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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1900.
Im grofsen Durchschnitt sind demnach die Winde aus WSW bis NW bei-
nahe achtmal so häufig, wie die aus ONO bis SO. Dem Maximum der ersteren
von 61,5%, das in den Oktober fällt, steht ein Minimum von nur 3%o der
letzteren und ebenso dem Minimum von 36° der ersteren im Juni ein Maximum
der letzteren Windgruppe von 12,5°o gegenüber. Das häufigere Vorkommen
östlicher Winde im Winter als im Sommer, das sich auch hier wieder heraus-
stellt, dürfte darauf zurückzuführen sein, dafs die Bahnen der Niederdruckgebiete,
welche, wie schnn gesagt wurde, die Wetterlage bei Kap Horn mit wenigen
Unterbrechungen beherrschen, im südlichen Winter, wenn das ganze Windsystem
der Erde am weitesten nach Norden verschoben ist, oftmals durch das Gebiet
bei Kap Horn, welches die Schiffe befahren, hindurchführen und Letztere infolge-
dessen öfter in den Bereich der östlichen Winde an der Südseite der Bahn
bringen, während die Schiffe im Sommer bei einer südlicheren Lage der Bahnen
fast immer an der nördlichen Westwindseite bleiben. Uebrigens bedürfen zur
auskömmlichen Erklärung der jahreszeitlichen Windänderungen die Luftdruck-
verhältnisse bei Kap Horn noch einer näheren Untersuchung.
Die Stillen und leichten Winde zeigen von Monat zu Monat ein ziemlich
unregelmäfsiges Schwanken mit freilich nur geringen Unterschieden. Den gröfsten
Procentsatz, 7,0, hat Januar, den kleinsten, 3,5, Oktober.
Der grofse Unterschied in der Gesammtanzahl der Beobachtungen auf der
westlichen und der östlichen Route, der über das Verhältnifs 2: 1 hinausgeht,
ist in erster Linie auf das starke Vorherrschen westlicher Winde zurückzuführen,
welches die westwärts gehenden Schiffe lange aufhält, die ostwärts fahrenden
aber rasch durch das betrachtete Meeresgebiet hindurch geleitet.
Ueber die Auflösung des Zweihöhen-Problems nach einer Näherungs-
methode von Raper, unter Benutzung der Tabelle
der Mercatorschen Funktionen.
Von Pof. Dr. C. Börgen.
Durch einen Aufsatz von H. B. Goodwin in „The nautical magazine“
1899, No. 11, Seite 759 ff., betitelt: „Rapers approximate solution of the double
altitude“!) bin ich auf eine Methode aufmerksam geworden, welche in sehr ein-
facher Weise gestattet, aus zwei beobachteten Gestirnshöhen nach Sumners Art,
also durch zwei Standlinien, aber ohne Zeichnung dieser Linien, den Schiffsort
zu bestimmen. Diese Methode eignet sich ganz besonders dazu, in Verbindung
mit der Tabelle der Mercatorschen Funktionen, wie sie als Anhang zu meiner
Arbeit: „Ueber die Auflösung nautisch-astronomischer Aufgaben mit Hülfe der
Meridionaltheile (der Mercatorschen Funktion)“,*) gegeben worden ist, an-
gewendet zu werden, weil diese Tabelle mit genügender Schärfe alle Gröfsen
giebt, welche für die Korrektionsrechnung gebraucht werden. Deshalb möge die
Methode und ihre Berechnung, unter Hinweis auf die soeben erwähnte Arbeit,
hier dargelegt werden.
Die Methode besteht darin, für jede beobachtete Höhe mit einer an-
genommenen Breite den Stundenwinkel und das Azimut, welche sich bei Benutzung
der Mercatorschen Funktionen gemeinschaftlich in sehr einfacher und bequemer
Weise ergeben, zu berechnen, darauf den Winkel am Pol einmal als Differenz
der berechneten Stundenwinkel und sodann durch die in Sternzeit verwandelte
Differenz der Uhrzeiten der Beobachtungen und die Differenz der Rektascensionen
der Gestirne zu ermitteln, aus dem sich ergebenden Unterschied dieser beiden
Werthe eine Korrektion der angenommenen Breite herzuleiten und endlich mit
1) Raper: „Practical navigation“. 10tl edition, & 752.
7) In „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“ 1898, Ne. 1.
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