Knudsen, M.: Die Temperatur im Kattegat und im westlichen Theile der Ostsee.
Es macht aber einen sehr wesentlichen Unterschied aus, dafs das kalte
salzige Wasser an der Mündung des Kattegats sich längere Zeit aufhält als das
warme südliche Bankwasser. In dieser Beziehung hat noch gröfsere Bedeutung
die Art und Weise, auf welche das Wasser seine Temperatur verändert, wenn
es Unterschicht ist. Wenn die Unterschicht kälter ist als die Oberschicht, so
können nämlich Konvexionsströmungen nicht entstehen, und es wird deshalb nur
sehr langsam oder — praktisch genommen — gar nicht erwärmt werden. Die
Tiefentemperatur im südlichen Kattegat steigt denn auch im Früh-
jahr und Sommer nur deshalb, weil neue und wärmere Wassermassen
eindringen, während die Temperatur im Herbst und Winter abnimmt,
und zwar sowohl weil kältere Wassermassen hineinkommen, als auch
weil das Wasser durch von der kalten Oherschicht hervorgerufene
Konvexion abgekühlt wird. Hierin liegt der Grund dafür, dafs die
Durchschnittstemperatur bei Skagens-Riff eine soviel höhere ist als
beim Schultz-Grund,
Die Tahelle auf der vorhergehenden Seite dient zum Vergleich.
Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, dafs die Temperatur des Wassers
(in einer Tiefe von 23 m) bei Skagen durchschnittlich um 8,7° + 7,2°
= 1,5° höher ist als beim Schultz-Grund. Der gröfste Temperatur-
unterschied zeigt sich in den Monaten Juli, August, September, wo
das Wasser bei Skagen durchschnittlich um 4,3° wärmer ist als beim
Schultz-Grund. In den folgenden drei Monaten Oktober, November,
Dezember ist das Entgegengesetzte der Fall; nun finden wir zu
dieser Zeit das Wasser bei Skagen durchschnittlich kälter als beim
Schultz-Grund (Unterschied 0,7“). Dasselbe gilt für die ersten Monate
des Jahres, Januar, Februar, März; der Unterschied beträgt aber nur
0,1°. Schliefslich ist in den Monaten April, Mai, Juni das Wasser
bei Skagen wieder wärmer als beim Schultz-Grund (Unterschied: 2,5°).
Diese Werthe ergeben sich aus der in der Tabelle angegebenen Mittelwerths-
bildung. Für die einzelnen Jahre können bedeutende Abweichungen sich geltend
machen; aber in der Hauptsache bestehen die Abweichungen doch immer. darin,
dafs sich der Zeitpunkt der Maximal- und Minimaltemperatur mit jedem Jahr
verändert. "Theilte man jedes einzelne Jahr in Vierteljahre derartig, dafs der
Zeitpunkt, während dessen die Temperaturdifferenz am gröfsten ist, auf die
Mitte des Vierteljahres entfiele, so würden die Mittelwerthe selbstverständlich
bedeutend gröfsere Differenzen ausweisen. Aus der in obiger Tabelle benutzten
Theilung des Jahres ersieht man aber deutlich, dafs es in jedem einzelnen
Jahre einen kurzen Zeitraum giebt, während dessen das tiefe Wasser
im südlichen Kattegat wärmer ist als im nördlichen.
Auf diese Weise kann man unter Benutzung der Beobachtungen des
meteorologischen Instituts das Wasser nicht weiter südwärts verfolgen als bis
zum südlichen Kattegat, weil das südlichere Wasser mit.dem Ostseewasser
so gemischt wird, dafs es seine charakteristischen Temperaturen verliert. Aus den
vierteljährlichen Beobachtungen können wir indessen einige Aufschlüsse ge-
winnen.!) Auf Grundlage dieser Beobachtungen seit 1889 ergeben sich die
Temperaturen am tiefsten Boden des grofsen Belts:
Durchschnittstemperatur Maximaltemperatur Minimaltemperatur
1. Mai ; 4,3° 5,1° 4,0°
1, August 8,1° 8,8° 7,2°
1. November 11,5° 13,0° 10,0°
Wir sehen also, dafs die Maximaltemperatur des Jahres ungefähr auf den
Monat November, die Minimaltemperatur ungefähr auf den Monat Mai fällt, und
wir können somit die Regel aufstellen, dafs das Bodenwasser im grofsen Belt
im Mai hauptsächlich aus nördlichem Bankwasser, im August aus 34° o Wasser,
im November aus südlichem Bankwasser besteht. In Bezug auf das 34% 00
Wasser ist die Regel jedoch sehr unsicher; wir haben Ausnahmen kennen ge-
lernt, die von hydrographischen Unregelmäfsigkeiten im Skagerrack herrühren.
In der ganzen Beobachtungsreihe liegen nur zwei Beobachtungen im Februar
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1) Beretning fra Kommissionen for videnskabelig Undersögelse of de danske Farvande.
Band I und IL.