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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 28 (1900)

Shanghai. 
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und etwas später die Inseln‘ der Saddle-Gruppe. Wenn man von Osten kommt, 
so erscheinen die Barren-Inseln zuerst nur als zwei, ist man aber ungefähr quer 
ab, so sieht man fünf Inseln und ziemlich weit ab nach SO noch einen kleinen 
Felsen. Leuconna erscheint, von der Nähe der Barren-Inseln gesehen, ziemlich 
hoch und lang. Nachmittags, als wir die Barren-Inseln passirt hatten, holte der 
Wind westlich und flaute zur Stille ab. Wir trieben jetzt bis 8 Uhr südwest- 
wärts recht auf Leuconna zu, darauf mit der Ebbe nordöstlich recht in der 
Richtung nach den Barren-Inseln,. Um Unfall zu vermeiden, mufsten wir um 
Mitternacht auf 54 m (30 Faden) ankern. - Das Feuer der Nord-Saddle-Insel 
peilte von dort NW'AW. Der 10. Mai begann mit Windstille. Die Ebbe lief 
bis 6 Uhr 30 Minuten, die folgende Fluth setzte nach SzW. Wir sahen viele 
Fischerjunken, aber von den Lootsenschonern, die nach den englischen Segel- 
anweisungen hier bei den Saddle-Inseln und ferner bei den Barren-Inseln und 
bei Leuconna ihre Station haben sollen, liefs sich keiner blicken. Mit sehr 
flauer Briese aus W und WSW gingen wir ankerauf und segelten längs der 
Saddle-Gruppe nordwärts. Um 4 Uhr nachmittags peilte Nord-Saddle-Insel WzN, 
8 Sm entfernt. Drei westwärts steuernde Dampfer und viele Fischerjunken. Um 
5. Uhr mufsten wir der Gegenströmung wegen auf 27m (15 Faden) ankern; um 
8 Uhr gingen wir bei flauer Südostbriese ankerauf, mußten aber, da es still 
wurde und der Strom uns stark auf Nord-Saddle-Insel zu setzte, um 9!/2 Uhr 
abends nahe unter der Insel wieder den Anker fallen lassen, Kein Lootse‘ und 
kein Schleppboot war zu sehen. Um 11 Uhr nachts gingen wir bei leichter 
Südostbriese und Nordnordweststrom von Neuem unter Segel. 
Ebbe- und Fluthstrom setzen‘ hier draufsen, wie vor und in dem Revier 
um den ganzen Kompafs, Die Fluth setzt die ersten zwei Stunden nach SSW 
bis SW, dann zwei Stunden nach W, WNW und NW, die Ebbe in den ersten 
zwei Stunden nach NNO und NO und dreht sich dann durch O0 und OSO 
nach SO. Die Fluth läuft etwas länger wie die Ebbe; Stillwasser ist kaum be- 
merklich. 
Am Morgen des 11. Mai steuerten wir bei leichtem Südostwinde Gutzlaff- 
Insel in Sicht und passirten um Mittag die Glockenboje. Eben innerhalb der 
Boje sahen wir zwei Lootsenschoner mit Flaggen auf. Wir dachten daher, dafs 
Lootsen an Bord wären, was aber nicht der Fall war; im Gegentheil hatte von 
allen sechs Schonern, die wir bis Tungsha-Feuerschiff antrafen und. die alle die 
Flagge geheilt hatten, kein einziger einen Lootsen an Bord. Um 1 Uhr nach- 
mittags erhielten wir endlich nahe dem Feuerschiff einen Schleppdampfer, der 
uns nach einem Ankerplatz bei Beacon Flats brachte. Die Dauer unserer Reise 
ergab sich damit von Anyer zu 59, von New York zu 149 Tagen, was jeden- 
falls nicht viel mehr als das Mittel ist.!) Zwei Petroleumschiffe, die wir in 
Shanghai antrafen, hatten bezw. 185 und 195 Tage Reise von New York gehabt. 
Am nächsten Mittag kam endlich der Lootse an Bord, unter dessen 
Führung wir um 4 Uhr einen Ankerplatz vor der Wusung-Barre erreichten. 
Nachts 2 Uhr kamen wir mit Hülfe von zwei Schleppdampfern, die längsseits 
festmachten, glücklich über die Barre. Es standen auf derselben 7,0 m (23 Fufs 
englisch) Wasser, während unser Schiff im frischen Wasser 6,73 m (21 Fufs 10 Zoll) 
tief ging. Mit Tagwerden kamen wir an die Stadt und legten sofort an die 
Oelwerft. . 
Die Lootsen für Shanghai darf man weder bei den Saddle-Inseln noch 
bei Gutzlaff-Insel erwarten, sondern erst bei der Glockenboje vor der südlichen 
Einfahrt zum Yangtse-Kiang, und selbst dort ist man nicht sicher, sie immer zu 
treffen. Vor dem nördlichen Eingange halten sie sich nie auf. Das Lootsen- 
wesen läfst hier viel zu wünschen ‚übrig. Es giebt 39 Lootsen, die meisten 
Engländer, von denen Jeder für sich arbeitet und seinen eigenen Schoner besitzt. 
Alle ziehen den Dampfer einem Segelschiffe vor, das lange warten kann, wenn 
nur der Rauch eines Dampfers sich sehen läflst. Es ist vorgekommen, dafs 
Segelschiffe zwei bis drei Tage aufserhalb der Glockenboje haben liegen müssen, 
ohne einen - Lootsen zu bekommen. Das Lootsen von Dampfern bringt den 
1) Die mittlere Dauer von Reisen von Lizard nach Shanghai, auf denen 80° Ö-Lg im März 
und April gekreuzt wird, ergiebt sich zu 148 Tagen. Die Reisen von New York. fallen durch- 
schnittlich etwas länger aus.
	        
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