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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar- 1900,
des Schwarzen Meeres im Jahre 1890 ausgerüstet wurde und deren wissenschaft-
licher Theil unter der Leitung des Herrn J, B. Spindler stand, besuchte Herr
Spindler auch das Asowsche Meer und stellte einige Beobachtungen über seine
Temperatur und seinen Salzgehalt, sowie über die Strömungen in der Strafse
von Kertsch an. Einen zusammenfassenden Bericht über diese Expedition giebt
das im Jahre 1899 in St. Petersburg erschienene Buch: „Resume des obserrations
hydrologiques faites dans la mer Noire et la mer d’Azof pendant les expeditions
de 1890 et 1891.“ (Siehe auch „Ann. d. Hydr, etc,“ 1892, Seite 306.)
Die Beobachtungen des Salzgehalts und der Temperatur erwiesen sich
von der Oberfläche bis zum Boden sehr wenig verschieden, was Herr Spindler
der geringen Tiefe und der Mischung des Wassers selbst bei geringem Seegange
zuschreibt. Im Juli war der mittlere Salzgehalt 1,06 °%o und die mittlere
Temperatur an der Oberfläche 26° C und am Boden 23,5°; das Asowsche Meer
ist mithin im Sommer eines der wärmsten Meere der Erde,
In der Strafse von Kertsch giebt es bei schwachem Winde oder Windstille
nur eine Strömung vom Asowschen ins Schwarze Meer, die salzarmes Wasser in
das Letztere bringt. Eine Unterströmung, wie im Bosporus, wird hier gewöhnlich
nicht gefunden; allein bei starken Südwestwinden läuft der Strom vom Schwarzen
ins Asowsche Meer und dann steigt der Salzgehalt im Letzteren bis zu 1,55 °%.
Durch diese zeitweiligen Strömungen aus dem Schwarzen Meer wird der Salz-
gehalt des Asowschen Meeres trotz der gewaltigen Mengen süßen Wassers, die
von den Flüssen darein ergossen werden, unterhalten.
Die Durchsteuerung der Strafse von Kertsch.
Vom Schwarzen Meer nach dem Asowschen Meer bestimmt, steuere man
auf die Mitte zwischen Kap Takly und den Untiefen westlich vom Kap Panaghia
zu. Von bier führt ein NzW!/2W-Kurs in die Deckpeilung des Povlofski-Leucht-
thurms und der dahinter stehenden weifßsen pyramidenförmigen Steinbake
NzW!/8W. Auf dieser Deckpeilung als Kurs bleibt man frei vom Südwestende der
Tuzla-Bank, das während der eisfreien Monate durch das Tuslinski-Feuerschiff
bezeichnet wird, Sobald das Kap Ak Burun (weifses Kap mit weißem weit
sichtbaren Gebäude darauf) in Eins mit dem Berg Temir Oba kommt, in NNO,
nehme man diese Deckpeilung, die an der mit vier schwarzen Pricken und einer
schwarzen Tonne mit Balltoppzeichen versehenen Westkante der Tuzla-Bank
entlang führt, als Kurs auf, bis der Tschurubasch- und der Kamisch-Leuchtthurm
achteraus in WSW, oder die schwarze und die weiße Bake in der Nähe des
Kaps Pekly in ONO in Linie kommt. Diese Marken führen durch den aus-
gebaggerten Kanal zwischen den schwarzen oder schwarz und weilsen Baken
und Tonnen an St. B. und den rothen oder roth und weißen Baken und Tonnen
an B. B. in das Asowsche Meer.
Der Kanal ist etwa 6 Sm lang, 200 m breit und verläuft in WSW—ONO-
Richtung. Die Wassertiefe in dem Kanal, die unter gewöhnlichen Verhältnissen
5,8 m beträgt, wird sehr durch die gerade herrschenden Winde beeinflußt.
Nordöstliche Winde erhöhen den Wasserstand und südwestliche verringern ihn.
Daher müssen alle Schiffe vor dem Passiren des Kanals sich mit dem Wacht-
schiff vor Yenikale, das den Wasserstand ebenso wie die Signalstation "bei
Yenikale zeigt, in Verbindung setzen. Die Wasserstandsignale werden mit
Flaggen nach-dem internationalen Signalsystem gemacht und geben den Wasser-
stand in Fuß und !/4 Fufs. Der Strom setzt im Allgemeinen in der Längs-
richtung des Kanals vom Asowschen ins Schwarze Meer mit einer mittleren
Geschwindigkeit von 2 Sm. Nordöstliche Winde erhöhen die Geschwindigkeit
des Stromes, und anhaltende steife südwestliche Winde geben dem Strom eine
entgegengesetzte Richtung. Ein Lootse hält sich gewöhnlich bei der Annähe-
rung eines Schiffes bereit. Nachdem man bei der Zollbehörde auf dem Wacht-
schiff einklarirt hat, kann man unter Lootsenführung in den Kanal einfahren.
Nach den russischen Vorschriften mufs jedes den Kanal passirende Schiff noch
0,13 m Wasser unter dem Kiel haben; neuerdings ist es jedoch dem Ermessen des
Lootsen überlassen, auch Schiffe mit gröfserem Tiefgang durch den Kanal zu
bringen. Sie werden jedoch dann für ein etwaiges Festkommen des Schiffes
verantwortlich gemacht. Schiffe mit mehr als 4,3 m Tiefgang dürfen nur von