190 Annalen der Hydroögraphie und Maritinmen Meteorologie, Mai 1908.
über den Britischen Inseln bei dem Herannahen eines Minimums vom Ozean,
das uns die Nähe neuer Minima nicht selten zuerst verrät, Unsere Karten
zeigen, daß das Minimum bis zum nächsten Morgen über den Skagerrak bis
nach Westrußland mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von über 20 m
fortgeschritten ist und sich auf dem Wege über die Nordsee schnell vertieft hat,
wobei es umentschieden bleiben mag, ob die für den Abend des 6, auf der
Wetterkarte gezeichneten zwei Kerne niedrigsten Drucks der Wirklichkeit ent-
sprechen. Nimmt man die Wetterkarte vom Nachmittag des 6. mit hinzu, so er-
kennt man die Verlagerung des vor dem Minimum herziehenden und südwärts
zurückweichenden Keiles hohen Drucks genau; am Nachmittag reicht er nord-
‚ärts nach Mittelschweden, am Abend des 6, erblicken wir ihn über dem Süden
der Ostsee und am Morgen des 7. findet er sich noch NW—5SO gestreckt zwischen
den beiden Minima über Westrußland und südlich vom Weißen Meere angedeutet,
Auf eine andere sehr merkwürdige Umlagerung des Luftdrucks möge aber hin-
gewiesen werden, indem sich nämlich die, am Morgen des 6. die Depressionen
nordwestlich von Schottland und über Lappland verbindende, nördlich vom Nord-
kap herumführende Furche niedrigen Drucks im Laufe des Tages unter dem
Andrängen eines Hochdruckgebiets von Nordwesten her südwärts yerschob, so
daß sie am Morgen des 7, nördlich von Schottland her über Jütland nach Nord-
rußland verlief. Die zwölfstündigen Barometeränderungen ergaben Fallgebiete
von 20 mm als Kern über dem Skagerrak für den Abend des 6. und von 16 mm
als Kern über Ostpreußen am Morgen des 7.
Da die Wetterkarte vom Nachmittag des 6. ein schnelles Heranschreiten
des Minimums zu erkennen gab, so wurde noch der Osten der Küste gewarnt,
Im Gefolge dieses Sturmwirbels traten an der ganzen Küste stürmische Winde
aus dem Südwestquadranten auf, und es wurden an der Mehrzahl der Stationen
die Windstärken 9 und vielfach 10 beobachtet, bis auf den Osten, wo der Sturm
etwas geringere Stärke erreichte. Der Sturm wehte bei fallendem Barometer
md flaute bald nach dessen tiefstem Stande ab, Zur Zeit der Ankunft der am
Vormittag erlassenen Sturmwarnungstelegramme waren die Winde an der Ostseo
bis Rügen noch mäßig bis stark, dagegen mittags an der Nordsee auf exponierten
Stationen schon vereinzelt bis Stärke 8 angewachsen. An der Nordsee wehten
von 4 bis 10 Uhr nachmittags anhaltend Winde von der Stärke 8 bis 9 und 10
und es erfolgte hier in der Nacht Abnahme des Windes ohne Anderung der
Richtung bis auf die nördlichsten Teile, wo der Wind nördlicher wurde; nur
vereinzelt hatten Teile der Nordseeküste noch am Morgen des 7. stürmischen
Wind. Nach Osten hin verspätete sich der Eintritt stürmischer Winde, doch
wehten solche bereits um 6 Uhr über Rügen und besonders auch an der west-
preußischen Küste an exponierten Orten und in weiter Ausbreitung an der OSt-
preußischen Küste, als die am Nachmittag erlassene Sturmwarnung zuging,
Unter Rechtdrehen nahmen. die stürmischen Winde auch an der Ostsee in der
Nacht an Stärke ab, doch hatte die Küste von Rixhöft bis Brüsterort noch am
Morgen des 7, vielfach stürmische Winde aus nördlichen Richtungen und der
äußerste Osten solehe vereinzelt aus westlichen Richtungen. Im allgemeinen
dürfte die Dauer dieser Stürme an der Küste ziemlich gleichmäßig ungefähr
12 Stunden betragen haben.
Dieser Sturmwirbel führte meist einen erheblichen Umschlag der Witterung
herbei, indem in seinem Gefolge sehr milde Witterung eintrat. Unter dem Ein-
fuß hohen Luftdruckes über Nordeuropa hatte der größte Teil von Deutschland
seit dem 26. Dezember bei nordöstlichen Winden anhaltenden und weit aus-
gebreitet sehr scharfen Frost gehabt, und nur in den nördlichen Gebietsteilen,
wie vorübergehend auch in Mitteldeutschland, war bereits mildere Witterung
eingetreten, nachdem sich das Hochdruckgebiet am 2, und 3, südwärts nach
Kontinentaleuropa verlagert hatte, Am Morgen des 7, herrschte in ganz Deutsch-
land zufolge dem Wetterbericht der Seewarte Tauwetter, ausgenommen auf der
Höhenstation Friedrichshafen am Bodensee, Um die Schwankungen der Temperatur
während dieser Tage zu kennzeichnen, sind nachfolgend aus jenen Wetterberichten
die Mittel der gemeldeten Morgentemperaturen für den 6, bis 10. zusammengestellt: