Durch die Sunda- und die Karimata-Strafse in das Südchinesische Mecr. 59
In der China- See nalım. „Osorno“ die Route östlich von den Tambelan-
Inseln und zwischen den Süd-Natuna-Inseln und Grofs-Natuna hindurch, Bis zur
Höhe von Pulo Seraya, welches man am 17. April um 8 Uhr morgens in SOzS,
18 Sm entfernt, peilte, war der flaue unbeständige Wind noch meistens von der
Nordseite, und der Strom. setzte oft stark nach SSW und SW, wodurch das
Schiff sehr zurückgehalten und mehrfach noch zu ankern genöthigt wurde. Auf
dem weiteren Wege, der ziemlich nahe der Westseite der Bänke hinführte, ging
die Fahrt mit auffrischendem südwestlichen Winde, der mehrmals, besonders
nachmittags, durch Regenböen aus NW unterbrochen wurde, rascher. von statten.
Am 22, April war der Mittagsort 10° 49‘ N-Br und 112° 7’ O-Lg. Hier holte: der
Wind südöstlich und brachte, ebenfalls ziemlich frisch wehend, das der Nordspitze
von Luzon zusteuernde Schiff am 25. nach 15° 50‘ N-Br und 117° 36’ O-Lg.
Hier nahmen flaue, veränderliche, oft nördliche Winde und Stillen wieder das
Regiment, Am 27, April mittags befand „Osorno“ sich West, ungefähr 25 Sm
von Kap Bolinao auf Luzon. Beim Aufarbeiten unter der Küste ‚stellten sich
Land- und Seebriese nicht ein, obwohl das Schiff sich nahe dem Lande hielt.
Letzteres war stets in Sicht; aber die hohen Berge im Innern waren stets in
dichte Wolken gehüllt. Ein schwacher Strom nach NNO half jedoch etwas mit,
und am 29, auf der Höhe von Punta Dile, die mit westlicher Briese erreicht
wurde, frischte der Wind aus 0SO von Neuem auf. In der Nacht zum 30. kam
Kap Bojeador in Sicht. Es wurden auf demselben zwei Feuer gesehen, beide
fest, das niedrigere . heller wie das höhere, Nach dem an Bord befindlichen
Feuerbuche sollte dort ein Drehfeuer sein.!) Bei Tage zeigte sich das Land,
welches für Kap Bojeador gehalten wurde, nach OSO etwas ansteigend, nach
nördlicher Richtung niedriger auslaufend. Auf demselben waren verschiedene
helle Flecke. Auch in OzN wurde in weiterer Ferne noch Land gesehen, wahr-
scheinlich Punta Dialao.
Ueber die Fahrt von der Nordspitze von Luzon nach Formosa
und an der Ostküste dieser Insel nach Norden schreibt. Kapt. Albrand:
Am 29. April gegen Abend klarte die Luft ab. Wir setzten, nachdem wir Kap
Bojeador gesichtet, unseren Kurs auf die Batan-Inseln, bekamen diese aber nicht
zu sehen, sondern später die Insel Tobago. Soviel hatte uns der Strom nord-
westlich versetzt. Wäre es nicht aufgeklart, so wären wir sicher auf Tobago
oder das Riff südlich davon gelaufen. Wir sichteten in der Ferne noch die
Küste von Formosa, und dadurch wurden wir erst gewahr, dafs das Land vor
uns Botel Tobago war. Hier kann man bei unsichtigem Wetter und dunkler
Nacht wahrlich sehr leicht sein Schiff versegeln. Ein Glück für uns, dafs das
Land noch vor Dunkelwerden in Sicht kam. Nachts war es sehr dunkel bei
regnerischem Wetter und lebhafter Briese aus SO und S. Setzten unseren
Kurs auf Tobago fort. Es kam uns zu statten, dafs in zwei Dörfern an der
Südküste Formosas die ganze Nacht hindurch sehr helle Feuer in Brand gehalten
wurden. Ein richtiges Leitfeuer fehlt hier sehr. Von dem auf dem Südkap vor-
hältnisse gezwungen wurde, östlich von den Tausend - Inseln zu gehen und dann nordwestlichen
Wind und östlichen Strom behielt, kaum in der Lage, einen anderen Weg als den durch die
Karimata-Strafse einzuschlagen. Auch ist die Dauer seiner Reise von 42 Tagen von 80° O-Lg nach
dem Aequator in der China-See keineswegs eine übermäfsig lange, wenn man in Betracht zieht, dafs
die mittlere Daner von Reisen nach Singapore durch die Sunda- und Banka-Strafse, die im Februar
und März ab 80° O-Lg angetreten werden, sich zu 42,6 Tagen ergiebt (Segelhandbuch, Seite 657).
Zwei nach der Herausgabe des Segelhandbuches vom Schiffe „Columbus“ gemachte Fahrten durch
die Gaspar-Strafse fielen freilich rascher ans, indem die Strecke von 80° O-Lg nach dem Aequator
im Jahre 1890 in 30 und im Jahre 1896 in 36 Tagen zurückgelegt wurde, Diese Reisen fielen
jedoch in eine um drei bis vier Wochen spätere, also günstigere Jahreszeit, indem 80° O-Lg auf
der ersten Reise am 28., auf der zweiten am 20. März überschritten wurde, Infolgedessen fand das
Schiff auf der Strecke von der Sunda- nach der Gaspar - Strafse auch schon südliche und südwest-
liche Winde, statt nördlichen und nordwestlichen. Dafs die Verhältnisse in der Karimata - Strafse
nicht immer so ungünstig sind, beweist die Reise der Bark „Gustav Oscar“, welche im Januar und
Februar 1893 von Tuban, Java, nach Singapore durch diese Strafse in 32 "Tagen gemacht wurde,
Die Reise fiel in die Jahreszeit der Höhe des Nordwestmonsuns, und es erforderte allein 10 Tage,
um nach der Länge von 'Fayal aufzukreuzen, wo man nach der Karimata - Strafse hielt. (Siehe
„Ann. d. Hydr. etc.“ 1891, Seite 434, 1896, Seite 305, und 1897, Seite 157.)
1) Die „Nachrichten für Seefahrer“ bringen nichts über eine solche Veränderung. Vielleicht
brannte das wirkliche Leuchtfeuer nicht wegen des Krieges, und was man sah, waren von den Ein-
wohnern angezündete Holzfeuer.