände in der Tiefe des grofsen 
Belts, obgleich die Maximaltemperaturen in einer Art Wasser, die Minimaltempe- 
raturen in einer anderen Art Wasser vorkommen. Im Mai rührt die Minimal- 
temperatur von fast ungemischtem nördlichen Bankwasser her, während die 
Maximaltemperatur in stark gemischten etwa 24 °/oo salzhaltigen Wasser ent- 
steht. Im August verhält es sich fast ebenso: das Mischwasser ist das wärmste. 
Im November und Februar ist das Entgegengesetzte der Fall; die Maximal- 
temperatur wird durch salziges Wasser, das im November südliches Bankwasser 
ist, hervorgerufen. Es zeigt sich also, dafs, während in den salzigen, 
ungemischten oder fast ungemischten Wassermassen eine bedeutende 
Temperaturverschiebung im Verhältnifs zur Jahreszeit stattfindet, 
eine Temperaturverschiebung in demselben Grade im Mischwasser 
nicht eintritt. 
Dies hat Bedeutung, wenn man die 'Tiefentemperatur im westlichen Theil 
der Ostsee erklären soll. Hier findet man immer Mischwasser, und die Frage 
ist nun: Wovon hängt die Temperatur des Mischwassers ab? 
Man kann sich denken, dafs Mischwasser, dessen Temperatur direkt durch 
die Temperatur und das Mischverhältnifs der zwei Komponenten bestimmt wird, 
dadurch entsteht, dafs Ostscewasser mit seiner von der Jahreszeit charakterisirten 
Temperatur mit dem salzigen Wasser im südlichen Kattegat gemischt wird. In 
der Hauptsache verhält es sich auch so, was aus Fig, 1 ersichtlich ist und zwar 
durch Vergleich der drei Temperaturkurven: für Oberflächenwasser bei Gjedser, 
wenn der Salzgehalt desselben unter 10%, für Bodenwasser beim Schultz-Grund, 
wenn der Salzgehalt über 30 "0 betrug, und endlich für Wasser von 20 oo 
Salzgehalt im südlichen "Fheil des grofsen Belts. (Die beuutzten Temperaturen 
‘ür den letzten Ort sind in „Meteorologischen Aarbog“ unter „Femern Balt“ 
aufgeführt). 
Entsteht Mischwasser durch Mischung gleicher Theile 10". salzhaltigen 
Ostseewassers und 30 "/u salzhaltigen Salzwassers, so muls die Temperatur des 
Mischwassers die Durchschnittszahl der Temperaturen der zwei Komponenten er- 
geben, vorausgesetzt, dafs die Temperatur der Schichten während des Zeitpunktes 
der kurz vor oder nach dem Zeitpunkte des Mischungsprozesses eine Verände- 
rung nicht erleidet; wir müssen dann das entstandene Mischwasser an dem 20 °/0o 
Salzgehalt erkennen können. Wasser von diesem Salzgehalt findet sich fast 
immer auf dem Boden oder in den untersten Schichten beim Eingang zum west- 
lichen Theil der Ostsee. Vergleichen wir die drei erwähnten Kurven, so sehen 
wir auch, dafs die Temperaturkurve des 20 %%o0 salzhaltigen Wassers bei „Fehmarn 
Belt“ sich einigermafsen als das Mittel der zwei auderen Kurven erweist, weil 
das Oberflächenwasser von Gjedser und das Bodenwasser vom Schultz-Grund in 
diesem Falle als Mischungskomponente betrachtet wird. 
Selbst wenn das Resultat, hinsichtlich der Temperatur, sich in der Haupt- 
sache so stellt, als ob Ostseewasser und salziges Wasser aus dem Schultz-Grund 
gemischt wären, ist die Sache doch viel mehr verwickelt. Das Wasser braucht 
nämlich Zeit, sowohl um von den beiden Beobachtungsstellen: Gjedser und 
Schultz-Grund zur Mischungsstelle zu strömen, als auch, um von da aus wieder 
nach der Stelle zu gelangen, wo die Beobachtungen des Mischwassers statt- 
gefunden haben. Ebenso wenig läfst sich vorläufig eine einzelne Lokalität als 
Mischungsstelle nachweisen, vielmehr muls man annehmen, dafs die Bildung des 
20 °%/ooigen Wassers überall vor sich geht, wo salzigere und süflsere Wasser- 
schichten mit einander in Berührung kommen, also fast im ganzen Kattegat und 
während eines grofsen Theils des Jahres auch in der westlichen Ostsee. 
Hier kann man indessen eine sehr wesentliche Einschränkung machen. 
Ginge nämlich der Mischungsprozefs ausschliefslich oder hauptsächlich an der
	        
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