Knudsen, M.: Die Temperatur im Kattegat und im westlichen Theile der Ostsee, 85
dis zum Schultz-Grund sinkt der Salzgehalt auf 31,5 %o und 30,5 %o: herab,
erreicht aber wieder beim Lappe-Grund 32,7 %o und 32,4 °/oo. ;
Wir ersehen hieraus, dafs das warme südliche Bankwasser etwa 3 Wochen
braucht, um von Skagen nach Laesö-Rinne zu kommen, von Skagen nach dem
Kupfer-Grunde indessen nur etwa 10 Tage — vom Kupfer-Gründ nach Anholt-
Knob nur 2 Tage — und: von Anholt-Knob nach Schultz-Grund oder Lappe-
Grund ungefähr dieselbe Zeit, 1 Monat. Die Maximaltemperatur brauchte im
Jahre 1897 ungefähr 7 Wochen, um sich von Skagen nach dem südlichen Kattegat
Fortzupflanzen.
In der Regel pflanzt sich das Maximum im nördlichen Theil
schneller als im südlichen Theil des Kattegats fort, was geradezu eine
Folge der Tiefenverhältnisse und der im nördlichen Theil viel lebhafter als im
südlichen Theil aus- und einströmenden salzigen Wassermassen ist, oder mit
anderen Worten eine Folge der nach dem Norden schneller als nach dem Süden
vor sich gehenden Auswechselung. Dagegen kann es nicht als eine allgemein
gültige Regel betrachtet werden, dafs das Maximum so viel Zeit hraucht, um von
Skagen nach Laesö-Rinne, und so aufserordentlich wenig Zeit, um vom Kupfer-
Grund nach Anholt-Knob zu kommen; die beanspruchte Zeit läfst sich wahr-
scheinlich durch die pulsirenden Bewegungen, die mit kurzen Perioden in den
Wassermassen vor sich gehen, erklären.
Im Allgemeinen trifft die Maximaltemperatur bei Skagen ungefähr gleich-
zeitig mit der Maximaltemperatur in den obersten Schichten der Ostsee ein,
Wenn sich also das salzige Wasser, das der Träger der Maximaltemperatur ist,
einwärts bewegt, so wird es theils durch Berührung mit dem oben ausströmenden
süfßsen Wasser, welches wegen der vorgerückten Jahreszeit schon unter Abkühlung
ist, theils durch Mischung mit demselben abgekühlt werden. Wir sehen denn
auch die Maximaltemperatur nach südwärts abnehmen: Skagen 18,3°, Kupfer-
Grund 17,6°, Anholt-Knob 17,1°, Schultz-Grund 14,8°, Lappe-Grund 14,1°.
Wenn nun auch die Temperatur des Salzwassers während seiner Wande-
rung nach Süden abnimmt, so nimmt sie doch selten so schnell ab wie an den
Stellen, wo Konvezionsströmungen (unter Konvexionsströmungen versteht man
hier die Strömungen, welche durch die Abkühlung des Wassers von oben ent-
stehen) im Wasser durch die direkte Berührung desselben mit der Luft hervor-
gerufen werden, oder wo die Wassermassen sich schnell erneuen. Wenn das
salzige Wasser, das der Träger der Maximaltemperatur ist, südwärts
vom süfseren Wasser bedeckt worden ist, so bleibt es einige Zeit der
Träger der Maximaltemperatur; dies gilt auch hinsichtlich der Stelle.
Es ist alsdann das wärmste Wasser im ganzen Kattegat. Von unge-
fähr Mitte September an bis Mitte November wird das tiefe Wasser
im südlichen Katteyat eine höhere Temperatur aufweisen als im
nördlichen. Der Unterschied kann ein recht grofser sein und in ganz
kurzer Zeit 4° bis 5° betragen; indessen ist er selten so grofs und
nie so andauernd wie der Temperaturunterschied zwischen dem süd-
lichen und nördlichen Kattegat, ehe das Maximum nach Süden ge-
langt ist, also am häufigsten vor Oktober. In den Monaten Juni, Juli
und August hält sich das Tiefwasser im nördlichen Kattegat 5° bis
6° wärmer als im südlichen. Dieser Unterschied schlägt dahin aus, dafs
die Tiefentemperatur im nördlichen Kattegat durchschnittlich höher ist als im
südlichen, Der Grund hierfür ist leicht zu ermitteln. Betrachten wir die Bewe-
gung einer Minimaltemperatur im Kattegat von Skagen aus südwärts, ohne die
Minima zu berücksichtigen, welche durch Mischung mit dem kalten Ostseewasser
antstanden sind. Am 16. Februar 1897 konstatirte man bei Skagen ein Minimum,
das durch nördliches zwischen 32,4 °%%o und 33,6 %o salzhaltiges Bankwasser
hervorgerufen war. Diese Wasserschicht hatte in den Tagen zwischen dem 7.
and 13. Februar Skagen erreicht. Der Werth des Minimums war + 0,2°, Laesö-
Rinne am 22. Februar: 1,0° (Salzgehalt 83,1 %/0oo), Kupfer-Grund am 23, Februar:
1,8° (Salzgehalt 33,1 %/oo), Anholt-Knob am 2. März in 28 m Tiefe: 2,9° (Salz-
gehalt 32,1 %/oo). Den Schultz-Grund und den Lappe-Grund erreicht das Minimum
zu einem späteren Zeitpunkt. Was die Wanderungsweise betrifft, so verhalten
sich Maximum und Minimum gleich.