Shanghai.
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und etwas später die Inseln‘ der Saddle-Gruppe. Wenn man von Osten kommt,
so erscheinen die Barren-Inseln zuerst nur als zwei, ist man aber ungefähr quer
ab, so sieht man fünf Inseln und ziemlich weit ab nach SO noch einen kleinen
Felsen. Leuconna erscheint, von der Nähe der Barren-Inseln gesehen, ziemlich
hoch und lang. Nachmittags, als wir die Barren-Inseln passirt hatten, holte der
Wind westlich und flaute zur Stille ab. Wir trieben jetzt bis 8 Uhr südwest-
wärts recht auf Leuconna zu, darauf mit der Ebbe nordöstlich recht in der
Richtung nach den Barren-Inseln,. Um Unfall zu vermeiden, mufsten wir um
Mitternacht auf 54 m (30 Faden) ankern. - Das Feuer der Nord-Saddle-Insel
peilte von dort NW'AW. Der 10. Mai begann mit Windstille. Die Ebbe lief
bis 6 Uhr 30 Minuten, die folgende Fluth setzte nach SzW. Wir sahen viele
Fischerjunken, aber von den Lootsenschonern, die nach den englischen Segel-
anweisungen hier bei den Saddle-Inseln und ferner bei den Barren-Inseln und
bei Leuconna ihre Station haben sollen, liefs sich keiner blicken. Mit sehr
flauer Briese aus W und WSW gingen wir ankerauf und segelten längs der
Saddle-Gruppe nordwärts. Um 4 Uhr nachmittags peilte Nord-Saddle-Insel WzN,
8 Sm entfernt. Drei westwärts steuernde Dampfer und viele Fischerjunken. Um
5. Uhr mufsten wir der Gegenströmung wegen auf 27m (15 Faden) ankern; um
8 Uhr gingen wir bei flauer Südostbriese ankerauf, mußten aber, da es still
wurde und der Strom uns stark auf Nord-Saddle-Insel zu setzte, um 9!/2 Uhr
abends nahe unter der Insel wieder den Anker fallen lassen, Kein Lootse‘ und
kein Schleppboot war zu sehen. Um 11 Uhr nachts gingen wir bei leichter
Südostbriese und Nordnordweststrom von Neuem unter Segel.
Ebbe- und Fluthstrom setzen‘ hier draufsen, wie vor und in dem Revier
um den ganzen Kompafs, Die Fluth setzt die ersten zwei Stunden nach SSW
bis SW, dann zwei Stunden nach W, WNW und NW, die Ebbe in den ersten
zwei Stunden nach NNO und NO und dreht sich dann durch O0 und OSO
nach SO. Die Fluth läuft etwas länger wie die Ebbe; Stillwasser ist kaum be-
merklich.
Am Morgen des 11. Mai steuerten wir bei leichtem Südostwinde Gutzlaff-
Insel in Sicht und passirten um Mittag die Glockenboje. Eben innerhalb der
Boje sahen wir zwei Lootsenschoner mit Flaggen auf. Wir dachten daher, dafs
Lootsen an Bord wären, was aber nicht der Fall war; im Gegentheil hatte von
allen sechs Schonern, die wir bis Tungsha-Feuerschiff antrafen und. die alle die
Flagge geheilt hatten, kein einziger einen Lootsen an Bord. Um 1 Uhr nach-
mittags erhielten wir endlich nahe dem Feuerschiff einen Schleppdampfer, der
uns nach einem Ankerplatz bei Beacon Flats brachte. Die Dauer unserer Reise
ergab sich damit von Anyer zu 59, von New York zu 149 Tagen, was jeden-
falls nicht viel mehr als das Mittel ist.!) Zwei Petroleumschiffe, die wir in
Shanghai antrafen, hatten bezw. 185 und 195 Tage Reise von New York gehabt.
Am nächsten Mittag kam endlich der Lootse an Bord, unter dessen
Führung wir um 4 Uhr einen Ankerplatz vor der Wusung-Barre erreichten.
Nachts 2 Uhr kamen wir mit Hülfe von zwei Schleppdampfern, die längsseits
festmachten, glücklich über die Barre. Es standen auf derselben 7,0 m (23 Fufs
englisch) Wasser, während unser Schiff im frischen Wasser 6,73 m (21 Fufs 10 Zoll)
tief ging. Mit Tagwerden kamen wir an die Stadt und legten sofort an die
Oelwerft. .
Die Lootsen für Shanghai darf man weder bei den Saddle-Inseln noch
bei Gutzlaff-Insel erwarten, sondern erst bei der Glockenboje vor der südlichen
Einfahrt zum Yangtse-Kiang, und selbst dort ist man nicht sicher, sie immer zu
treffen. Vor dem nördlichen Eingange halten sie sich nie auf. Das Lootsen-
wesen läfst hier viel zu wünschen ‚übrig. Es giebt 39 Lootsen, die meisten
Engländer, von denen Jeder für sich arbeitet und seinen eigenen Schoner besitzt.
Alle ziehen den Dampfer einem Segelschiffe vor, das lange warten kann, wenn
nur der Rauch eines Dampfers sich sehen läflst. Es ist vorgekommen, dafs
Segelschiffe zwei bis drei Tage aufserhalb der Glockenboje haben liegen müssen,
ohne einen - Lootsen zu bekommen. Das Lootsen von Dampfern bringt den
1) Die mittlere Dauer von Reisen von Lizard nach Shanghai, auf denen 80° Ö-Lg im März
und April gekreuzt wird, ergiebt sich zu 148 Tagen. Die Reisen von New York. fallen durch-
schnittlich etwas länger aus.